Crustacean
Crustacean

Interview

Die Holländer Crustacean haben mit "Insaniac" vor Kurzem ihr neustes Werk auf den Markt geschmissen, auf dem sie mehr ihrer Vorliebe für Thrash frönen als ihrem ursprünglichen Death Metal. Michel erklärte mir wie es zu diesem Umschwung kam und gab noch die eine oder andere Weisheit zu der Deutsch-Holländischen Freundschaft preis.

CrustaceanHallo! Wie geht’s?

Hey! Danke, gut. Ich bin gerade fleißig an Fragen beantworten und Reviews am Durchlesen.

Und wie sieht es bei Crustacean aus?

Jetzt wo „Insaniac“ endlich draußen ist, stehen viele Interviews an, womit ich wohl noch eine Weile beschäftigt sein werde. Zur Zeit schicken wir unser Promopack an eine Menge holländischer Veranstalter und in ein paar Wochen werde ich mich ans Telefon setzen und versuchen, ein paar Shows für uns zu organisieren.

Euer zweites Album „Insaniac“ ist Ende Februar herausgekommen, drei Jahre nach „Burden of our Suffering“. Was habt ihr die ganze Zeit getrieben?

Ich weiß, es sieht so aus als wären wir ein Haufen fauler Ärsche, sind wir aber wirklich nicht. Eigentlich ist „Burden of our Suffering“ schon 1998 auf Teutonic Existence veröffentlicht worden. Die folgenden zwei Jahre haben wir dann sehr, sehr viele Shows gespielt und 2000 wollten wir dann neues Material aufnehmen, damit die Leute noch wissen, dass wir leben. Wir nahmen eine Mini-CD mit dem Titel „Satanized“ auf und wendeten uns wieder an Teutonic, die gerne ein weiteres Album von uns rausbringen wollten, aber halt nur ein volles Album und keine Mini-CD. Von daher hatten wir uns dann dazu entschlossen, „Satanized“ als Mp3-Download auf unserer Webpage umsonst zur Verfügung zu stellen [Anm. – den Link zur Homepage findet ihr in unserem Dark Portal]. Wir gingen dann in die Harrow Studios, um „Insaniac“ aufzunehmen. Als wir schon komplett fertig mit Aufnahme und Mix waren, kamen dann Teutonic mit finanziellen Problemen an. Da standen wir nun mit einem Album, in das wir viel Geld investiert hatten, und hatten auf einmal kein Label mehr, das es herausbringen würde. Also entschieden wir uns, Promos an 35 Labels zu versenden. CBI antworteten als erstes und aufgrund ihres guten Rufs haben wir auf der Stelle unterschrieben.

Ich finde euer Sound auf „Insaniac“ hat sich schon ein wenig zum Vorgänger verändert. Wo liegen da die Hauptgründe deiner Meinung nach?

Das liegt daran, dass wir nicht zwei Alben machen wollen, die gleich klingen. Nach „Burden“ hatten wir viel Zeit zum Rumexperimentieren, woraus ein anderer Sound entstanden ist.
Der größte Unterschied sind unsere tiefer gestimmten Gitarren, was natürlich auch Auswirkungen für unseren Sänger hatte. Er musste seinen Stil ändern, um die neuen Songs zu singen. Ich mag das Ergebnis. Du kannst auf beiden Alben die selbe Band spielen hören, sie klingen aber nicht gleich.

Was euch wirklich sehr von anderen Bands absetzt ist eben dieser Gesangsstil, der mich an Pestilence oder den verstorbenen Paul Baloff erinnert. Waren das Vorbilder für euch?

Nicht wirklich. Ich weiß und kann mir vorstellen, dass der Gesang die Leute an besagte Bands erinnert, aber das war nicht was wir im Hinterkopf hatten, als wir die Songs geschrieben haben. Stilistisch dachten wir, Tom sollte mehr wie John Tardy von Obituary klingen, was er auch gut umgesetzt hat. Ich mag sehr seine Interpretation dieses Gesangsstils.

Warum fiel die Wahl gerade auf diesen Stil?

