Versengold - Funkenflug

Review

Galerie mit 14 Bildern: Versengold auf dem Summer Breeze Open Air 2016

VERSENGOLD – Neuer Deutscher Folk im Wandel

VERSENGOLD befinden sich seit einiger Zeit in einem Wandlungsprozess. Vom ursprünglichen mittelalterlich angehauchten Lagerfeuer-Folk ist kaum noch etwas übrig. Stattdessen setzte man in der Bandhistorie mehr und mehr auf treibende Partyhymnen, die mal lustig, mal erzählerisch spannend und mal mit mehreren Deutungsebenen daherkamen. Durch Hinzunahme von Bass und Schlagzeug entstand dann 2015 das bislang letzte und deutlich druckvollste Album “Zeitlos“, welches die klassischen VERSENGOLD-Elemente deutlich zurückschraubte und textlich in emotionalere und teils philosophische Gebiete eindrang. Anno 2017 soll mit “Funkenflug“ dieser Weg weitergegangen werden, wenngleich dieser bei den Fans nicht undiskutiert bleibt.

Bereits die vorab ausgekoppelte Single “Haut Mir Kein‘ Stein“ deutete bereits an, dass nachdenkliche Texte bei VERSENGOLD in Zukunft einen hohen Stellenwert einnehmen – und das zurecht! Denn bei diesem Song ist ohne jeden Zweifel für den geneigten Hörer die Gänsehaut vorprogrammiert. Durch die überspitze Darstellung, was nach dem eigenen Tod passieren soll, wächst “Haut Mir Kein‘ Stein“ zu einem intensiven und lebensbejahenden Lied heran, das es in dieser Form noch nie bei VERSENGOLD gab. Authentisch, ein klein wenig witzig und hochgradig emotional – das Aushängeschild der Platte hätte wohl kaum besser gewählt werden können.

Zwischen Dynamik und Pop

“Funkenflug“ hat jedoch noch wesentlich mehr zu bieten. “Niemals sang- und klanglos“ könnte die nächste Live-Hymne werden, das mystisch angehauchte “Samhain“ besticht durch eine packende Melodie und einen textlich hervorragenden Wechsel im Schlussrefrain und “Feuergeist“ beginnt zwar als ruhige Ballade, entwickelt sich jedoch nach kurzer Zeit zu einem enorm tanzbaren Song, zu dem bestimmt bei Livekonzerten besonders vortrefflich ausgerastet werden kann. VERSENGOLD haben also auch die schnelleren Lieder noch gut drauf, auch wenn der Stil sich stark weiterentwickelt hat. Gelegentliche Ausflüge in Popgefilde hinterlassen dabei trotzdem hin und wieder einen faden Beigeschmack. Besonders die vermehrt eingesetzten “Ohohoh“-Passagen trüben das Gesamtbild, wie im bereits genannten “Niemals sang- und klanglos“ oder im Titeltrack “Funkenflug“ ein wenig. Diese kurzen Eindrücke verfliegen jedoch aufgrund der großen Vielfalt und Spielfreude des Albums recht schnell.

Ein Highlight jagt das nächste!

Das Album wird auch in der zweiten Hälfte nicht schwächer. “Solange Jemand Geige Spielt“ ist dabei ein wirkliches Highlight. Die Leichtigkeit in Text und Musik überträgt sich vom ersten Moment beginnend an den Hörer und vermittelt so ein durchweg positives Gefühl. Doch VERSENGOLD können noch mehr! “Nebelfee“ ist eine von Klavier sehr treffend untermalte Ballade, die ein wenig an “Vom Zauber Des Wildfräuleins“ erinnert und somit von vornherein ein Treffer werden musste. Auch die Instrumentals “Biikebrennen“ (endlich wieder ein wenig mehr Bodhrán!) und “O’Rileys Lichterfest“ sind in typsicher VERSENGOLD-Manier sehr gelungen, und geben dem Album nicht nur ein wenig Struktur, sondern auch zwei tolle tanzbare Stücke.

Man könnte meinen, dass es sehr viel besser nicht mehr kommen kann. Doch gegen Ende gewinnt das Album noch zusätzlich an Fahrt. Nachdem mit dem herrlich mit Klischees spielenden “Verliebt In Eine Insel“ Irland gehuldigt wurde, kann man bei “Herz Durch Die Wand“ verträumten Uilleann-Pipes und einem Hackbrett lauschen, die den folkigen Gesamtsound der Band um zwei passende Instrumente erweitern. Auch der Songs selbst begeistert durch einen zwar recht allgemeinen aber dennoch nicht klischeebeladenen Text, was nun wirklich eine Meisterleistung ist. Textlich noch wesentlich spannender geht es bei “Das Wär‘ Ein Traum“ zu, in welchem mit einer treffenden Metapher reichlich Gesellschaftskritik geübt wird. Durch die zusätzlich einprägsame Rhythmik und einen hymnischen Refrain bekommt man gegen Ende des Albums noch eine richtige Perle präsentiert.

Fazit

Ich gebe zu, ich war nicht von Anfang an derartig überzeugt von “Funkenflug“. Traurig über die kaum noch eingesetzte Bodhrán und eine manchmal poppigere Note dachte ich, dass VERSENGOLD wohl nicht mehr derartig packen können. Doch nach intensivem mehrmaligen Hören bin ich der festen Überzeugung, dass “Funkenflug“ ein musikalisch über alle Maßen gelungenes und vielfältiges Album geworden ist, dass den aktuellen Sound von VERSENGOLD perfekt repräsentiert. Platz 2 in den offiziellen deutschen Albumcharts hat die Platte auf jeden Fall verdient. Glückwunsch! Bleiben wir gespannt, wo die musikalische Reise von VERSENGOLD noch hinführt.

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19.08.2017

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