Betontod
"Kritik von der Presseseite ist uns echt vollkommen egal!"

Interview

Obwohl oder gerade weil die Punkrocker von BETONTOD mit ihrer letzten Platte „Revolution“ eine etwas überraschende Top 3-Platzierung in den deutschen Albumcharts verbuchen konnten, gönnen sich die fünf Jungs vom Niederrhein keine Minute Ruhe. Mit „Vamos!“, welches am 31. August erscheinen wird, steht ein Album in den Startlöchern, das nicht nur an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen soll, sondern gleichzeitig neues Material für die im Herbst anstehende Trinkhallen Tour 2018 liefern wird. Grund genug für uns, einmal bei Gitarrist Frank Vohwinkel bezüglich der Platte und der Tour nachzuhaken.

Betontod - Bandfoto 2 2018

Ruhen sich nicht auf Erfolgen aus: BETONTOD

Ihr habt vor einigen Wochen zum inzwischen zum dritten Mal in Wacken auftreten dürften. Was bedeutet das für euch?

Für uns ist das eines der größten Festivals überhaupt! Das steht ja eh fest, aber was noch viel wichtiger ist: Für uns stellt Wacken diese Symbiose aus Punk und Metal dar, die wir auch darstellen. Von daher ist es auch eines der Festivals, auf denen wir uns musikalisch zu Hause führen.

BETONTOD ist ja tatsächlich irgendwie zu sehr Punk um Metal zu sein, auf der anderen Seite aber auch wieder zu sehr Metal um wirklich ’nur‘ Punk zu sein. Wo seht ihr euch?

Genau da, dazwischen, was aber auch für uns vollkommen okay ist! Im Herzen sind wir natürlich immer noch die kleinen Punker geblieben. Das wird sich auch nicht ändern. Aber halt mit Metal im Blut!

Lass uns ein bisschen über das Album reden. Das gute Stück heißt „Vamos!“ und was mir zu aller erst bei dem Namen in den Sinn kommt, ist das Gefühl von Aufbruchstimmung. Trifft das auf das Album zu?

Genau darum geht es: Einmal eine Art Aufbruch für uns selbst. Das heißt, dass wir auch nach 28 Jahren natürlich nicht auf der Stelle treten wollen. Politisch betrachtet, halten wir es für mehr als notwendig, dass sich die Leute aus ihrer Komfortzone bewegen und den Arsch hoch bekommen. Es geht hier nicht in erster Linie darum, die politischen Ansichten zu wechseln. Eher darum, dass sich die Masse der Leute zu den Grundwerten bekennt, die immer mehr ins Abseits laufen.

Insgesamt wirkt das Album auf mich erwachsener und teilweise auch düsterer als die Vorgänger. Seht ihr das auch so? Falls ja, war das eine bewusste Entscheidung?

Nein, das nehmen wir gar nicht so wahr. Und wenn es so sein sollte, war das definitiv keine bewusste Entscheidung. So ein Album entsteht bei uns eh nicht am Reißbrett. Das heißt, dass es am Ende klingt es so wie es eben klingt. Die Themen schauen wir uns natürlich immer an, wir wollen ja keine Konzeptalben schreiben. Da kann es schon einmal passieren, dass es ein Song nicht aufs Album schafft, weil wir thematisch schon genug von einer Sorte Songs draufhaben.

Eure bisherigen Singleauskopplung wurden ja von einigen Fans eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Wie sehr macht man sich angesichts des anstehenden Albumreleases darüber Gedanken?

Das ist immer so eine Sache. Wenn man fast 2000 Likes für einen Song bekommt, 50 Leute dann aber schreiben, dass das alles Müll sei, und im gleichen Atemzug erwähnen, wie geil die ersten beiden Alben noch waren, dann können wir das bei der aktuell neunten Studio-Scheibe schon ganz gut einschätzen und werden hier nicht nervös.

Das ist ganz normal und wahrscheinlich auch gut so. Was ich eher bedenklich finde, ist mit welchen Worten die Leute dann argumentieren. Das geht schon sehr oft in ein Niveau, dass wir uns das dann gar nicht mehr durchlesen. Kritik ist ja cool, aber sie muss schon sachlich sein.

