Discreation
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Interview

Anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Albums "Withstand Temptation", stand mir Sebastian, der Gitarrist der hessischen Death Metaler DISCREATION, für ein Interview zur Verfügung und plauderte munter über die Band und natürlich auch über die Entstehung der Platte.

DiscreationHi Sebastian!
Wie geht’s? Was treibst Du gerade so? Voll im Fußballfieber oder doch Totalverweigerer? Wer wird Weltmeister?

Hallo Volker. Also ich habe mir gerade das Spiel Deutschland gegen Ghana angeschaut und freue mich, dass wir gewonnen haben. Ich bin zwar kein besonders großer Fußballfan, aber ein Totalverweigerer mit Sicherheit auch nicht. Ich verfolge das ganze interessiert und freue mich wenn wir gewinnen.

Ihr seid ja eigentlich schon länger dabei, habt jetzt auch die dritte Veröffentlichung am Start, aber da Euch wahrscheinlich noch nicht jeder kennt, stell Euch doch einfach mal den Lesern vor.

DISCREATION gibt es seit 2001. Die Band habe ich zusammen mit unserem Bassist Peter gegründet. Nach den üblichen Anfangswirren kristallisierte sich ein Line-Up heraus, das über Jahre stabil war. In dieser Zeit nahmen wir die „The Great Curse“ EP und „Order To Advance“ auf. Ab 2007 arbeiteten wir an „Withstand Temptation“. In dieser Zeit gab es dann noch ein paar Line-Up-Wechsel. Mittlerweile haben wir mit Michi einen neuen Schlagzeuger gefunden und Dave ist der neue Mann an der Gitarre. Natürlich haben wir in den ganzen Jahren immer fleißig Konzerte gespielt, und so hat uns der ein oder andere vielleicht auch schon live gesehen.

Wie schon angesprochen, habt Ihr gerade Euer neues Album „Withstand Temptation“ veröffentlicht. Kannst Du mir etwas zum Entstehungsprozess verraten? Gab es vielleicht irgendwelche erwähnenswerte Anekdoten, die man den Fans nicht vorenthalten darf?

Wir begannen mit dem Songwriting für „Withstand Temptation“ bereits 2005, nachdem „Order To Advance“ fertig gestellt war. Im Sommer 2007 gingen wir dann ins Studio um die Platte aufzunehmen. Da wir allerdings einige Probleme im Studio hatten, dauerte es bis Anfang 2008 bis die Scheibe endlich im Kasten war. Nur leider waren wir mit dem Ergebnis nicht komplett zufrieden, weswegen wir uns entschieden, das Album noch mal neu Mischen und Mastern zu lassen. Und dabei dachten wir uns, dass wir auch gleich noch Gitarren und Bass neu aufnehmen können, wenn wir schon dabei sind. Jörg Uken hat sich dann um den Mix und das Mastering gekümmert und einen erstklassigen Job gemacht. Etwa Mitte 2009 waren die Arbeiten an der Scheibe dann endlich beendet. Leider kamen uns dann wieder zwei Besetzungswechsel in die Quere, so dass wir erstmal die vakanten Posten neu besetzen und die neuen Mitglieder einarbeiten mussten. Es hat dann noch einige Zeit gedauert, bis wir mit SAOL den passenden Partner für die Veröffentlichung gefunden hatten. Tja, und jetzt kommt „Withstand Temptation“ endlich raus. Trotz allem muss ich aber sagen, dass es sich gelohnt hat zu warten, bis wir wirklich zufrieden waren. Es hat keinen Sinn etwas Halbgares zu veröffentlichen und sich dann immer wieder über dieses oder jenes ärgern zu müssen.

Welcher Versuchung gilt es denn zu widerstehen?

Der Versuchung seinen niederen Trieben freien Lauf zu lassen und damit andere zu enttäuschen oder ins Unglück zu stürzen. Die Texte auf „Withstand Temptation“ sind in einer Zeit entstanden, in der einige von uns Enttäuschungen und Verletzungen im privaten Bereich verkraften mussten. Beziehungen die in die Brüche gingen, Verrat durch enge Freunde und manchmal auch beides in Kombination. Damit rechnen zum Beispiel „Liberation“, „Rust“ oder „Captured And Freed“ ab. Aber andererseits sind es auch ermutigende Texte die dazu auffordern mit der Vergangenheit abzuschließen und nach vorne zu blicken. Und über allem steht die Aufforderung moralisch sauber zu bleiben und sich von denen zu distanzieren, die keine Loyalität und Ehre kennen.

