Dark Age
Interview mit Keyboarder Martin Reichert

Interview

Nach über drei Jahren Wartezeit steht nun das neue Album „Minus Exitus“ endlich in den Startlöchern und soll im Herbst mächtig abräumen. Aus diesem Grund habe ich bei DARK AGE vorab schonmal nachgehakt und mich mit Martin Reichert (Keys) ausführlich über das neue Material unterhalten, über alte Alben, musikalische Einflüsse und aktuelle Lieblingsalben.

Dark Age

Moin Martin, was läuft denn zur Zeit im Hause DARK AGE? Wie gehen die Aufnahmen zum neuen Longplayer voran?

Hi Jens! Erstmal Danke für die Interviewmöglichkeit. Man mag es kaum glauben, aber die Aufnahmen sind nun fast abgeschlossen, Eike sitzt bereits an den Mixen.

Sehr schön! In diesem Frühling habt ihr schon ein paar Gigs hinter euch gebracht und jetzt im Sommer spielt ihr noch einige weitere Festivals. Wie macht sich denn euer neuer Bassist so? Stimmt die Chemie?

Inzwischen ist Alex bereits seit 17 Monaten an Bord, man kann also nicht mehr wirklich davon sprechen, dass er neu ist. Zudem kennen wir ihn auch schon länger, so dass wir auch von Anfang an keine Bedenken hatten. Alex ist zwar mit seiner Band PHILIAE auch sehr beschäftigt, aber dennoch integriert er sich super bei DARK AGE und hilft wo er kann. In diesem Sinne: Ja, die Chemie stimmt!

OK, live habt ihr mittlerweile bereits ein paar der neuen Songs im Set. Wie sind denn die Reaktionen des Publikums?

Gut. 🙂 Was man so auf der Bühne mitbekommt jedenfalls. Wir touren damit ja nun auch schon gut ein Jahr durch die Gegend und zwei Festivals stehen noch an, da werden wir noch mal zwei/drei neue Songs und überwiegend altes Zeug spielen. Dann haben wir erst mal „Sommerpause“ und im Herbst mit Release des Albums werden wir dann gnadenlos aussortieren, was an alten Songs nicht mehr gespielt wird und dafür dann mehr neue Sachen präsentieren. Denn im Grunde ist das neue Album sehr, sehr live-kompatibel, so dass es im Proberaum sicher einige Streitereien über die Songauswahl geben wird…

Erst in der letzten Woche habe ich mir nochmal eure komplette Discographie in chronologischer Reihenfolge angehört und mich immer wieder gefragt, welche Einflüsse zu den jeweiligen Alben dominierten. Kannst du mir diesbezüglich auf die Sprünge helfen?

Puuuhhh, schwere Frage. Kann ich dir glaube ich auch kaum 100%ig beantworten. Anfangs waren wir ja etwas düsterer, da kam der Einfluss eher von unseren alten Helden wie HYPOCRISY, SAMAEL, AMORPHIS oder KATATONIA und deren ersten Werken. Mit jedem Album hat sich aber auch der musikalische und globale Horizont jedes Bandmitglieds erweitert, so dass immer mehr Einflüsse dazu gekommen sind. Soweit ich weiß ist jeder in der Band sehr aufgeschlossen, was Musik angeht. Ich höre zum Beispiel alles quer, solange bei der Musik Seele rüberkommt. Von ABIGOR über ULVER (neu & alt), THE PRODIGY, BEGINNER oder PORCUPINE TREE bis hin zu MACHINE HEAD oder BLACK DAHLIA MURDER findest du alles mögliche in meinem CD-Regal. Das letzte Album von PINK finde ich auch sehr genial. Letztendlich kanalisieren wir alles zu „unserer“ Musik, die nach wie vor ohne Ende knallt.

Was auch auffällt, wenn man sich eure Alben anhört, ist, dass ihr mit jedem Release melodischer und auch elektronischer geworden seid. In welche Richtung geht denn das neue Material?

Sowas ist immer schwierig als Involvierter zu beurteilen. Ich bin zum Beispiel eher der Meinung, dass „Dark Age“ über das ganze Album gesehen nicht mehr ganz so melodiös war wie „Insurrection“ oder „The Silent Republic“, aber daran kann man ja auch sehen, dass ich nicht sehr objektiv bin. Für mich sind die neuen Songs eine gefährliche Granate geworden. Wirklich harte Kopfnicker-Riffs paaren sich mit bösen Melodien…von denen haben wir diesmal viele an Bord. Zudem ist der Elektronik-Anteil auch noch gestiegen, kann aber auch sein, dass das beim Endmix nicht so durchkommt. Ich denke, das macht Eike von der Stimmung des Songs abhängig. Durch die zeitliche Verzögerung haben wir uns diesmal ca. dreimal soviel Zeit für die Synthesizer-Arrangements genommen wie bei den vorherigen Alben, was sich wirklich ausgezahlt hat. Zum erstenmal haben wir das Gefühl, dass wir die Keys richtig in die Songs integriert haben. Ich denke auch, dass es uns gelungen ist, einige Überraschungen auf dem Album unterzubringen, mit denen niemand rechnen wird. Lasst euch also überraschen… He He.