Das ist nicht wirklich etwas, was wir bewusst so gewählt haben. Es ist einfach passiert. Crustacean haben halt als richtige Death-Metal-Band angefangen. Als wir unsere erste Mini-CD „Headcleaner“ raus brachten, wurde wir mit Death und At The Gates vergleichen. Gleichzeitig spielten Tom, Joris und ich in „Walker“, mehr so zum Spaß eigentlich, mit denen wir hauptsächlich Thrash-Metal Covers und ein paar Eigenkreationen gespielt haben. Es gab ein Demo von uns, das sehr gut ankam und da wir Walker eh mehr mochten als Crustacean, haben wir Walker in Crustacean umbenannt und Thrash gemacht.

Einige Riffs und ganz besonders die Soli klingen sehr SLAYER inspiriet. Wie groß ist der Einfluss von Hanneman/King auf Crustacean?

Groß. Aber nicht mehr so groß wie früher, als wir „Burden“ aufgenommen haben. Was wir an ihren Soli so mögen, ist dieser „Ping-Pong“ Effekt. Du hast ein Solo auf der Linken, dann sofort danach auf rechts, links, rechts und so weiter. Was sie wirklich von anderen absetzt, ist die unwahrscheinliche Lautstärke, bei der sie ihre Soli spielen. So laut wie es nur geht! Es ist unmöglich zu hören, was für ein Rhytmus gespielt wird. Wahnsinn!

Ihr habt auch eine Slayer Coverband gegründet. Wie ist die denn entstanden?

Stimmt. Tom, Joris und ich sind noch in einer anderen Band. Erinnert dich das an was? Hahaha.. Ungefähr vor fünf Jahren hat uns ein lokaler Barbesitzer mal gefragt, ob wir eine Cover-Night spielen würden. Klar hatten wir Interesse. Und was liegt da näher als Slayer, die wir alle gleich gut mögen. Wir hatten ja schon vermutet, dass es lustig werden würde, aber die Menge ist förmlich ausgerastet. Einer hat uns sogar 50 Euro geboten, wenn wir eine Zugabe spielen! An der Stelle wussten wir, dass das mehr als eine einmalige Sache sein würde. Jetzt, fünf Jahre später, spielen wir immer noch sechs bis zwölf Mal im Jahr.

Und magst Du die neueren Slayer Alben?

Nö. Ich habe die nur je dreimal gehört und ich muss sagen, ich verstehe ihre Entwicklung. Aber ich mag diese Musik nicht. Weißt du, was ich am enttäuschendsten finde? Die Stimme. Hör dir nur
„Hell Awaits“ an und sag mir, warum Slayer so böse klingen. Und dann höre dir die neuen Sachen an. Durchschnitt, denke ich.

Welche neueren Bands hörst Du denn? Oder kommt bei Dir ausnahmslos Old-School in den Player?

Ich bevorzuge schon Old-School. Vielleicht weil meine meisten Platten Old-School sind, höre ich das mehr. Ich mag aber auch neuere Sachen von Bands wie Cannibal Corpse, Vader, Dying Fetus und Mastodon. So lange Leute Metal nicht mit HipHop mischen, höre ich’s mir an.

Verfolgst Du die aktuelle Weltpolitik? Was denkst du darüber?

Hmmm…schwierig. Da läuft zur Zeit ein Krieg und ich weiß, was die meisten Leute darüber denken. Ich weiß nicht, das ist nicht so einfach, etwas in ein paar Zeilen zu sagen. Aber ich versuche es. Erstens, Saddam ist ein Arsch, das Menschen foltert. Zweitens, Bush ist ein dummer Bauer, der gewählt wurde, weil der andere Kandidat auch ein dummer Bauer war. Die USA sind keine richtige Demokratie für mich. Und wenn Clinton noch Präsident wäre, würde wahrscheinlich weniger Leute gegen diesen Krieg sein. Drittens, alle Mitglieder der Vereinten Nationen haben Resolutionen verabschiedet, welche schwere Folgen für den Irak haben, wenn sie nicht eingehalten werden. Ich denke, die Länder die jetzt nicht mit den USA zusammen arbeiten, hätten die nie unterschreiben sollen. Viertens, das Motiv. Es ist schwer zu sagen, was die Amerikaner wirklich wollen. Ich glaube nicht an diesen Ölkrieg Scheiß. Aber auch nicht daran, dass die Amerikaner den Irakis Freiheit bringen. Lösung. Ich kann mir vorstellen, dass Leute für eine andere Lösung plädieren, aber ich denke nicht, dass es noch eine andere Lösung gab. Zwölf Jahre lang hat es niemand geschafft, die Situation im Irak zu ändern. Und das Motiv ist, denke ich, einerseits den elften September zu rächen und andererseits den Mittleren Osten zu stabilisieren und den Terrorismus zu bekämpfen.
Ich hoffe, dass es bald vorbei ist und die Opfer der Zivilbevölkerung gering sind. Und was ich wirklich hoffe, ist dass die Bevölkerung hier wirklich gewinnt und danach frei ist.

