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Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.
Wenn der Name JAGUAR ins Spiel kommt, dann dürften viele Menschen wahlweise an schnelle Raubkatzen oder schnelle und schicke Autos denken. Bezüglich Musik kam JAGUAR Ende der 70er ins Spiel und das Debüt „Power Games“ aus dem Jahr 1983 steht ebenfalls für Tempo. Die Truppe aus Bristol gehört zur NWoBHM und veröffentlichte im März 1983 das Debüt bei dem angesagten NWoBHM-Label Neat Records, wo auch ein gewisser Conrad „Cronos“ Lant (R.I.P.) mögliche Kandidaten heranschaffte. JAGUAR war aber keine Lant-Entdeckung. Auf dem Dutch Rock Festival 1982 war es Dave Wood, der damalige Manager von RAVEN und Chef von Neat Records, der die Band aus Bristol zu Neat Records brachte.
“Power Games” und der No-Nonsense High-Speed Approach
Die ersten Aktivitäten von JAGUAR stammen aus dem Jahr 1979 und führten die Band bereits vor dem ersten Release für einige Gigs zum Beispiel nach Holland. Zwei Demo-Tapes mit insgesamt neun Stücken waren ausreichend für einige Shows. Die erfolgreiche Teilnahme an einem Nachwuchswettbewerb und die Veröffentlichung der Single „Back Street Woman“ sorgte für das Signing bei Neat Records. Es folgte eine weitere Single-Veröffentlichung („Axe Crazy“), ehe es für vier junge Menschen ins Studio geht. „Power Games“ wird im englischen mit No-Nonsense High-Speed Approach sehr gut beschrieben.
Warum der Opener „Dutch Connection“ ist, dürfte sich durch die bisherige Bandgeschichte erklären. In drei Minuten bringen JAGUAR ihren Speed Metal ohne jeden Schnickschnack auf den Punkt. „Out Of Luck“ ist immer noch temporeich, aber verspielter als der Vorgänger und näher am Heavy Metal und dem Sound der NWoBHM. Zwischen Speed Metal und Heavy Metal, aber immer mit ordentlich Gummi auf den Saiten, mähen sich JAGUAR sich anfänglich durch ihr Debüt. Auf knapp drei Minuten „The Fox“ folgen mehr als vier Minuten „Master Games“, wo der balladeske Einstieg mit ganz anderen Akzenten um die Ecke kommt. Melodie und eine gewisse Komplexität beim Songwriting lassen bereits erahnen, dass der reine Speed Metal nicht das dauerhafte Metier von JAGUAR ist.
„Run For Your Life“ dürfte einer der meistgenutzten Songtitel sein. Der von JAGUAR ist ein Stück Musik, das für die Weiterentwicklung der zweiten NWoBHM-Welle steht. Den galoppierenden Rhythmus gibt es nicht mehr. Irgendwo zwischen komplexeren Hard Rock der Marke TYGERS OF PAN TANG, ANGEL WITCH und eine Schippe IRON MAIDEN lassen JAGUAR ihr Potential aufblitzen, um anschließend mit „Prisoner“ erneut aufs Tempo zu drücken.
Ein Goodwill an die bisherigen Fans der NWoBHM? „Ain’t No Fantasy“ kommt so rüber, bevor noch zwei Nummern auf dem Programm stehen, die bereits von den Laufzeiten mit mehr als sechs bzw. mehr als fünf Minuten hervorstechen. „Spellbound“ von TYGERS OF PAN TANG sowie die frühen MAIDEN-Platten könnten für „Rawdeal“ eine Inspiration gewesen sein. Wie bereits bei „Master Games“ zeigen JAGUAR sich nicht nur vor der reinen Speed-Metal-Seite und liefern weit mehr als gradlinigen Haudrauf. „Coldheart“ kombiniert zum Abschluss die beide Ansätze.
JAGUAR und das Debüt in der Retrospektive
1983 ist die große Zeit der NWoBHM vorbei. „Kill ‚Em All“ und „Piece Of Mind“ liegen im Sommer des Jahres in den Plattenläden und „Black Metal“ von VENOM ist bereits circa ein halbes Jahr alt. Der Erfolg von „Power Games“ ist mäßig. Wären JAGUAR mit dem Ding zwei Jahre früher unterwegs gewesen, wäre der weitere Verlauf der Bandgeschichte vermutlich ein anderer geworden. Nach der zweiten LP „This Time“ und Ärger mit dem damaligen Label Roadrunner Records lösen sich JAGUAR auf. 1998 reformiert sich die Band und veröffentlicht drei weitere Platten ohne große Resonanz. Seit 2024 sind JAGUAR inaktiv.
Die frühen Demos der Speed-Metal-Phase von der Truppe aus Bristol gelten als einflussreich für viele andere Bands, ohne das JAGUAR davon profitierten. Gitarrist Garry Pepperd kommentierte viele Jahre später wie folgt:
„Man könnte sagen, wir waren Thrash Metal und Speed Metal, bevor es so etwas gab. Wir waren Teil der zweiten Generation der New Wave of British Heavy Metal. Wir und RAVEN spielten Musik etwas schneller als Bands wie SAXON und TYGERS OF PAN TANG. Wir spielten etwas, das einflussreich wurde, auch wenn wir es damals nicht wussten.“
Wer in die späte Phase der NWoBHM eintauchen möchte, findet mit „Power Games“ von JAGUAR eine Perle, die im Kontext der englischen Bewegung zu oft untergeht. Nicht nur Speed Metal, abwechslungsreich und vielseitig präsentieren sich JAGUAR auf ihrem Debüt. Die frühe Demophase der Band ist zum Beispiel auf der Kompilation „Power Games – The Anthology“ von Sanctuary Records aus dem Jahr 2002 zu finden, wo es ebenfalls hörenswertes Material zu entdecken gibt.

Jürgen Fenske



























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