Bleiben wir kurz noch bei dem Thema Kritik: Inwiefern berücksichtigt ihr – wie jetzt eben in dem konkreten Fall – Kritik von Seiten der Presse oder Fans in Bezug auf zukünftige Projekte?

Es tut mir zwar Leid, aber hier bin ich ehrlich: Kritik von der Presseseite ist uns echt vollkommen egal! Wenn wir danach handeln würden, dann glaube ich würden wir uns immer noch im Jugendzentrum treffen und dort auftreten. Dann würden uns wahrscheinlich sehr viele Pressevertreter abfeiern, aber das wären nicht wir. Also warum sollten wir uns darum kümmern?

Das ist bei den Fans halt schon komplett anders herum. Da ist es für uns extrem wichtig zu erfahren, wie Dinge hier aufgenommen werden und diese Kritik nehmen wir uns auch zu Herzen. Man muss aber auch sagen, wir analysieren und entscheiden dann trotzdem noch selbst, was wir wann wie machen.

Bei aller Kritik: Was würdest du persönlich sagen, hat „Vamos“ seinen Vorgängern vielleicht sogar voraus?

Wir haben hier nichts bewusst anders gemacht als auf den letzten drei Scheiben. Also kann ich das nicht beurteilen. Wenn überhaupt, dann würde ich sagen, dass wir uns auf der Platte thematisch schon etwas häufiger mit uns selbst beschäftigen. Das ist nach 28 Jahren Bandgeschichte aber auch mal erlaubt.

Betontod - Vamos (Albumcover)

Auf „Vamos!“ verbreiten BETONTOD Aufbruchstimmung

Zu euren Singles bringt ihr ja regelmäßig auch Videoclips heraus. Das Besondere daran ist – wie ich finde – dass sie oft eine eigene und meist ganz klare Geschichte erzählen. Wie wichtig ist es tatsächlich für euch, eure Musik mit Bildern zu untermalen?

Das ist extrem wichtig für uns und wird auch von allen Seiten sehr gut angenommen. Wir haben natürlich immer eine Diskussion intern, ob und wie wir selbst in den Videos auftauchen. Ich denke kein Mensch will mehr eine Band sehen, die in einer Fabrikhalle steht und ihre Instrumente zu einem Song spielt. Wenn ich das sehen will, dann schaue ich mir die Band live an. Für mich hat es einen viel höheren künstlerischen Ansatz, wenn man auch aus Bandsicht eine Geschichte zu einem Song erzählt.

BETONTOD ist ja eine Band, die sich durchaus auch immer sehr am Zeitgeschehen orientiert. Würdest du sagen, dass es in turbulenten Zeiten wie diesen leichter ist, gehaltvolle Songs zu schreiben?

Ja, zumindest was die politischen Sachen angeht. Das ist schon einfacher geworden, weil es mittlerweile wieder klar ist, gegen wen man stehen sollte und wie man dies sagen sollte. Es gab eine Zeit in unser Bandgeschichte, in der wir das für nicht notwendig gehalten haben. Das war definitiv ein Fehler! Das würden wir so auch nicht mehr machen. Von daher ist gerade die aktuelle Kooperation mit den Mädels und Jungs von „Kein Bock auf Nazis“ eine Herzensangelegenheit für uns.

Sprechen wir noch kurz über die bevorstehende Tour. Worauf dürfen sich die Fans freuen?

Auf 100% BETONTOD! Das ist so, das war so und so wird es immer bleiben. Wir versuchen immer einen Spagat hinzubekommen zwischen kleineren Showelementen und dem reinen BETONTOD-Auftritt. Das heißt, wir schauen extrem drauf, dass wir hier nicht zu viel „Zirkus“ machen. Das sind nicht wir. Wenn man zu unseren Konzerten kommt, wird man einen guten Abend haben und wenn man dann mal überlegt mit welchen Mitteln wir das schaffen, dann ist das eigentlich noch viel geiler, als wenn wir immer das große Feuerwerk zünden würden.

Angesichts eurer bevorstehenden Trinkhallen Tour darfst du zum Abschluss hier natürlich noch deinen persönlichen Favoriten unter den Trinksprüchen zum Besten geben…

Wir müssen aufhören, weniger zu trinken!

Galerie mit 19 Bildern: Betontod - Rock am Härtsfeldsee 2018
Quelle: Frank Vohwinkel (Betontod)
29.08.2018

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