Okay, genug Politik. Magst du eigentlich Fussball? Was ist nur los mit euren Mannschaften? Wo sind die großen Erfolge?

Haha, also ich schaue mir alle Nationalmannschaftsspiele an, aber verfolge nicht so die normalen Ligaspiele. Und warum es nicht läuft? Weil die holländischen Fussballer alle faule Millionäre sind. Damit Fussball wieder spannender wird sollte, die Regierung aufhören Geld in die Teams zu stecken, Spieler sollten nicht so viel verdienen und nach ihrer Leistung bezahlt werden. Schlechtes Spiel, weniger Geld. Deswegen sind doch die Teams in Holland so pleite, weil sie ihre Spieler bezahlen egal ob, wie oder wie oft sie spielen. Wenn Fussball also ein kommerzieller Sport ist, sollte die Regierung da kein Geld reinpumpen, damit die Spieler diese Gehälter kassieren können. Wer nicht haushalten kann, soll auch die Konsequenzen tragen.

Warum glaubst Du aber gibt es diese tiefe Feindschaft zwischen Holländischen und Deutschen „Fans“?

Weil Menschen in großen Gruppen immer dieses dumme Verhalten an den Tag legen. Ich denke, dass rührt noch vom Zweiten Weltkrieg her. Macht zwar keinen Sinn, aber anscheinend mach es das Spiel für einige Fussballverrückte interessanter. Und in großen Gruppen benehmen sich diese Hardcore-Fans dann dementsprechend idiotisch.

Las uns mal auf ein paar geläufige Stereotypen zwischen unseren beiden Ländern kommen. Ein typisches Vorurteil bei uns ist, dass ALLE Holländer es lieben zu campen. Was habt ihr für uns so in Petto?

Hahaha. Ich glaube das einzige Vorurteil das wir haben, ist dass alle Deutschen ein Häuschen in Domburg oder Umgebung haben. Wenn ich die holländische Küste im Sommer besuche, sehe ich überall nur deutsche Autos. Zu viele zum Zählen. Und all die Holländer, die Wohnungen vermieten, haben deutsche Werbung im Garten stehen. Völlig verrückt!

Wie sieht es mit einer Tour aus? Wollt ihr auch nach Deutschland kommen?

Also, wir würden liebend gerne eine Tour machen, besonders in Deutschland. Deutschland ist nah, groß und wir haben gute Reaktionen auf unser Album bekommen. Es wäre also nur logisch, in eure Gefilde zu kommen. Aber das ist nicht etwas, dass wir bestimmen können. Eine Tour macht Spaß, aber es mach nur Sinn, wenn wir eine große Band supporten, die jeden Band viele Leute anzieht. Ich bin schon mit Freunden in den USA auf Tour gewesen. Großartige sieben Wochen und wir haben den ganzen Kontinent gesehen. Aber war es ein Erfolg? Nicht wirklich. Wenn 50 Zuschauer da waren, hatten sie schon Glück gehabt. So eine Tour habe ich nicht im Kopf. Ich will vor so vielen wie möglich Menschen spielen, um unseren Namen und unsere Musik bekannt zu machen. Es muss schon eine effektive Tour sein. Außerdem würde uns das sehr viel Geld kosten. Ich weiß, dass CBI ihre Bands sehr unterstützt und ich hoffe, dass wir eine Chance bekommen.

So, das war es auch schon meinerseits. Gibt es noch irgendetwas, das du hinzufügen möchtest?

Ja, danke für das Interview. Ich würde die Leute gerne einladen, auf unsere Home Page [s. Dark Portal] zu kommen, Mp3s runterzuladen und so. Falls sie die Songs mögen, können sie sich ja „Insaniac“ besorgen. Es rockt! Ciao..

09.04.2003

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