Excrementory Grindfuckers
Interview mit Him zu "Ohne kostet extra"

Interview

Excrementory Grindfuckers

Mit „Ohne kostet extra“ melden sich die Hannoveraner Grindcore-Spaßvögel EXCREMENTORY GRINDFUCKERS zurück. Wieder in Eigenregie veröffentlicht, fanden zum ersten Mal durchgehend selbstgeschriebene Lieder Einzug auf die Platte. Was das Ganze mit Kot, Schweinefleisch und Poesiealben zu tun habt, lest ihr im folgenden, teilweise nicht ganz so ernst gemeinten Interview mit Him.

Excrementory Grindfuckers

Wieso kostet ohne extra?

Weil weniger mehr ist.

Wie hoch sind denn die Extra-Kosten?

Unser „Ohne kostet extra“-Package mit Vinylscheibe, CD, Tshirt, Plakat und 3 Stickern kostet 30,-€. Das gleiche Package OHNE die Sticker kostet 32,-€.

Die Internetseite www.dorchgefallen.de von Stiftung Metaltest funktioniert leider nicht. Habt ihr sie wegen dem schlechten Abschneidens eures Albums gehackt? Mit ner Axt?

ABeCeDeEeFGeHaIJotKaeLeMeNOPeQueReSTeUVauWeiXYpsilonZett.

16 Songs in 44 Minuten, wann habt ihr für euch den epischen Metal entdeckt? Wann kommen Songs über Drachen, Herr der Ringe, Grindcore-Wald-Trolle? Wann spielt ihr endlich im Vorprogramm von MANOWAR den „Der Ring der Nebelungen“-Wagner-Grind?

Du spielst vermutlich auf unser bisheriges Versehen an, dass wir uns auf den älteren Alben neben den brillanten und überaus erfolgreichen Super-Nummern nur schwer von den Fillern, Toilettenaufnahmen und vertonten Raucherpausen trennen konnten, richtig? Dadurch kamen immer irgendwie 75 min reine Hörzeit und 99 Tracks zusammen. Stimmt. Dieses Mal wurde die Festplatte mit den ganzen Fillern, schalen Scherzen und den nur zweitbesten Kompositionen von den gefürchteten GRAILKNIGHTS geklaut, die damit jetzt illegal Kasse machen. Aber so kommt es, dass bei uns nur noch die monumentalen Stücke zu hören sind.

„Ohne kostet extra“ besteht durchgehend aus eigenen Songs. Sind euch die Cover ausgegangen? Werden irgendwann welche nachgeliefert, oder restlos vergriffen?

Wie sollen uns die Ideen für Coverversionen ausgehen, wenn uns die Fans in jedem zweiten Facebook-Posting liebevoll mit „Spielt doch mal woiuhkfö von aölkdäsalkl!“ bedenken? Nee, das hat einfach damit zu tun, dass wir grad keine Lust mehr auf das Coverband-Image hatten. Ist so. Man muss ja nicht immer das bedienen, was andere von einem erwarten, nur weil man darin in letzter Zeit gut und erfolgreich war. Wir würden uns vermutlich schnell in die Belanglosigkeit katapultieren. Wir schreiben einfach gerne eigene Songs. Wir sind kein Devin Townsend und auch keine OPETH, nein, wir schreiben einfache Songs zum Abgehen. Und sicher auch nicht immer so ganz flach, wie man es uns oftmals vorhält.

Kam eigentlich von Heino schon ne Anfrage, ob er was von euch covern darf?

Nee, mit der Bushido-Mafia haben wir nix am Hut.

Und hat sich schon die Antifa gemeldet wegen eurem Intergrationshit „Schweinefleisch“?