Mir ist aufgefallen, bzw. es macht den Anschein, dass Ihr Euch die Kritiken, die es zu den letzten Alben gab, sehr zu Herzen genommen habt. In den vorangegangenen Reviews hier auf metal.de (die sich mit denen anderer Portale wahrscheinlich ungefähr decken werden), war noch von Verbesserungsmöglichkeiten in Sound und Songwriting die Rede. Gerade in diesen Bereichen habt Ihr jetzt ziemlich aufgeholt. Um nicht zu sagen riesige Sprünge gemacht. Ist das so, arbeitet Ihr solche Kritikpunkte direkt auf? Seid Ihr eine ehrgeizige und fleißige Band, was so etwas angeht?

Ich denke es gibt keinen Musiker, der sich nicht immer verbessern will. Und nachdem eine Platte fertig ist, findet man immer etwas, dass man beim nächsten Mal anders machen würde. Das zum Beispiel die Produktionen der letzten beiden Platten nicht das Optimum darstellen, war uns schon damals klar. Aber wir haben aus den zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste herausgeholt. Wenn man nur acht Tage Zeit hat um eine Platte aufzunehmen, kommt eben keine fette Monsterproduktion bei raus. Mit den meisten Songs, besonders von „Order To Advance“ bin ich allerdings auch heute noch zufrieden. Und dass sie funktionieren zeigen auch die Reaktionen der Leute wenn wir sie live spielen. „Withstand Temptation“ ist natürlich schon etwas ausgefeilter und möglicherweise auch reifer, obwohl ich den Ausdruck eigentlich nicht mag. Aber sicherlich nehmen wir Kritik ernst, solange sie konstruktiv ist, und sich nicht auf das bloße Nichtgefallen des Rezensenten reduziert. Das ist dann allerdings meistens Kritik, die sich auch mit unserem Empfinden deckt.

Wie kam es denn zu der Zusammenarbeit mit Jagger von DISBELIEF? Seid Ihr alte Kumpels? Pflegt Ihr allgemein Kontakte zu anderen Bands, oder seid Ihr eher die kauzigen Eigenbrötler? 😉

DISBELIEF kommen ja grob aus derselben Ecke wie wir. Da läuft man sich schon hier und da mal über den Weg. Uns gefällt deren Musik schon lange und sie haben ja auch als Headliner auf unserem Schlachtfest-Festival 2002 gespielt. Als wir „Withstand Temptation“ aufnahmen, dachten wir uns, dass Jaggers außergewöhnliche Stimme gut zu „Set The Memories Ablaze“ passen würde, und haben ihn einfach gefragt. Glücklicherweise hat er zugesagt und kam ins Studio und lieferte einen glänzenden Gastbeitrag ab. Das lief alles ganz unkompliziert und wir sind ihm auch sehr dankbar dafür! Natürlich gibt es auch Kontakte zu anderen Bands. Das wären zum Beispiel DOWNSCAPE, IRA TENAX, ODIUM, BLOODSPOT und die mittlerweile leider nicht mehr existierenden CRUEL EXPERIENCE und HANDS OF FATE.

Zu Eurer Musik: Überall ist die Rede davon, dass Ihr sowohl nach europäischem, als auch nach amerikanischem Death Metal klingt. Von den Überseevergleichen höre ich allerdings nicht wirklich viel heraus. Es ist halt einfach Death Metal, und wenn, dann schon eher in Richtung Schweden schielend. Wie seht Ihr das?

Wenn man bei amerikanischem Death Metal an Bands wie CANNIBAL CORPSE oder IMMOLATION denkt, dann gibt es da sicherlich keine Parallelen. Wenn dann würde ich eher einige Bands mit ihren Früh-Neunziger Alben heranziehen. Die simpel-groovigen oder leicht thrashigen Parts sind da durchaus vorhanden, auch wenn man die im Kontext vielleicht weniger als solche erkennt. Aber generell hast du schon recht, der europäische Death Metal dominiert unsere Musik. Garantiert sind wir aber keine Fans von IN FLAMES, DARK TRANQUILLITY und Co. Wenn dann sind solche Parallelen Zufall.

