Speed Invasion Tour 2026
White Line Fever - Ein Tourtagebuch

Special

Tag 3: 31. März – Stadt: Frankfurt am Main – Location: Ponyhof

Frankfurt am Main ist eine Stadt, die viele Geschichten erzählt. Neben dem Sitz der Europäischen Zentralbank, wurde Goethe hier geboren, befindet sich  Deutschlands größter Flughafen vor den Toren der Stadt, besitzt die Gegend um den Hauptbahnhof ein berüchtigtes Rotlichtviertel und ist Frankfurt obendrein Heimat der Hessen-Thrasher von TANKARD. Außerdem kannst du regelmäßige Konzertbesucher mitten in der Nacht anrufen und nach den Top 10 Locations des Landes fragen. Die hiersige Batschkapp wird immer dabei sein.

Mein Weg führt mich heute ins Herz der Frankfurter Weggeh-Szene nach Sachsenhausen. Im dortigen Ponyhof macht die „Speed Invasion Tour 2026“ heute Halt. Den Camper stelle ein paar Kilometer entfernt an einem Friedhof ab und genieße den Fußweg in der kühlen Luft, bis Nieselregen einsetzt und ich mit nassen Füßen vor dem Club eintreffe. Die Größe des Ladens ist nicht das, was man gemeinhin als überdimensioniert bezeichnen würde, womit wir von einem extrem gemütlichen Abend ausgehen. Gerade läuft der Soundcheck und ich verziehe mich ins obere Stockwerk des Gebäudes, wo ein schöner Backstagebereich eingerichtet ist und ein warmes Essen zubereitet wird. Noch eine Etage darüber, befindet sich der Übernachtungsplatz für Künstler:innen, die Vince Nihil und Gypsy Danger voll in Beschlag genommen haben. Ersterer, weil er den Höhepunkt seines grippalen Infekts erreicht hat. Letztgenannter, weil er gestern einfach zu tief in die Gin-Mischung geschaut hat und seinen Hangover auskurieren muss.

Der Tag zieht sich, weil an einen Spaziergang dank des Wetters nicht zu denken ist, das Bier zwar schmeckt, wir uns aber nicht aus Langeweile volllaufen lassen wollen und der Raum an seine Kapazitätsgrenzen stößt, als die Jungs von WARRANT eintreffen. Deren Gitarrist Adrian musste leider die Heimreise antreten und reißt eine damit zwar ein Lücke in die, ansonsten ausgezeichnet harmonische Gruppe aus allen an der Tour beteiligten Menschen, aber es muss ja weitergehen. „Wo ist eigentlich der Enforcer?“ fragt Laz in den kurzzeitig stillen Raum und da ist er wieder: Der Spirit vom kurzfristig entstandenen Zusammenhalt einer Entourage, als alle gemeinsam in ein Lachen einstimmen. Klar, ein Insider-Gag, aber genau darum geht es manchmal.

Der Ponyhof droht später aus allen Nähten zu platzen und wie ich es befürchtet hatte, kommt man kaum vom Eingang bis zu einem Ort, an dem man freie Sicht auf die Bühne hat. Die Luft ist zum Schneiden und heute stehe ich endlich einmal wieder in einem Club, in dem der vielzitierte Schweiß von der ebenso häufig erwähnten Decke tropft. Trotzdem ärgere ich mich kurz, denn neben der Bühne ist ein kleiner Raum, in dem die Bands ihre Instrumente und sonstiges Equipment abstellen können und ich Blödian habe Bleistift und Notizblock ebenfalls dort abgelegt. An die Utensilien ist kein Herankommen, zumal die Kammer derart vollgestopft ist, dass sich die Tür faktisch nicht mehr öffnen lässt und sich im Inneren Gigbags, Cases, Stative, die Axt vom Enforcer und Regale Türmen. Gerüchten zufolge soll Jörg den gesamten TASKFORCE-Gig dort verbracht haben, um sich „warm zu spielen“.

Apropos TASKFORCE TOXICATOR: Die ziehen Ihr Ding eiskalt durch, mit Laserschwertern und allem Drum und Dran. Für fünf Leute bietet die Bühne aber wirklich wenig Bewegungsfreiheit und nach allem, was ich an den beiden letzten Abenden von der Band gesehen habe, ist das schade. Speziell Fabian rockt den Gig normalerweise richtig ab, heute eben notgedrungen mit angezogener Handbremse. Das die Band aber wie jeden Abend auch etwas für die anwesenden SLAYER-Fans im Repertoire haben, ist Ehrensache und so dürfen wir wieder zusammen ein paar Textfetzen von „Angel Of Death“ skandieren.

Konzertfoto von Taskforce Toxicator - Revolt! 2022

Taskforce Toxicator – Revolt! 2022

Die Umbaupause könnte hektisch sein, weil ja kaum Platz ist und der Zutritt in den Abstellraum mit den erwähnten Hindernissen erschwert ist. Genaueres kann ich allerdings nicht berichten, weil ich mich doch noch einmal „nach oben“ verziehe und einen dringend benötigten Kaffee runterstürze. Dort laufe ich einem käsebleichen Vince in die Arme, der mit einem Inhalationsgerät hantiert. Ich bin mir sicher, dass das KNIFE-Konzert abgesagt wird. Wird es aber nicht, soviel kann ich verraten.

Zuerst stehen aber WARRANT auf der Bühne, wobei Jörg erstaunlich vital wirkt, nachdem er dem Instrumentenraum entkommen ist. Ich stelle mir immer noch die Szene aus „Star Wars – Eine Neue Hoffnung“ vor, als Leia, Luke, Han und Chewie im Müllschacht des Todessterns landen und die Wände zusammengedrückt werden. Sicher kein guter Ort für Menschen, die unter Agoraphobie leiden. Verschmitzt kurbelt Marius die Standsirene an, mittels derer WARRANT jeden Abend ihr Set einleiten. Das Publikum ist bestens gelaunt, Jörg bodenständig wie immer und die Band schafft es, den Verlust von Adrian so schmerzfrei wie möglich zu gestalten. Jedenfalls funktioniert der Auftritt als Trio wunderbar. Ein Wehmutstropfen ist aber, dass Gypsy heute nicht wie versprochen den Enforcer mimen kann, weil ihm Bamberg immer noch zu tief in den Knochen sitzt.

Konzertfoto von Warrant auf dem Ruhrpott Metal Meeting 2022

Warrant – Ruhrpott Metal Meeting 2022

KNIFE machen später das, was KNIFE immer machen. Sie liefern ab und wenn man es nicht besser wüsste, wäre von Schnupfen, Heiserkeit und Kater nichts zu spüren. Das ist nicht nur professionell, es ist auch einfach bockstark, denn vermeintlich „größere“ Bands würden die Show mit großer Allüren-Geste abgesagt haben. Vor der Bühne formiert sich ein amtlicher Moshpit, Michael ist mit seinen Kameras mittendrin, was auch ein gutes Zeichen ist. Seit seinem Verschwinden im Rausch des Partyvolks sehe ich ihn das erste Mal in vollem Einsatz wieder. Im Ponyhof brummt es, die Menschen haben eine gute Zeit und doch ist von Aftershow-Feierlichkeiten nicht die geringste Rede. Wir werden alle nicht jünger und immerhin stehen noch vier weitere Tourdaten an.

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15.05.2026

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