Speed Invasion Tour 2026
White Line Fever - Ein Tourtagebuch

Special

Tag 1: 29. März – Stadt: Kassel – Location: Goldgrube

Die Goldgrube ist in ein Kellergewölbe eingelassen, das über eine schmale Treppe erreicht wird. Wer schon einmal ins Inntere der Cheops Pyramide in Gizeh hinabgestiegen ist, hat eine ähnliche Erfahrung gemacht. Im Club drängen sich die Menschen und ich muss den Bauch einziehen um mich an der Bar entlang, bis vor die Bühne zu schlängeln. Unterwegs treffe ich aber schon Laz Cultro, seines Zeichens Gitarrero von KNIFE. Kurz darauf schwingt die Tür vom Backstagebereich auf (der sich auf ein paar wenige Quadratmeter beschränkt und mit ein paar Küchenmöbeln und allerlei Musikermitbringsel vollgestellt ist) und Vince Nihil und Thanatos treten in Erscheinung.

Einen kurzen, aber innigen Widersehensschnack später, erklingt auch schon „Danger Zone“ aus den Boxen – das Intro der Thrasher von TASKFORCE TOXICATOR. Der KENNY-LOGGINS-Anheizer vom Top-Gun-Soundtrack schmiegt sich in seiner 80s-Ästhetik an das Band-Image an, immerhin treten die Münsteraner mit grellen Neonfarben und Laserschwertern an. Hintereinander begeben sich die Musiker auf die Bühne und ballern hernach ein ordentliches Brett US-Thrash-Metal in den Saal. Das geht ja schon einmal gut los. Irgendwann bringt Sänger Fabian tatsächlich die Jedi-Klinge zum Leuchten und lässt sie spielerisch auf seine Bandkollegen herabsausen, während die Titeltrack „Laser Samurai“ des Debüt-Albums spielen. Gleichzeitig landen ein paar aufblasbare Lichtschwerter im Publikum, was wiederum ein stimmiges Bild abgibt, als diese emporgereckt werden.

Taskforce Toxicator - Laser Samurai

Danach gönne ich mir erstmal ein hopfenlastiges Erfrischungsgetränk, klettere an die Oberfläche und sauge die frische, Kasseler Stadtluft gierig in meine Lungen. Die Goldgrube ist ein Hexenkessel, so viel kann ich jetzt schon sagen. Als WARRANT die Bühne entern, ist der Club wieder voll und ich stehe zu meinem großen Entsetzen neben einem mannshohen Lautsprecher, direkt am Bühnenrand. Es gibt diesen Film, in dem Jimmy Page, Jack White und The Edge dokumentarisch in Szene gesetzt werden. Der heißt „It Might Get Loud“. Der WARRANT-Gig hingegen kann getrost mit dem Titel „It Was Definitely Loud“ geschmückt werden. Während Sänger/Bassist Jörg Juraschek unablässig versucht, das Publikum zu animieren, fliegen Michael Dietz und Adrian Weiss über die Griffbretter ihrer Gitarren und materialisieren den Titel ihres aktuellen Albums „The Speed Of Metal“. Der Hingucker bei diesem Auftritt ist aber Drummer Marius Lamm, der mit einer scheinbaren Leichtigkeit auf das Drumkit eindrischt, als gäbe es kein Morgen. Dabei ist er präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Ich muss es zugeben: Mir macht es richtig Spaß, ihm beim Trommeln zuzuschauen. Später im Set geben WARRANT dann ihren Signature-Song aus, bei dem der Namensgeber, Henker und Bandmaskottchen – der Enforcer – die Bühne stürmt und das Publikum mit seiner Kopf-Ab-Axt bedroht. Das Ganze entbehrt einer Prise Comedy nicht, denn immerhin rührt die Performance aus längst vergangenen Heavy-Metal-Tagen, die im vergleich zu modernen, digitalen Showelementen herzzerreißend schön ist.

Warrant - The Speed Of Metal (Cover)

Die Headliner dynamisieren sich wenig später wie von selbst auf der Bühne und nutzen jeden Zentimeter aus. Während Laz seinem Sound die die XL-Portion Fettheit durch das Bespielen von zwei Stags verleiht, lässt Gypsy Danger seine meterlangen Dreadlocks bis zu den Fersen baumeln und Vince Nihil schreit, zetert und lässt mitsingen. Eigentlich also alles wie gehabt. Mir geht allerdings frühzeitig die Puste aus. Schlagartig holt mich der Schlafmangel aus Hirschaid ein, während die Lautstärke an meinem „Boxenplatz“ den Puls auf „Wahnsinnige Geschwindigkeit“ anschwellen lässt. Das ist wohl ein klarer Fall von Festival-Entzugserscheinungen und ich bin irgendwie froh, als KNIFE ihr Set mit „Power Thrashing Death“ (WHIPLASH) beenden. Ohne weitere Abschiedsfloskeln mache ich mich auf den Heimweg zum Camper, der wie aus dem Ei gepellt auf dem Parkplatz steht. Das letzte Feierabendbierchen mache ich noch auf, nur um den Inhalt am nächsten Morgen (natürlich unangetastet) in den Ausguss zu schütten. Profi.

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15.05.2026

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