
EMP - 4 Decades Of Passion Teil 2
Special
1990 – 1997
Das neue Jahrzehnt startete für EMP sicherlich gut. Immerhin erblickten folgende Klassiker-Alben das Licht der Welt (und die entsprechende Promo-Maschinerie und Merch-Produktion setzte sich in Bewegung): „Rust In Peace“ (MEGADETH), „Painkiller“ (JUDAS PRIEST), „Cowboys From Hell“ (PANTERA), „Seasons In The Abyss“ (SLAYER), „Left Hand Path“ (ENTOMBED), „Souls Of Black“ (TESTAMENT), „Coma Of Souls“ (KREATOR), „Spiritual Healing“ (DEATH), „Persistence Of Time“ (ANTHRAX) u.v.a.
Gleichzeitig waren Festivals wie das Dynamo Open Air, Monsters Of Rock und nicht zuletzt das allererste Wacken Open Air in aller Munde – darüber hinaus freuten sich Print-Magazine wie der Metal Hammer und das Rock Hard über ordentliche Auflagen. Nimmersatte Metalheads bezogen ihre Infos zusätzlich über das Kerrang! und den MTV Headbangers Ball. Metal war also nicht totzukriegen. Noch nicht…

Ein Jahr später veränderte sich die Rotation der gezeigten Videoclips und statt AEROSMITH und BON JOVI in Dauerschleife, flimmerten immer häufiger Männer in löchrigen Jeanshosen und Oversized-Strickpullis über den Bildschirm, die statt satten Hardrock-Riffs aus ihren Jackson-Flying-V und B.C. Rich Warlock, dissonante Powerchords aus ihren Gibson Les Paul und Fender Stratocaster zauberten. Die dazugehörigen Bands hörten auf verspulte Namen wie SOUNDGARDEN, ALICE IN CHAINS, JANES ADDICTION, PEARL JAM, STONE TEMPLE PILOTS und NIRVANA. Alle kamen aus dem an Kanada grenzenden US-Bundesstaat Washington; die meisten Bandmitglieder lebten in der Metropole Seattle, die bis dahin wahrscheinlich nur Kaffeeliebhaber:innen ein Begriff gewesen ist.
Gleichzeitig stilisierte sich ein gewisser Axl Rose zum Influencer, indem er modisch alles auf eine Karte setzte: Ein Bandana, das breit gebunden den Kopf schmückte. Das „Kill Your Idols“ T-Shirt, Kettchen und Bändchen an den Handgelenken. Um die Hüften ein Karohemd gebunden und vom Bauch abwärts die alles entscheidende Radlerhose (die etwas zu viel Axl Rose preisgab) und Springerstiefel an den Füßen.
Die Karawane zieht weiter – ein Unternehmen geht mit
In einer durchaus harmonischen Koexistenz verbanden sich also Heavy Metal und Grunge zu einer gitarrendominierten Welt, die auch in den erwähnten Medien parallel funktionierte. Der anfänglich von der Wut und Aggression des Punks getriebene Grunge entwickelte sich aber stetig zum Sprachrohr einer ganzen Generation, der es nicht mehr reichte, mit dem Tennisschläger vor dem Spiegel zu posieren und Eddie Van Halen zu mimen. Die neuen Idole hießen stattdessen Eddie Vedder und Layne Staley.
Spätestens als im Sommer 1991 „Smells Like Teen Spirit“ und „Even Flow“ täglich gefühlt 25 Mal auf MTV gezeigt wurden, veränderte sich auch die Garderobe der Jugendlichen und eine fein säuberliche Trennlinie zwischen Metal, Hip-Hop und allem anderen, wich dem Grunge-Look. Neben der eigentlich namensgebenden Musik designten Warenhäuser dafür sogar ganze Kollektionen.

In der Chefetage von EMP muss es damals heiß her gegangen sein. Immerhin wurde das Unternehmen einst von Metallern gegründet, die ihre Passion und das eigene Lebensgefühl damit für eine breite Masse zugänglich machen wollten. Jetzt veränderte sich alles, und zwar in rasantem Tempo. Sicher, Metalheads gab es weiterhin, neue kamen aber nur noch wenige dazu. Möglicherweise hat sich auch in dieser Zeit ein Trend entwickelt, der heute oft von kritischen Stimmen kommentiert wird. An dieser Stelle soll es aber mehr um die Evolution des musikalischen Untergrunds zu einem marktführenden Genre gehen. Fun-Shirts, Schottenröcke und spitzenbesetzter Gothic-Chic bilden mittlerweile aber ein genauso wichtiges Fundament für EMP, wie Bandshirts und Tonträger. Eine Ursache für diese Entwicklung mag im Jahr 1991 liegen.
Auf der nächsten Seite weiterlesen!
Interessante Alben finden
Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 38500 Reviews und lass Dich inspirieren!
Oliver Di Iorio




























Kommentare
Sag Deine Meinung!