Benighted
Interview mit Sänger Julien Truchan zu "Carnivore Sublime""

Interview

Benighted

BENIGHTED sind auch mit ihrem siebten Album „Carnivore Sublime“ eine Konstante im extremen Metal-Bereich. Kaum jemandem gelingt es, Spaß, thematische Ernsthaftigkeit und musikalische Brutalität derart zielsicher zu bündeln wie den Franzosen. Dafür ernten sie sich seit Jahren den verdienten Respekt der Szene. Wo die Reise mit der aktuellen Platte hingeht und was es sonst noch zu dem Album zu erzählen gibt, erklärte Frontmann Julien Truchan in einem Interview mit metal.de.

Ihr seid im Moment drauf und dran eure siebte Platte “Carnivore Sublime”  herauszubringen. Freut ihr euch drauf?

Ja, auf jeden Fall! Wir können es kaum abwarten, bis das Album draußen ist, damit wir direkt lostouren und die aggressiven Songs live performen können! Wir sind unheimlich stolz auf diese Scheibe, die wir im letzten Jahr im Kohlekeller Studio aufgenommen haben.  Alle die bisher in “Carnivore Sublime” reinhören konnten, zeigten danach sehr gute, enthusiastische Reaktionen! Die meisten waren sehr überrascht, was du brutale Effizienz der neuen Stücke angeht. Meiner Meinung nach ist das unsere beste Platte bisher.

Seit der Gründung von BENIGHTED sind jetzt einige Jahre ins Land gegangen. Was ist der wohl wichtigste Aspekt eurer Karriere bis hierher?

Ich denke dabei geht es um die Tatsache, dass wir immer nah an unseren Fans war, insbesondere bei Shows. Wir lieben es, dass die Leute auf die Bühne kommen, sprechen nach der Show mit ihnen oder machen einfach bisschen Party… Wir haben die Leute immer respektiert, die unsere Alben mit einer Hingabe gehört haben, die wir auch beim Aufnehmen in sie gesteckt hatten.  Dabei haben uns aktuelle Trends nie interessiert oder die Meinung von Leuten, die meinten, sie wüssten besser, wie BENIGHTED zu klingen haben. Doch die positiven Reaktionen und unsere Nähe waren immer unsere Stärke und werden es auch in Zukunft sein!

Würdest du sagen, BENIGHTED verfügen über einen ureigenen Sound im Grind/Death-Bereich? Was macht euch in diesem Zusammenhang so speziell?

Ich denke wir sind eine Brutal-Death-Band, die entsprechende Stilmittel immer mit persönlichen Einflüssen und Spielarten vermischt, mal kompromisslos brutal, dann etwas melodischer, aber immer mit der Intention, den Hörer bloß atmen zu lassen, um danach direkt wieder zuschlagen zu können! Grindcore ist ein großer Einflussfaktor, aber nicht der Einzige. Dazu kommt die Tatsache, dass wir uns musikalisch keinerlei Grenzen setzen und für kleinere Passagen auch über den Tellerrand des Metals schauen, solange die Parts effektiv und überraschend sind.  Wie wir es in der Vergangenheit zum Beispiel mit Hip-Hop- und Samba-Parts gemacht haben, hehe! Als Sänger versuche ich auch immer ganz verschiedene Ebenen zu treffen, um die behandelten schizophrenen Halluzinationen zu untermauern. Ich will, dass der Hörer beim ersten Anhören davon ausgeht, dass BENIGHTED mit drei oder vier Sängern arbeitet.

Viele eurer Fans lieben eure kompromisslose Brutalität und den musikalischen Wahnsinn. Ist es nicht schwer, diesen jugendlichen und frischen Stil über all die Jahre aufrechtzuerhalten?

Nein, weil wir niemals großartig nachdenken und planen, wenn wir dabei sind, neues Material zu schreiben. Das neue Album ist das wohl Extremste unserer gesamten Diskographie, und das haben wir sicherlich vorher nicht geplant. Ich denke, wir leben BENIGHTED als Einheit, in die wir all unsere Wut, Frustration und Brutalität einbringen können. Wir brauchen keine bestimmte Intention, dieses Biest herauszulassen, auch wenn wir älter werden hehe.

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“Carnivore Sublime” klingt eigentlich wie die logische Nachfolge von “Asylum Cave”. Was hat sich musikalisch seit eurer Gründung geändert?