Die schönste Reaktion zur Platte kam neulich genau zu dem Song. Ein Fan schrieb per SMS (!): „Ist euer Song „Schweinefleisch“ eigentlich rechts? Total geil!“ – Wie genau der junge Verwirrte das auch gemeint haben mag – so oder so hat der Song seine Wirkung nicht verfehlt: Entweder grölt jetzt ein politisch destabilisierter Seppel deutsche Peinlichkeiten über den Wehrsporthof, oder aber es hat sich ein junger Fan besorgt Gedanken gemacht, ob er jetzt Nazi ist, weil er die GRINDFUCKERS hört. Vielleicht erwartet er ja jetzt auch ein deutliches Statement gegen rechts. Wie man das halt so macht, wenn völkisches Gedankengut rumtrompetet, aber gleichzeitig salon- und verkaufsfähig bleiben will…

„Kottherapie“ hat ja tatsächlich einen wissenschaftlichen Hintergrund! Hattet ihr daran irgendwie Anteil?

Natürlich. ND arbeitet beim Fraunhofer Institut für Fäkalienforschung. Seine spektakulären Ergebnisse veröffentlicht er regelmäßig in der „Nature“ und bei metal.de. Manchmal schreibt auch der Spiegel ab: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/stuhl-transplantation-faekalien-heilen-chronische-darmpatienten-a-878156.html

Was habt ihr an der Herangehensweise zu „Ohne kostet extra“ im Vergleich zu euren letzten Alben geändert?

Die Herangehensweise zum letzten Album war eigentlich recht ähnlich. Wir haben wieder über einen längeren Zeitraum Ideen gesammelt, dann hat Rob seine musikalischen Erstentwürfe erarbeitet und schließlich kam der Gesang usw. dazu. Das ist eine verdammt anstrengende Zeit, neben Beruf und mittlerweile Familie gar nicht so leicht zu stemmen.

„Ohne kostet extra“ ist allerdings unter anderen Voraussetzungen entstanden. Zuvorderst fiel die Entstehung in eine Zeit lebhaften personellen Wechsels, zum anderen hatten wir ja diesmal vor, erstmals eine etwas „andere“ GRINDFUCKERS-Platte entstehen zu lassen: Keine Cover mehr, „nur“ 16 Songs, eingängige, aber interessante Songs schaffen. Und nicht zuletzt haben sich bei einigen Bandmitgliedern auch die Lebensumstände verändert. Bei „Ohne kostet extra“ haben wir mal wieder gemerkt, dass es auch immer wieder ein hartes Stück Arbeit ist, eine Band als Hobby in den Berufs- und Familienalltag zu integrieren. Aber genau das ist meiner Meinung nach für die Platte sehr fruchtbar gewesen: Ich finde, man hört ihr an, dass wir das unbedingte Bedürfnis haben, den ganzen bierernsten Alltagskram für 44 min hinter uns zu lassen und einen wohltuenden Ausgleich zu haben. So ist sie denn fast etwas zu eingängig und nachvollziehbar geworden, unserer Meinung nach fehlt es der Platte letztendlich etwas an Sperrigkeit und Brutalität. Aber das soll ja nicht unsere letzte Scheibe gewesen sein…

Zur Abwechslung tatsächlich mal eine (fast) ernste Frage – euer stilistisches Spektrum ist ja schon recht breit gefächert. Welches sind eigentlich eure musikalischen Einflüsse? Wie musikalisch tolerant seid ihr wirklich?

Ernste Antwort: Ziemlich. Wir hören inzwischen wirklich jeden Kram, wir sind nicht mehr ganz so festgelegt und verbissen, wie man es vielleicht aus der eigenen Jugend kennt. Rob hat eh schon immer allen Scheiß gehört. Große Einflüsse sind natürlich immer noch im Metal zu suchen, aber ich hör mir tatsächlich auch Schlager oder Artverwandtes an, viel Rap-Kram können wir inzwischen auch mitplappern, und ein Interesse für Elektronik und Ambientkram gehört bei Metallern doch schon fast zum guten Ton. Ich denke, die musikalische Bandbreite unserer Einflüsse spiegelt sich direkt in unseren Songs wider. Wir haben doch kein Bock, nur Standard-Metal vom Band zu leiern, selbst wenn er gut wäre. Nö, dazu gibt es zu viel Musik, die man auch gern mal selbst spielen möchte. Also lassen wir sie einfließen.

