Betontod - Revolution

Review

Galerie mit 19 Bildern: Betontod - Rock am Härtsfeldsee 2018

Wenn man den allgemein ziemlich düsteren weltpolitischen Aussichten und den globalen Trends zu postfaktischem Hass und nationalistischer Einigelung etwas Gutes abgewinnen wollte, so könnte man argumentieren, dass sie immerhin dem politischen Punk zurück zu alter Stärke verhelfen könnten. Richtig gute Musik war ja schon immer Krisenkunst, ob auf Mikro- oder Makroebene motiviert. BETONTOD zumindest, deren Name mittlerweile immer öfters in einer Reihe mit DIE TOTEN HOSEN und den BROILERS auftaucht, haben die Signale gehört und rufen zur „Revolution“ auf.

BETONTOD machen längst Stadion-Punk

Diese Revolution soll aber, so Gitarrist und Texter Frank Vohwinkel, eben nicht vom hässlichen rechten Rand sondern „aus der Mitte der Gesellschaft“ kommen. Gesellschaftliche Spaltung und die oft angeführte Entfremdung zwischen Eliten und den Abgehängten sind demnach Realität – die richtige Antwort darauf aber ist eine andere. BETONTOD wollen Diskurshoheit und Straße gleichermaßen zurückgewinnen. „Revolution“ mit Verstand.

Das gelingt aus mehrerlei Gründen nicht. Zunächst einmal wäre da die Sache mit der Glaubwürdigkeit, mit der auch die Düsseldorfer Überväter lange Zeit zu kämpfen hatten. Man kann nicht ewig in der Opel-Gang sein und der Name BETONTOD verschließt angesichts der Massentauglichkeit, für die diese Band 2017 musikalisch nun einfach steht, auch nur noch wenige Türen. Die Rheinberger machen längst Stadion-Punkrock. Die Refrains gehen sofort und penetrant ins Ohr und auf jeden explizit politischen Track folgt eine nostalgische Punk-Jugend-Erinnerung („Küss mich“, „Ich nehme dich mit“, „Verdammt schwer“), die bisweilen so vor Früher-war-alles-besser-Pathos trieft, dass man sich fragt, in welche Zukunft diese „Revolution“ denn genau führen soll.

Die geballte Faust wirkt unehrlich

Neben derlei platten Wermutstropfen wirkt ein Track wie „Welt in Flammen“ – musikalisch übrigens mit deutlicher IN-EXTREMO-Schlagseite – schlicht anmaßend. Bei aller Wichtigkeit der Thematik funktioniert eine mit groben Worten umrissene Aleppo-Szenerie einfach nicht, wenn danach wieder nur lyrisch Gläser auf den „Moment“ und die „geile Zeit“ getrunken werden. Das und nicht mehr machen die Fans dann halt auch, nachdem sie sich zwei Stunden lang in irgendeiner Großraumhalle in NRW ein bisschen revolutionär gefühlt haben.

Nein, so wirklich ehrlich ist „Revolution“ nicht. Da man BETONTOD aber auch auf ihrem neuen Werk das Händchen für gut gemachten Konsens-Punk nicht absprechen kann, wird eine wohl auch weiterhin wachsende Fangemeinde abermals glücklich werden. Die vereinzelt geballte Punk-Faust zwischen den zahlreichen Hymnen auf Freiheit, Freundschaft und Jugend stellt allerdings einen mittlerweile überdeutlich störenden Fremdkörper im Albumkontext dar.

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13.01.2017

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1 Kommentar zu Betontod - Revolution

  1. Bluttaufe sagt:

    All der Jubel, die perfekte Verbindung aus neueren BETONTOD und „Schwarzes Blut“ sollte „Revolution“ sein.
    „Ohne dich“ kannte man ja vorab. Bei den ersten Songs findet man Querverweise zu „Schwarzes Blut“. Der Sound drückt gewaltig aus den Boxen. Rein musikalisch wirklich gut. Textlich ist mir das ganze einfach zu schwach. Zu vieles was erneut durch den Mixer gejagt & erneut durchgekaut wurde und dem Hörer einfach so vor die Füße gespuckt wird.
    Manche Parts erinnern eher an Schlager/Pop als an Punk. Stadion-Punk trifft es ganz gut. „In Flammen“, der musikalisch beste Track, textlich leider auf ARD Tagesschau Niveau.
    „Ich nehme dich mit“ hat einen guten Text aber diese Schlager Melodie geht gar nicht.
    „Herz an Herz“ klingt wie „Nebel 2.0“ nur belangloser…einer dieser 08/15 Texte.
    Die Ballade „Verdammt schwer“ reiht sich dann ganz gut ein und nervt nur noch.
    „Bambule & Randale“ ist dann wieder fetzig…weniger Schmalz und mehr Songs von dem Kaliber hätten nicht geschadet.
    Beim Titel „Freunde“ dachte ich schlimmes…was VERLORENE JUNGS und jede 2. Oi! Band bis zum Erbrechen sangen…aber BETONTOD machten daraus einen coolen Song.
    „Es lebe die Freiheit“ ist dann wieder so ein Song der mit einem belanglosen Text daherkommt. Ein Festival bedeutet also Freiheit…generell nervt die Selbstbeweihräucherung enorm.
    „Mann über Board“ BETONTOD meets NDH? Nichts schlimmes aber auch kein Überhit.
    Tja, nachdem „Traum von Freiheit“ nach dem schwachen „Entschuldigung für nichts“ so ein Knaller war, ist „Revolution“ dann ein weiterer Reinfall.

    Wenn so eine Revolution aussieht dann gute Nacht! Ein Furz unter der Decke bewegt mehr als diese Platte.

    5/10