Alternative 4
Interview mit Duncan Patterson zu "The Obscurants"

Interview

Alternative 4

Auf Duncan Patterson ist einfach Verlass. Früher bei ANATHEMA, später bei ANTIMATTER, inzwischen mit ALTERNATIVE 4 – egal wo der gute Mann auch immer seine Songwriter-Hände im Spiel hat, erfreut er den Hörer mit wunderbar intensiven, melancholisch-atmosphärischen Klängen. Das zweite ALTERNATIVE 4 Album „The Obscurants“ bildet da keine Ausnahme. Doch lassen wir nun den Meister selbst sprechen.

Alternative 4

Dein zweites Album mit ALTERNATIVE 4, welches nun veröffentlicht wurde, heißt „The Obscurants“. Bitte erzähle uns zuerst über die Zeit zwischen eurem Debütalbum „The Brink“ und dem neuen Werk!

Nachdem wir „The Brink“ veröffentlicht hatten, war ich sehr frustriert aufgrund der fehlenden Promotion als auch Kommunikation durch das damalige Label Avantgarde. Letztendlich kamen wir zu der Übereinkunft, dass sie uns aus dem Vertrag ließen, und wir die Plattenfirma wechseln konnten. Wir sind jetzt bei Prophecy Productions, welche das Debüt wiederveröffentlicht haben. Zwischendurch hatte ich die Songs für das zweite Album „The Obscurants“ geschrieben, und wir haben dieses aufgenommen.

Sänger Mark Kelson (THE ETERNAL, CRYPTAL DARKNESS) ist nicht mehr Teil von ALTERNATIVE 4. Was war passiert?

Als ich die Songs für „The Obscurants“ schrieb realisierte ich, dass wir dafür eine zweite Stimme benötigen. Also sprachen wir in der Band darüber und ich fragte die anderen, ob sie jemand kennen der passen würde, oder rumfragen könnten. Alles schien cool zu sein. Doch dann trat Simon Flatley an mich heran, der ungefähr in der Hälfte der Aufnahmen im Studio zu uns stieß. Es wurde offensichtlich, dass Mark Missbehagen hatte, das Mikrofon mit jemand anderem zu teilen. Das verbreitete eine schlechte Atmosphäre im Studio, und ich musste darin arbeiten. Er hatte auch im Gegensatz zu Simon keine Verbindung oder Interesse zu den Texten oder zum Konzept des Albums. Ich schätze daher, dass er sich richtig ausgeschlossen fühlte, als wir diese politischen Diskussionen führten. Kurze Zeit danach stimmten wir darin überein, dass es für beide Seiten das Beste wäre, wenn er aus ALTERNATIVE 4 aussteigt und sein Hauptaugenmerk wieder auf THE ETERNAL richtet. Mark ist ein talentierter Musiker und netter Kerl, aber wir haben was Moral und Politik anbelangt haben wir wenig gemeinsam, was ein großer Teil dieser Band ist.

Wie du schon gesagt hast, habt ihr mit Simon Flatley einen neuen Sänger. Wie seid ihr miteinander in Kontakt gekommen und was kannst du uns über ihn erzählen? Wie groß war sein Einfluss auf „The Obscurants“ und wie ist das Bandfeeling jetzt?

Er kontaktierte mich wegen des Jobs als Sänger und sandte mir einige seiner Demos. Er klang gut und hatte auch Interesse an der konzeptionellen Seite. Als er dann im Studio zu uns stieß leistete er großartige Arbeit und verbesserte das Album wirklich. Die Band hat sich seit einiger Zeit nicht mehr getroffen.

Was kannst du uns sonst noch über das Songwriting und die Aufnahmen zu „The Obscurants“ erzählen?

Es ist sehr minimalistisch gehalten. Vieles basiert auf dem Piano mit markanten Basslinien. Ich wollte im Stile von „Still Waters“ vom ersten Album weitermachen. Der Aufnahmeprozess war dieses Mal etwas anders, da wir alle im Studio waren. „The Brink“ wurden in verschiedenen Ländern aufgenommen und gemixt. Dieses Mal hatten wir fürs Schlagzeug mehr Zeit verwendet. Mark macht vieles von der Tontechnik. Nachdem er die Band verlassen hatte mussten wir zurück ins Studio, um viele Sachen neu aufzunehmen, und ich musste das Album selbst mixen.

„The Obscurants“ basiert auf einem lyrischen Konzept. Bitte erzähle uns mehr über die Texte und die Inspiration dahinter!

Zu der Zeit als ich die Musik für das Album schrieb, gab es viele Nachrichten in der lokalen Presse über die Hillsborough Fussball Katastrophe von 1989. In ihnen ging es um die damalige großangelegte Verschleierung der Ursachen durch die Polizei, als auch der Mainstream-Medien sowie der Regierung von Margaret Thatcher. Die Familien der 96 getöteten Menschen haben in all den Jahren für Gerechtigkeit gekämpft, und nun wird die Sache vor ein großes Gericht kommen, was hoffentlich dazu führt, dass den richtigen Leuten Gerechtigkeit widerfährt. Ich bin auch seit langer Zeit an den Coups von Henry Kissinger in den Siebzigern in Südamerika interessiert, und auch an vergleichbaren Gegebenheiten, in welchen die Familien von Leuten von militärischen Diktaturen entführt oder ermordet wurden. Also entschied ich mich dazu etwas zu schreiben, das grundsätzlich auf Vertuschung der Wahrheit in den Medien, durch die Regierungen, persönliche Täuschung usw. basiert.  