In meinem Review spreche ich davon, dass mir sehr oft (um genau zu sein, während der schnellen, brachialen Double-Bass-Parts) NON SERVIAM in den Sinn kommen, wenn ich „Withstand Temptation“ höre. Kannst Du das nachvollziehen? Welche direkten Einflüsse haben DISCREATION?

NON SERVIAM kenne ich ehrlich gesagt gar nicht, daher kann ich den Vergleich leider nicht nachvollziehen. Direkte Einflüsse zu nennen ist schwierig. Wir haben von Anfang an nur eigene Songs geschrieben und bis heute keinen anderen Song gecovert. Die Bands die uns zum Death Metal gebracht haben waren VADER, GOD DETHRONED und SIX FEET UNDER. Vielleicht noch VOMITORY und die zu früh verblichenen NECRONY. Das war unser Einstieg in den Death Metal und anfangs hatten wir den Wunsch die Blasts von VADER mit dem Groove von SIX FEET UNDER zu verbinden. Und das gilt auch heute noch, die Mischung muss einfach Stimmen. Melodie, Groove und Brutalität sollen in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen. Dabei darf es auch gern mal episch zugehen, und ausladende Songstrukturen dürfen auch gern dabei sein. Ich finde es immer spannend wenn viel in einem Song passiert und man nicht schon nach der ersten Strophe und dem Refrain weiß, wie der Song weitergehen und enden wird.

Ich habe gelesen, dass Ihr einen neuen Schlagzeuger habt. War es schwierig, Ersatz für Andreas, seinen Vorgänger zu finden? Warum hat er denn überhaupt die Band verlassen?

Es war zum Glück nicht schwierig, weil direkt nachdem wir offiziell auf die Suche gingen, Michi sich bei uns gemeldet hatte, den wir schon aus anderen Bands aus der Gegend kannten. Wenn er kein Interesse gehabt hätte wäre es allerdings mit Sicherheit schwer geworden, denn sonst hat sich niemand gemeldet. Von seinem Vorgänger Andreas haben wir uns in gegenseitigem Einvernehmen getrennt. Wir hatten unterschiedliche Ansichten, was die zukünftige musikalische Marschrichtung angeht sowie Differenzen im zwischenmenschlichen Bereich.

Eure letzte Veröffentlichung war eine Neuauflage der ersten beiden Platten. Wie kam es denn dazu, wo „Order To Advance“ zu diesem Zeitpunkt doch erst ein Jahr alt war? Hättet Ihr im Anschluss nicht lieber gleich ein reguläres Album veröffentlicht?

Wir hatten die Platte zunächst als Eigenproduktion veröffentlicht. Mitte 2006 kam dann Kai von Musicaz Records auf uns zu und bot uns an, „Order To Advance“ über sein Label zu veröffentlichen. Und da man so gut wie keinen Einfluss auf den Preis hat, der letztendlich im Laden verlangt wird, wollten wir den Leuten einfach mehr für ihr Geld bieten. Daher haben wir noch die remasterte „The Great Curse“ EP und das Video zu „Breeding Terror“ mit draufgepackt. Außerdem enthielt das DigiPak die beiden original Booklets der beiden Scheiben. Wenn man bedenkt zu welchen Preisen CDs teilweise über den Tisch gehen, ist das eine faire Sache gewesen wie ich finde. Ein neues Album hätten wir zu der Zeit sowieso nicht veröffentlichen können, da wir noch gar nicht so weit waren, die nächste Scheibe aufzunehmen.

Wie kam es denn zu all den Gigs mit echten Szenegrößen, wie AMON AMARTH, MAYHEM, den REITERN, THE CROWN usw.? Das sind doch ein paar mehr „große“ Gigs, als die meisten Bands in ihrer Karriere bestreiten dürfen. Habt Ihr besonders gute Kontakte? Seht Ihr Euch auch eher als Liveband? Was war die bisher beste Konzerterfahrung?
Wie sehen, jetzt, nachdem Ihr ein neues Album veröffentlicht habt, Eure Planungen für Auftritte aus? Spielt Ihr deutschlandweit?

