Excrementory Grindfuckers - Guts, Gore & Grind (Re-Release)

Review

Galerie mit 24 Bildern: Excrementory Grindfuckers auf dem Summer Breeze Open Air 2017

Die Geschichte der EXCREMENTORY GRINDFUCKERS ist im Grunde eine durch und durch amerikanische. Vom Tellerwäscher zum Millionär – oder in ihrem Fall: aus dem Schlafzimmer aufs Wacken Open Air. In den wenigen Jahren ihrer Existenz haben die Hannoveraner eine Bilderbuchkarriere hingelegt, die Hollywoodstoff sein könnte. Denn, und das ist das Erstaunliche, der Erfolg ist selbst erarbeitet. Die GRINDFUCKERS sind selfmade-„Stars“, die es geschafft haben, ohne Label im Rücken landauf, landab zum Begriff zu werden. Und das nicht einmal beabsichtigt. Natürlich kam ihnen dabei der wieder aufkeimende Internethype des neuen Jahrtausends zugute. Das aber bereits zu einer Zeit, als es myspace noch nicht einmal gab.

Das, was Labels und Promoagenturen heute mit inflationär gelaunchten, völlig sinnentleerten myspace-Seiten mit der Holzhammermethode zu erzwingen versuchen, haben die GRINDFUCKERS instinktiv richtig gemacht und damit im Grunde genommen einen Platz in der Fachliteratur für beispielhaftes virales Marketing verdient. Woran die Plattenindustrie seit Jahren verzweifelt und für untauglich erklärt, ist das Erfolgsrezept der GRINDFUCKERS. Und damit sind nicht nur Gratis-Downloads gemeint. An ihrem Beispiel zeigt sich deutlich, dass es eben Qualität und Originalität sind, die sich durchsetzen. Anders dürfte es nicht zu erklären sein, dass die Band mittlerweile auf den größten Festivals der Nation spielt. Auch wenn das Rezept, traditionelles Liedgut zu verwursten, schon lange nicht mehr neu ist, haben es die GRINDFUCKERS konsequent zur Methode erhoben und Omis Lieblingsklassikern ein zweites Dasein spendiert – und zwar als neue Klassiker.

Mit „6uts, 6ore & 6rind“ (damals allerdings noch ohne die schmückenden Sechsen im Titel) gibt es den Erstling der Jungs nun erstmals als fertiges Produkt. Wurden die Songs, die Rob und him damals in Robs Schlafzimmer aufgenommen haben, annodazumal als Gratis-Downloads per Voting über die bandeigene Website verteilt bzw. für einen warmen Handschlag auf CD-R vertickt, gibt es sie nun als professionell aufgemachtes Album für diejenigen, denen „Guts, Gore & Grind“ damals nicht von Kumpels mit einem breiten Grinsen als mp3 in die Hand gedrückt wurde. Allen anderen dürften vielleicht die sage und schreibe zwanzig (!) Bonustracks den rechtmäßigen Erwerb wert sein. Allerdings sei dazu gesagt, dass die Unplugged- und Live-Versionen nun wirklich alles andere als essenziell sind. Aber einem geschenkten Gaul linst man bekanntlich nicht in den Rachen.

„6uts, 6ore & 6rind“ ist noch immer das beste GRINDFUCKERS-Album und nichts geringeres als ein kleiner Underground-Klassiker. Bevor das Konzept mit der zweiten Scheibe „Fertigmachen, Szeneputzen“ bereits begann, Staub anzusetzen, wüteten hier noch anarchische Kräfte, die – niemals respektlos, aber immer frisch – traditionellem Liedgut wie „Herzilein“, „Es gibt kein Grind auf Hawaii“ und vielen anderen endlich ein Gewand verschaffte, in dem es auch unsereins hören kann. Und Omi wäre stolz auf uns, denn auch wir schunkeln jetzt zu Roberto Blancos „Ein bisschen Grind muss sein“. So plump das Konzept vielleicht klingen mag – die GRINDFUCKERS haben es nie versäumt, feine, ironische Spitzen mit einzubauen. So kriegen sie alle ihr Fett weg: vom unsäglichen MUSIC INSTRUCTOR über DJ ÖTZI, MODERN TALKING, DAVID HASSELHOFF und KORN, SEPULTURA oder MEGADETH bis hin zum Herrn Bertelsmann mit seinem musikalischen Gemischtwarenladen. Und wer könnte es vergessen, das „Picknick im Zenit metaphysischen Widerscheins der astralen Kuhglocke“? Völliger Kult.

Auf dieser Platte jagt ein Hit den nächsten, und selbst nach sieben Jahren haben die nichts von ihrem Esprit eingebüßt. Dass das Konzept so allerdings nicht reproduzierbar ist, haben die GRINDFUCKERS selbst mit den beiden Nachfolgealben gezeigt. Aber die Band ist frei genug, um aus dieser Not eine Tugend zu machen. Bereits die letzte Scheibe „Bitte nicht vor den Gästen“ zeigte die Band deutlich subtiler und auf eine gewisse Art „erwachsener“, und damit etwa auch für JAKA-Fans interessant, die nicht unbedingt wissen, wo Kalau liegt. Man darf gespannt sein, was dem noch folgen wird. Für den Moment gilt jedenfalls: „6uts, 6ore & 6rind“ kaufen, los! Sonst setzt es was!

05.02.2008

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1 Kommentar zu Excrementory Grindfuckers - Guts, Gore & Grind (Re-Release)

  1. Anonymous sagt:

    Eine absolut geniale Platte. Was die Grindfuckers hier abliefern ist einfach grandios. Da bleibt kein Auge trocken – vor lachtränen. Exzellente Parodien. Schön zu sehen das es in diesem brutalem Genre auch Bands gibt die nicht alles bierernst nehmen. Mich erinnert die Band an Knorkator oder JBO nur eben im Grind-Bereich. Anspieltips: Grindin‘, Vater Morgana, der letzte Song, Der Grinderwahnsinn und eigentlich alles. Für mich der beste Output den die Grindfuckers abgeliefert haben.

    10/10