Ich glaube das Album arbeitet mit einer ganz neuen Atmosphäre und eingängigen, aggressiven Refrains, die man ganz leicht mitschreien kann, wenn man denn will. Das dürfte neu sein. Tatsache ist nunmal, dass wir schneller und schneller werden können – wir kennen uns mittlerweile sehr gut und wissen, worauf der andere jeweils wartet. Als wir mit BENIGHTED starteten, war der Black-Metal-Einfluss deutlich größer und die Grindcore-Facette keimte gerade erst auf. Ich weiß nicht genau, ob wir auf dem Gipfel der Brutalität angekommen sind, denn manche Leute dachten, mehr als auf “Asylum Cave” sei nicht drin – aber in der neuen Platte ist definitiv mehr drin!

Wieder ist Psycholgie ein Thema auf eurem neuen Album, gerade im Zusammenhang mit Kindern. Was macht diesen Aspekt so interessant für BENIGHTED?

Die Tatsache, dass ich in einer Nervenheilanstalt arbeite unterstützt BENIGHTED in der Benutzung einer realen menschlichen Grausamkeit als Thema, schließlich sind alle Dinge realer Natur, über die wir texten. “Asylum Cave” handelte von einem Schizophrenen, dessen Delirium sich um den Fritzl-Fall drehte. “Carnivore Sublime” erzählt hingegen von einem Mann mit Borderline-Persönlichkeitsstörung. Jeder Song gibt etwas von seinen Kindheitstraumata preis, wie er seine kranke Persönlichkeit aufgebaut hat und wie ihn die Angst verlassen zu werden immer wieder konditioniert. Es geht mir nicht darum, Horrorgeschichten aufzubauschen, denn viel mehr darum, ein Themenkomplex zu finden, der zur Brutalität von BENIGHTED passt.  Außerdem will ich vermitteln, dass Menschen mit seelischen Krankheiten oft deutlich verletzlicher als gefährlich sind.

Trotz allem klingt ”Carnivore Sublime” nach einem eurer bisher dunkelsten Werke. Würdest du dabei zustimmen?

Komplett! Wir haben einige atmosphärische Elemente und Riffs hinzugefügt, die für uns bisher eigentlich ungewöhnlich waren. Das hat die verstörende Aura dieser Scheibe durchaus verstärkt.

In diesem Zusammenhang: Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Niklas Kvarforth? Ich gehe mal davon aus, dass sich einige eurer Fans gefragt haben, wie er in euer  musikalisches Konzept passt.

Zunächst mal sind mehrere von uns bei BENIGHTED große Fans von SHINING und Niklas’ Vocals! Dieser man hat einfach eine unfassbare Ader in seiner Stimme, sodass ich ihn unbedingt im Song “Spit” am Start haben wollte, der selbst enorm schnell und mit erstickender Dunkelheit gesäumt ist. Gunnar von Season Of Mist hat den Kontakt hergestellt, doc h er hatte mich bereits gewarnt, dass Niklas nicht mehr für Gastvocals zur Verfügung steht. Al s er aber von dem kranken Konzept des Songs hörte, hat er direkt zugesagt. Schließlich ist er mit uns ins Studio gekommen, um die Vocals aufzunehmen und das Ergebnis ist einfach großartig! Sein Part macht den Track einfach noch abgefahrener als wir uns das jemals hätten vorstellen können! Er hat sogar seinen Gürtel benutzt um sich selbst zu strangulieren, damit er wie ein Gehängter klingt. Krank! Niclas ist ein enorm guter Künstler, mit dem wir die Zusammenarbeit sehr genossen haben.

Um einmal auf eure Live-Aktivitäten umzuschwenken: Warum bist du immer wieder barfuß auf der Bühne zu sehen?

Haha, ein Haufen Leute stellen mir exakt diese Frage! Es geht darum, dass ich mich dann animalischer auf der Bühne fühle, dann kann ich das Tier richtig herauslassen! Außerdem mag ich die Vibrationen der Drums unter meinen Füßen.

Um bei diesem Thema zu bleiben – steht Live schon etwas für das Jahr 2014 an? Vielleicht ein paar Sommerfestivals?

Sobald das Album draußen ist, haben wir erstmal eine Frankreich-Tour mit unseren Kumpels von LOUDBLAST geplant. Dann haben wir eine Russland-Tour im April und astreine Sommerfestivals wie Hellfest, Metaldays oder das Motocultor-Festival. Im November folgt dann eine Europa-Tour mit Bands, die ich jetzt noch nicht verraten darf, haha.

Das wars auch schon. Danke für das Interview. Die letzten Worte gebühren dir!

Vielen Dank für das Interview und einen dicken Gruß an all unsere Fans da draußen. Wir sind sehr gespannt auf den Release des Albums und die folgenden Shows! Stay Sick!

Galerie mit 7 Bildern: Benighted - Hell Over Europe II - Tour 2018
07.02.2014

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