Wir hatten ein paar Mal Glück, dass Veranstalter uns zutrauten für solche Bands zu eröffnen. Aber es stimmt schon, wir durften schon einige tolle Bands supporten. Meistens haben wir einfach ganz frech gefragt und oft hat es funktioniert. Die besten Konzerte waren sicherlich die mit den Reitern. Besonders auf der 2008er Club Tour in München und Reichenbach. München war beeindruckend wegen der Masse an Zuschauern. Vor knapp tausend Leuten zu stehen ist schon ein beeindruckender Anblick. In Reichenbach sind die Fans völlig durchgedreht und haben von sich aus eine Wall Of Death eingefordert und organisiert. Das war völlig verrückt. Live spielen ist für uns natürlich sehr wichtig, zumal man dabei einfach die besten Momente erlebt. Ein gelungener Gig trägt einen wochenlang durch den Alltag und wenn diese berühmte Magie zwischen Band und Publikum entsteht, ist das mit nichts zu vergleichen. Glücklicherweise durften wir das schon einige Male erleben.
Momentan stehen leider noch keine neuen Termine, aber wir arbeiten daran. Wir wollen so oft wie möglich spielen, und wenn uns jemand buchen möchte, nur zu!

Was sind Eure generellen Erwartungen/Ziele, die Ihr an die Band habt, bzw. was wollt Ihr mit der Band erreichen? Reicht es Euch, regelmäßig Shows zu spielen und dann und wann ein Album zu veröffentlichen, oder darf es noch ein bisschen mehr sein?

Regelmäßig Shows spielen und Alben veröffentlichen ist ja schon mal gar nicht so schlecht, oder? Wenn man das hinbekommt ohne dabei draufzulegen hat man schon einiges erreicht finde ich. Wenn uns das gelingt wäre ich schon sehr zufrieden. Aber es darf natürlich auch gerne mehr sein. Wenn noch regelmäßig eine Tour dazu kommen würde, hätten wir sicherlich nichts dagegen. Wir sind auf jeden Fall bereit jede Chance die sich bietet zu ergreifen. Und wenn wir nicht daran glauben würden, dass uns das gelingt, wären wir nicht nach neun Jahren noch am Ball.

Ihr habt auch schon ein Festival an den Start gebracht. War das eine einmalige Sache?

Das Schlachtfest haben wir zweimal organisiert. Das dritte mussten wir leider zwei Wochen vorher absagen, weil der Vorverkauf so mies lief, dass wir uns dabei finanziell ziemlich verausgabt hätten. Das hing vor allem damit zusammen, dass wir in eine andere Halle wechseln mussten, und deren Konditionen trieben die Kosten massiv in die Höhe. Ziemlich schade, denn wir wollten das eigentlich regelmäßig machen. Wir haben auch immer wieder überlegt das Schlachtfest wieder aufleben zu lassen, aber es hat nie danach ausgesehen, als würde sich das realisieren lassen. Die Bands haben einerseits massiv die Gagen erhöht, ziehen aber gerade hier in der Gegend nicht wirklich mehr Leute. Und auf ein Pagan Festival haben wir keinen Bock. Erstens gibt’s davon schon genug, und zweitens können wir damit nichts anfangen.

Auch wenn ich es weiter oben doch schon getan habe: Eigentlich stelle ich die Frage nach den Einflüssen nicht so gerne. Viel lieber habe ich es, wenn mir mein Gesprächspartner seine Lieblingsalben verrät. Das finde ich wirklich interessant. Außerdem stehe ich einfach total auf Top-5-Charts in Interviews!
Also: Top 5 der Lieblingsalben bitte!

Also damit bringst du mich wirklich in Schwierigkeiten. Selbst um die wichtigsten Alben unterzubringen müsste es eigentlich schon eine Top 20 sein 🙂 Aber ok, 5 Alben die zu meinen Alltime Faves gehören:

IRON MAIDEN – „Seventh Son Of A Seventh Son“
RUSH – „2112“
JUDAS PRIEST – „Painkiller“
BOLT THROWER – „Mercenary“
RAINBOW – „Rising“

Das war’s dann auch schon. Vielen Dank für das Interview und viel Glück mit „Withstand Temptation“. Die letzten Worte sind Dein:

Danke dir für das Interview. Checkt unser Album an, auf Myspace gibt es drei Songs davon zu hören! Es lohnt sich bestimmt 🙂 Death Metal Victory!

24.06.2010

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