Was waren damals eigentlich die Gründe für dich, ANTIMATTER zu verlassen und ALTERNATIVE 4 zu gründen? Und welche Idee steckte dahinter, wieder den Namen ALTERNATIVE 4 nach dem gleichnamigen Album von ANATHEMA zu verwenden?

Da gibt es eine Lücke von ca. 7 Jahre zwischen meinem Ausstieg von ANTIMATTER und der Gründung von ALTERNATIVE 4. Da ist vieles dazwischen passiert. Was ANTIMATTER anbelangt realisierte ich, dass Mick und ich große Unterschiede bezüglich der moralischen Seite von Dingen haben. Da war ich der versuchte wie ein Fugazi zu sein, während Mick sich viel mehr für die geschäftliche Seite der Dinge interessierte, als ich das jemals tat. Ich tourte jahrelang in den Neunzigern ohne auch nur einen Penny zu verdienen, aber ich erlebte tolle Abenteuer und promotete die Band um sie weltweit bekannt zu machen. Und das waren die Jahre, bevor das Internet explodierte. Mick hatte niemals diese Erfahrung und wollte solange nicht spielen, bis wir wirklich Geld verdienen.

Wir wurden dann gefragt, ob wir an einer Tour in Südamerika interessiert wären, und Mick wollte das nicht machen. Ich war frustriert weil ich daran großes Interesse hatte. Zu dieser Zeit wurde seine Musik direkter und mehr in Richtung Singer/Songwriter, und das war eine Richtung die ich nicht anvisierte. Ich hatte auch die Band all die Jahre gemanagt, und Mick war unglücklich mit meiner Arbeit. Er erzählte mir, dass er eine sechsmonatige Pause benötigte, obwohl ich derjenige war der arbeitete. Also entschied ich, dass es besser für uns beide wäre, wenn wir nicht mehr miteinander arbeiten. Er wollte wirklich den Namen ANTIMATTER behalten und ich stimmte zu. Aus geschäftlicher Sicht war es ein Fehler, ihm den Namen zu überlassen, aber mir geht es eher um Moral als um einen Markennamen. Was den Namen ALTERNATIVE 4 anbelangt – ich brauchte einen Bandnamen und dachte immer, dass dies ein großartiger Name wäre, also entschied ich mich dazu diesen zu verwenden. Einige Fans von ANATHEMA sind darüber verärgert, dass ich ihn verwende, was ich ziemlich amüsant finde.

Wo wir gerade dabei sind, wie gefällt dir das neue ANATHEMA Album „Distant Satellites“? Bist du mit den Jungs noch in Kontakt?

Danny hatte mir davon einige Songs geschickt und sie klingen richtig gut. Ich habe aber bisher noch nicht das Album. Ja, wir sind noch in Kontakt. Wir sind alte Freunde.

Du hast schon einige Male mit verschiedenen Leuten für wohltätige Zwecke kooperiert. Bitte erzähle uns mehr über diesen Teil deiner Persönlichkeit!

Das ist etwas was ich genieße zu tun und es ist ein großartiges Gefühl wenn du weißt, dass du für etwas eine positive Veränderung gemacht hast. Ich habe tausende von Pfund über die Jahre gesammelt, hauptsächlich für regionale Wohltätigkeitsveranstaltungen für Kinder. Meine beste Erfahrung war eine gesponserte Pilgerfahrt von Portugal nach Spanien, wofür ich zwei Wochen zum Laufen benötigte. Seit Jahren versuche ich schon ein Weihnachtsalbum mit verschiedenen Bands zusammenzustellen, aber es ist schwierig alle zusammenzubekommen um es zu machen. Vielleicht klappt es in diesem Jahr.

Was gibt es Neues von deiner anderen Band ION?

Ich war mit ALTERNATIVE 4 für die letzten Jahre beschäftigt, aber ich habe dennoch Ideen für ein drittes ION Album.

Was hast du in nächster Zukunft alles geplant?

Ich habe eine Album-Trilogie in Vorbereitung, was mich für die vorhersehbare Zukunft beschäftigen wird. Es handelt sich hierbei um orchestrale, filmische Versionen meiner Songs, welche meine gesamte Diskografie umspannen wird. Ich habe sie in drei Alben arrangiert damit sie musikalisch zusammenpassen. Ich freue mich schon wirklich darauf, das in Angriff zu nehmen. Ich sehe das wirklich als meine Zukunft in der Musik.

04.10.2014

Geschäftsführender Redakteur (News-Leitung)

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