Euer neues Album wird „Minus Exitus“ betitelt. Welche Bedeutung hat denn der Titel für euch?

Allgemein sollte sich jeder Hörer selber mit den Texten und dem Titel des Albums auseinander setzen, da Eike sich – wie immer – viele Gedanken bei den Texten gemacht hat. Kurz gesagt bedeutet der Albumtitel, dass man aus negativen Erlebnissen gestärkt hervorgehen kann und diese somit auch etwas Gutes in sich bergen. Minus mal Minus ergibt Plus, so könnte man es als Rechenformel formulieren.

Der neue Longplayer sollte ja ursprünglich bereits im April erschienen sein aber der Release wurde auf den Herbst verschoben. Was ist denn da passiert?

Als wir die Aufnahmen begannen war Eike gerade relativ neu in seinem neuen Studio und es ergaben sich Soundisolierungsprobleme bei den Aufnahmen; die anliegenden Firmen im Gebäude fühlten sich doch gestörter als gedacht. So musste noch eine Schallkabine für die Drumaufnahmen gefunden und aufgebaut werden, was uns letztendlich über einen Monat kostete. Genau diesen Monat hatten wir als Puffer zu Eikes kommenden Produktionen mit eingerechnet und am Ende fehlte uns die Zeit und die gebuchten Bands standen bei Eike Schlange, was sich nicht wieder ändern ließ, zumal Eike ja sein Brot mit dem Produzieren verdient. Lange Rede…blabla… 🙂 Letztendlich nahmen wir immer in kurzen Phasen auf, wenn Eike Luft hatte, und die war echt knapp. Keine Ahnung, ob Eike seit November schonmal geschlafen hat… Die lange Wartezeit und die damit zusammenhängende Reifephase für einige Songs (wir hatten so die Möglichkeit an Kleinigkeiten bei den Riffs und Sounds zu pfeilen) ist es letztendlich aber wirklich wert.

Gut, Herbst ist so ein dehnbarer Begriff. Lass uns doch mal Nägel mit Köpfen machen: Gibt’s denn mittlerweile ein definitives Release-Datum?

Nein, das gibt es erst wenn unser Label das fertige Produkt hat.

Na denn… Wenn wir schonmal beim neuen Album sind, von denen ich bisher nur die paar kurzen Eindrücke aus eurem Trailer gehört habe, die auf jeden Fall interessant klingen, lass doch mal die Hosen runter: Wie heissen die Titel, welche Spielzeit können wir erwarten und wird es auch wieder einen Cover-Song geben?

Und auf den Gürtel und runter mit der Hose: „Minus Exitus“, „Black September“, „Cold“, „The Echoes Discipline“, „No Way Home“, „Seven“, „Life For Blood“, „Exit Wounds“, „Instrumental“, „Outside The Inside“, „The Dying Art Of Recreation“. Die Spielzeit wird so 45-50 Minuten betragen. Wir haben zwar einen Coversong aufgenommen, aber evtl. sparen wir uns den diesmal auf, da wir denken, dass das Album alleine schon stark genug ist.

Klingt interessant! Werdet ihr vielleicht einen Song vorab bei euch auf MySpace veröffentlichen?

Davon kannst du sowas von ausgehen… 🙂 Es wird demnächst auch einen zweiten Trailer geben, in dem man dann endlich „richtige“ Musik hören kann.

In welchen Varianten wird „Minus Exitus“ denn dann zu haben sein? Wird es neben einer gewöhnlichen Version auch wieder eine Limited Edition mit Bonus-DVD geben?

Eine limitierte Version mit Bonus-DVD ist geplant. Über den genauen Inhalt sind wir uns noch nicht einig, aber es wird wohl einen Studio-Report und einen Mitschnitt eines Gigs geben.

Auf eurem selbstbetitelten Album hattet ihr als Gast unter anderem Johan Edlund von TIAMAT mit dabei. Wie kam eigentlich diese Zusammenarbeit zustande und wie gefiel ihm persönlich letztendlich das Album?

