Electric Eye - From The Poisonous Tree

Review

Die Farbgebung des Covers und der Bandfotos deutet es an: Sicher sind bei den Sessions von ELECTRIC EYE irgendwelche Drogen im Spiel. Man möchte es ihnen angesichts der Qualität von “The Poisonous Tree” aber auch gar nicht mal verübeln, denn so eine Platte kann man im Grunde nur aufnehmen, wenn man irgendwie druff ist. Denn alles andere wäre einfach nicht authentisch. Ebenso heuchlerisch wären cleane Bubis, die ihre Drogenfantasien mit Wüstensound versehen. Aber das ist eine andere Baustelle, denn mit Wüste haben ELECTRIC EYE relativ wenig zu tun. Es sind eher die Sechziger und Siebziger, die es den Norwegern angetan haben. Und ja, natürlich stellt sich an dieser Stelle mittlerweile wie von selbst die Frage, ob so eine Platte bei dem Überfluss an Retro-Bands heutzutage überhaupt noch nötig ist. Natürlich trifft das zu, wenn eine Band den ungeschminkten, retrospektiven Blick in die Vergangenheit wirft, ohne selbst etwas auf der Pfanne zu haben. Ein Glück sind ELECTRIC EYE keine derartige Gruppe.

ELECTRIC EYE servieren ein Gericht aus Pilzen und Okraschoten

Die Einflüsse, die es auf “From The Poisonous Tree” geschafft haben, sind so facettenreich wie der Cocktail, den sich die Herren vermutlich vor den Aufnahmen injiziert haben. Dabei kommen einem angesichts des auf groovende Schlagzeug-Bass-Kombination setzenden Sounds mehr als nur einmal CAN in den Sinn, speziell “Ege Bamyasi”. Ihr wisst schon, das Album mit der Büchse Okraschoten vorne drauf. Und tatsächlich kann man Gemeinsamkeiten ausmachen. Das rhythmische Fundament steht klar im Vordergrund und dient als Spielplatz für Gitarre und Orgel, die hierauf Platz zum munter Rumwuseln haben, dank der rockigen Grooves aber stets in Reichweite bleiben. Der mehrstimmige, erstaunlich subtile Gesang klingt durch die zahlreichen Chorus-Effekte verzerrt wie durch einen wenn auch vergleichsweise leichten Drogennebel hindurch vorgetragen. Generell ist man eher träge unterwegs, aber im Rausch will man ja ohnehin nichts überstürzen. Und hey, es gibt leckere Pilzpfanne mit Okraschoten aus der Büchse, also das darf man auch mal in Ruhe genießen.

Manchmal treten ELECTRIC EYE aber auch etwas aufs Gaspedal und erinnern dann an die australischen Kollegen von KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD. Dann drücken die sonst so gemächlich dahin groovenden Rhythmen kräftig nach vorne, dann spielen die Gitarren auch mal etwas heavier auf, dann darf die zugedröhnte Birne mal wieder etwas beansprucht werden. Das geschieht zum Beispiel gleich beim Opener “Sometimes You Got To Jump To Lift Your Feet”, das einem umgehend in die Hüften fährt. Zusammen mit einem gelungenen Mitsingrefrain holen ELECTRIC EYE ihr Publikum hier gekonnt ab – um sie dann im Folgenden durch einen Hindernisparkour der bewusstseinserweiternden Substanzen zu führen. “Invisible Prison” ist richtig funky unterwegs und enthält ebenfalls einprägsame Gesangslinien. Auch die Melodieführung ist ein Genuss zusammen mit anschwellenden Chören, welche die Endorphinproduktion ankurbeln. Als Schmankerl gibt es hier noch ein paar Zupfer auf der Sitar obendrauf. “Serenity” trödelt dagegen so richtig schön träge vor sich hin. Hier stechen vor allem die stimmungsvolle Percussion und die subtilen Synthesizer hervor.

Ein Geschmacksparcours der anderen Art

Und daneben sind es auch die Kleinigkeiten, die den Songs Charakter verleihen. Seien es die wabernden Klänge am Anfang von “Meditasjonen”, die was von den psychedelischeren MONSTER MAGNET haben, oder die an “Money For Nothing” von den DIRE STRAITS erinnernden Gitarren in “The Diamond Sutra”. Und hey, die Platte eignet sich wunderbar als Overdub für Filme der Marke “Fear And Loathing In Las Vegas”. “From The Poisonous Tree” hat Charakter und Geschmack und lässt die Frage, ob wir noch so ein Retro-Dings-Album benötigen, einfach links liegen. Brauchen tun wir das vielleicht nicht. Aber sind wir doch mal froh, dass ELECTRIC EYE diese Frage ignoriert haben, sonst wären wir um ein starkes Album dieser Art ärmer.

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20.11.2017

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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