Excrementory Grindfuckers
Excrementory Grindfuckers

Interview

Erst waren sie nur ein Internethype. Fetthaarige Kellerkinder steckten sich ihre Demos mit einem breiten Grinsen zu. Auf Tauschbörsen und handbeschrifteten CD-Rs kursierten ihre extremen Coverversionen der übelsten Schlager. Inzwischen sind die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS gern gesehene Gäste auf großen Festivals wie dem Wacken oder dem Summerbreeze. Mit ihrem neuen Album "Headliner der Herzen" haben sie ihren Stil abermals weiterentwickelt. Sänger Him und Drummer Christus über Covers und Eigenkompositionen, ihren Humor und Hims neues Leopardenkostüm.

Excrementory GrindfuckersGab es wesentliche Neuerungen im Entstehungsprozess des neuen Albums „Headliner der Herzen“ im Vergleich zu den Vorhergehenden?

Him: Während der „Bitte nicht vor den Gästen“-Recordings zeichnete sich schon ein Trend zu eher gemeinschaftlichen Aufnahmen ab, was vorher beim Recording-Projekt eher nicht der Fall war. Auch dieses Mal haben wirklich alle Bandmitglieder am Songwriting mitgewirkt. Die Arbeit der Produktion und des Masterings ist im Wesentlichen wieder Rob zugefallen. Da kann ihm niemand von uns anderen das Wasser reichen. Er hat bei den Aufnahmen sozusagen wieder Regie geführt.

Euer neues Album hat fast 80 Minuten Spielzeit und reizt damit die Maximallänge einer Audio-CD aus. Wie schon auf „Fertigmachen, Szeneputzen“ enthält sie außerdem das technische Maximum von 99 CD-Tracks. Warum geht Ihr zum wiederholten Mal auf so groteske Weise an die Grenze des Machbaren?

Him: Was heißt hier „fast“? Es HAT 80 min, hehe. Wieso eigentlich grotesk? Wir meinen einfach, dass die Leute für ihr Geld auch was geboten kriegen sollten. Auf der Scheibe sind de facto 37 Songs plus zwei Hidden Tracks in anständiger Soundqualität – und das für 10 Euro. Entschuldigung, dass wir ein wenig unkommerzieller denken als manch industriell eingebundene Band. Wir sollten das schnellstmöglich ändern, finde ich.

Christus: Genau.

Respekt dafür, dass Ihr es geschafft habt, 80 Minuten ohne krassen Durchhänger zu füllen. Aber warum habt ihr nicht weniger Material auf die Platte gepackt und dafür völlig auf Füller verzichtet?

Him: Wenn wir einen Song aufnehmen, wissen wir nie vorher, ob das eine gute oder eine miese Idee ist. Und wenn er fertig ist, gibt es von fünf verschiedenen Bandmitgliedern sechs verschiedene Meinungen zu dem Song. Deshalb kommt nahezu jeder Song, der aufgenommen wird, auch aufs Album. Ich glaube im übrigen, dass die Fans genauso verschieden Meinungen haben: Jeder hat seine ganz eigenen Lieblinge und Skip-Tracks auf „Headliner der Herzen“.

Christus: Füller ist halt relativ. Ich finde die Platte hat für jeden etwas. Der eine mag „Geld oder Krise“, andere skippen das „Grindcore Lied“, ich mag „A++“.

Wie hat es sich ergeben, dass fast die Hälfte der Songs Eigenkompositionen sind?

Him: Deine Frage ist ein gutes Beispiel für die Schere zwischen dem Bild, das sich manche von Außen machen und der tatsächlichen Entwicklung dieser Band. Tatsächlich ist es nämlich „nur“ noch ein knappes Drittel an Coverversionen (auf „Bitte nicht vor den Gästen“ war es schon nur noch die Hälfte). Wir haben inzwischen gemerkt, dass die Coverversionen zwar oft ein guter Spaß und allemal Peopleteaser sind, aber dass sie inzwischen oft als Kritikpunkt benutzt werden, um die Band abzuqualifizieren. Das ist Schade, da auch in den Covern sehr viel Ideen und Arbeit stecken. Aber ich denke, wir haben in über neun Jahren genug gecovert. Und viele unserer eigenen Ideen sind nicht so übel, dass wir uns nicht trauen würden, sie als Grindfuckers-Nummern zu veröffentlichen. Um die Leute nicht zu verunsichern, ob das nun ein Cover oder was Eigenes ist, wird es auf der nächsten Platte einfach mal keine Cover mehr geben. Ich bin neugierig, ob dann zu lesen steht: Oh, nur noch ein Drittel Coverversionen auf der neuen Grindfuckers. Hehe…

Welche Bands haben den Stil eurer Eigenkompositionen beeinflusst? Ich hatte das Gefühl die JAPANISCHEN KAMPFHÖRSPIELE rauszuhören…

Him: Klar hören wir uns auch die Scheiben der befreundeten Bands an. Rob hat die „Rauchen & Yoga“ von JAKA sogar produziert. Und zugegeben: Die Zehn-Sekünder auf „Headliner der Herzen“ sind sehr jakaesk. Aber wo sonst noch?
Ich glaube, wir haben einen sehr breit gefächertes Musikinteresse, aus dem jeder von uns auf seine Weise schöpft. Der gemeinsame Nenner ist zwar in der Regel Metal, aber ich höre mir in der Tat gerne EAV, TRUCK STOP und KATZENJAMMER an.