Wir wussten, dass Johan damals in Hamburg lebte und so hatten wir die wahrhafte Schnapsidee uns seine Nummer über eine befreundete Agentur zu besorgen und ihn einfach anzurufen. Komischerweise hat das dann auch wirklich alles geklappt. Für uns war das natürlich ein Traum, da wir früher „Clouds“ und „Wildhoney“ rauf und runter gehört haben und Johan einfach eine geniale Stimme hat. Ich glaube, dass er das Album gut fand, aber wir haben auch schon lange nichts mehr von ihm gehört.

Und, werden auf „Minus Exitus“ erneut Gäste zu hören sein?

Ja…. 🙂 Und darauf sind wir auch sehr stolz: Leif von DEW-SCENTED hat einen Track mit eingebrüllt, Azathoth (ex-Sänger von DARK FORTRESS) hat über einen Song echt fiese Vocals gelegt und Ron von den Hamburgern NAYLED hat einige coole Shouts geliefert.

Ich denke ihr könnt diesmal auch sehr stolz auf das neue Cover-Artwork sein, welches Niklas Sundin von DARK TRANQUILLITY für euch ausgearbeitet hat. Auf seiner Site (www.cabinfevermedia.com) kann man sich davon ja schon überzeugen, schaut richtig geil aus! Wie kam denn die Zusammenarbeit mit Niklas zustande und wie passt das Thema zum Album? Denn ich nehme an, dass er musikalisch wohl kaum etwas vom neuen Album gehört haben kann?

Das Zusammenkommen lief sehr unkompliziert ab. Wir mögen seine Arbeit sehr, sie hat ja einen sehr düsteren und modernen Touch, was irgendwie zu uns passt. Also haben wir Niklas kontaktiert und nach Preis und Kapazität gefragt. Leider hatte er anfangs keine Zeit extra ein Cover zu entwerfen, aber wir haben uns dann aus einigen seiner Vorschläge von bestehenden Werken das richtige zusammengesucht und letztendlich ist doch ein neues Motiv dabei herausgekommen. Das Thema hatten wir ihm vorgegeben und er lieferte uns ein paar Möglichkeiten. Richtig, Musik kannte er nicht, wir haben ihm nur ein paar ältere Sachen geschickt, damit er in etwa wusste worum es bei uns geht.

Welche Alben hörst du eigentlich im Moment am liebsten? Ist da irgendwas, dass du besonders empfehlen kannst?

Ich habe im Moment viele neue Sachen zu Hause, wo ich hier und da mal reinhöre. Im Moment höre ich wieder sehr Black Metal-lastig (passend zur Jahreszeit!) aber die letzten fünf Alben, die schon seit geraumer Zeit immer wieder den Weg in meinen Player finden sind ohne Zweifel: MACHINE HEAD – „The Blackening“, BLACK LABEL SOCIETY – „Hangover Music Vol.6“, PINK – „Not Dead Yet“, A DOG CALLED EGO – „Living Seriously Damages Health“ und TODTGELICHTER – „Schemen“. Die letzten beiden Alben kann ich jedem ans Herz legen, der mal wieder innovative Musik hören möchte, die sich deutlich vom Einheitsbrei abhebt. TODTGELICHTER machen morbiden Black Metal und A DOG CALLED EGO sollte sich jeder mal rein tun, der was mit KATATONIA, OPETH, PORCUPINE TREE oder ANATHEMA anfangen kann.

Noch eine ganz aktuelle Frage zum Schluss: Ein paar fanatische Black Metaller haben offenbar vor wenigen Tagen in der Bretagne in Frankreich eine Kapelle, die Chapelle de La Croix, des 16. Jahrhunderts niedergebrannt. Zuvor wurden bereits weitere christliche Bauwerke beschädigt… Wie stehst du zu solchen Dingen und DARK AGE als Band?

Das sind hirnlose Idioten, die meinen durch Zerstörung etwas erreichen zu können. Damit heben sie sich auch nicht von der Inquisition im Mittelalter oder den X sinnlosen Kriegen in der Welt ab. Ich frage mich immer, was so etwas bringt. Klar, die wollen Zeichen setzen, aber die Kapelle wird wieder aufgebaut und kostet den französischen Steuerzahlern dann wieder Geld. Aber wahrscheinlich zahlen die Jungs keine Steuern und haben es der Kirche und dem Staat jetzt mal so richtig gezeigt…

Dann erstmal viel Erfolg mit den noch anstehenden Gigs und seht zu, dass „Minus Exitus“ baldmöglichst auf die Menschheit losgelassen wird!

Wir bemühen uns! 🙂 Danke für das Interview!

26.06.2007

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