Christus: Na na, JAKA hört man bei Party in Moll nur schwer raus. Aber das ist faszinierend! Vielleicht fallen den Leuten auf unserer Scheibe ja auch Songs auf, die nach ABBA oder MOZART klingen? Sehr bemerkenswert.

Wo habt ihr eure fantastische Gastsängerin VIC ANSELMO kennengelernt?

Him: Na, in Lettland natürlich. Die war auf einem unserer Konzerte und hat sich seltsamerweise in die Mucke verliebt. Das ging mir ähnlich, als ich ihr Demo gehört habe – und irgendein metal.de-Maulheld hat’s natürlich in der Versenkung der Belanglosigkeit versinken lassen, tz tz…
[Anm. d. Red.: Schöne Grüße an Philip, der das metal.de-Review zu VIC ANSELMO’s Trapped in a Dream“ geschrieben hat. http://www.metal.de/cdreviews.php4?was=review&id=11335]

Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Him: Wie gesagt, wir sind seit unseren Gigs in Lettland befreundet bzw. stehen im regelmäßigen Kontakt, und da war es naheliegend, dass wir mal vorsichtig bei ihr um einen Gastauftritt gefragt haben. Und bemerkenswerterweise empfand sie das als große Ehre und hat sich wahnsinnig gefreut. Und wir erst! „Party in Moll“ ist nach wie vor mein Lieblingstrack auf der Scheibe.

Was macht VIC sonst für Musik?

Him: Märchenhafte Verzaubermusik, guckst Du hier: www.myspace.com/vicanselmomusic

Aus Songs wie „Wohn-Haft“ über Computersüchtige oder „Party in Moll“ mit seinem subtilen Humor höre ich einen gesellschaftskritischen Unterton heraus. „Taschengeld“ wirkt auf mich dagegen im Refrain ziemlich prollig. Denkt ihr darüber nach, welche Art von Humor Ihr auf ein Album packt? Wollt Ihr mit Humor nur unterhalten oder auch eine Botschaft übermitteln?

Him: Nee, nix Botschaft. Wir wollen die Leute unterhalten; nicht nur mit Ballermann-Songs wie „Taschengeld“ – aber eben auch. Warum auch nicht? Urlaub vom Niveau machen tut doch auch mal gut. Zudem hat jedes Bandmitglied seine eigenen Songs auf der Scheibe, also kommen noch mal fünf verschiedene Arten von Humor und Kreativität zusammen.

Christus: Oh, „Wohn-Haft“ handelt von Computersüchtigen? Cool! Dann wird „Party in Moll“ wohl der nächste Party-Kracher, das sagt ja schon das Wort „Party“ im Songtitel! So einfach ist die Welt. Oder doch nicht?

Auf „Headliner der Herzen“ habt Ihr in „An Meinen Nachbarn“ eine Schimpftirade des mittelalterlichen Dichters Johannes von Tepl vertont. Studiert einer von Euch Mediävistik? Oder werdet Ihr jetzt intellektuell?

Him: Hehe… diese Tirade hab ich vor rund 15 Jahren im Deutschunterricht aufgeschnappt und damals gleich in einem Comic aufgeschrieben. Die Songidee dazu ist auch schon fast so alt wie die Grindfuckers selbst, aber erst jetzt hat sie den Weg auf ein Album gefunden. Diese Beschimpfung ist einfach zu gewaltig, um sie in einem kleinen gelben Reclam-Heftchen vergammeln zu lassen, hehe…

Christus: Was ist Mediävistik?
[Anm. d. Red.: Guckst du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Mediävistik]

Wird es mit der Zeit schwerer, neue Ideen für Witze zu finden, weil Ihr schon so viel gemacht habt?

Him: Nicht wirklich. Der Witz der ersten beiden Alben ist heute nicht wiederholbar. Es wäre kein Lacher mehr und hat sich erschöpft. Dinge, über die wir heute lachen können, kommen auf die Scheibe, so einfach ist das. Die meisten Ideen entstehen inzwischen auf Tour oder wenn wir im Bunker sitzen und versuchen zu proben.

Wie wird im Festivalsommer 2010 eure Bühnenshow aussehen?

Him: Bühnenshow? Uff, keine Ahnung. Vielleicht laut, authentisch, energiegeladen und ein bisschen albern. Eigentlich gehen wir nur auf die Bühne und machen die Musik, wegen der die Leute zu unserm Gig gekommen sind. Und wir freuen uns riesig über die vielen lachenden Gesichter vor uns.

Christus: Wir gehen auf die Bühne und legen den Lustig-Schalter im Arsch um, der Rest kommt von alleine. Nicht zu vergessen Hims neues Leoparden-Kostüm. Er sieht darin nicht nur aus wie eine Wildkatze, sondern riecht auch so…

Für weitere Infos schaut euch auch die Frequently Give Answers auf der GRINDFUCKERS-Homepage an: http://www.excrementory.de/siteinfo/xgf-fga.pdf

Galerie mit 24 Bildern: Excrementory Grindfuckers auf dem Summer Breeze Open Air 2017
13.08.2010

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