Ihr habt zwei personelle Änderungen. Pempas ist ausgestiegen, dafür habt ihr jetzt ND. Was waren die Gründe für den Ausstieg, und was könnt ihr uns über ND erzählen?

Pempas, kann man sagen, hat sich aufs Altenteil zurückgezogen. Für ihn sind familiäre Dinge in den Vordergrund gerückt, wie das eben so ist mit 40, wenn man mit der Mucke nicht sein Geld verdienen muss (aus solchen Begebenheiten entstehen dann Songs wie „Aus der Traum“). Ich finde das absolut in Ordnung und nachvollziehbar. Pempas hat diese Band still, aber sehr stark mit geprägt, und wir bedauern seine Entscheidung entsprechend sehr.

ND ist eine richtig gute Type, die sich binnen kürzester Zeit voll und ganz in die Band integriert hat. Kein Ersatz, aber ein würdiger Nachfolger und wie’s aussieht absoluter Glücksgriff. Und spielt Bass wie eine grazile Zwergantilope!

Horn hingegen wurde gegangen. Wieso musste er seinen Posten räumen, und was sollte man von eurem neuen Sänger Mao wissen?

Mao ist größer, hässlicher und stimmlich offenbar variabler als Horn.

Ja, Horn wurde aus der Band bugsiert, weil wir sein Engagement als absolut unzureichend betrachtet haben. Seine Meinung war eine andere. Das Ganze hat alle Beteiligte viele Nerven gekostet. Bitte nicht noch mal.

Dann habt ihr in Kanada und Spanien gespielt. Wie kam es denn dazu? Wie war es?

Kanada muss eine Heidenparty gewesen sein. Ich war leider nicht dabei. Aber wir hoffen mal, dass wir einen guten Eindruck hinterlassen haben (den Reaktionen nach zu urteilen können wir uns Hoffnung machen) und aus diesem einzelnen Konzert vielleicht in Zukunft noch weitere erwachsen.

Unsere kleine Spanien-Tour war genauso ein Zufallsprodukt. Jemand hat übers Internet von uns gehört, findet die Band interessant und versucht, für uns was zu organisieren. Dafür muss man sich als Veranstalter finanziell schon weit aus dem Fenster lehnen, weil solche Flüge eben viel Geld kosten. In Spanien haben wir das auch zu spüren bekommen – das war seeeeehr knapp kalkuliert alles. Aber es war eine unvergessliche Tour, der Veranstalter Jakob war eine unglaublich liebe Seele (leider manchmal etwas zu verplant), und er hat uns eine richtig geile Tour ermöglicht! Dafür an dieser Stelle noch mal ein herzliches DANKE!

Wenn ihr erklärte Satanisten wärt, wie würde denn euer Orden heißen? Welche Rituale gäbe es, und wie würden eure Backstage-Parties sich von den jetzigen unterscheiden?

Ich würde auf jeden Fall die WATAIN-Jungs von ihren Ziegen schubsen, diese Profis haben bestimmt die heißeren Geräte.

Unser Orden hieße bestimmt Ogan. Oder Orden Tlich. Keine Ahnung. Was’n das für ne Frage? Gab’s die günstig im metal.de-Archiv, weil die kurzfristig aus dem KNORKATOR-Interview geflogen ist?

Laut Poesiealbum habt ihr 6,9 Milliarden Fans, was nahezu die komplette Menschheit einschließt. Wie habt ihr die eigentlich alle gezählt? Zählen auch Tiere dazu?

Du meinst mit Poesiealbum die Presseinfo, mit der wir uns bei unseren Freunden auf Zeit von der Presse einschleimen wollten, um möglichst hohe Bewertungen abzugreifen… hat bei metal.de ja geklappt.

Auf die Zahl der Fans sind wir schlicht durch höhere Mathematik gekommen: Wir haben von der Gesamtanzahl der Menschen weltweit die 100 Mio. Hassbrief-Absender subtrahiert, und kamen noch auf 6,9 Mrd., die entsprechend alle Fans sind.

Tiere müssen einen Antrag auf Fan-Berechtigung stellen. Aber gelungen ist das bisher nur einer Horde Affen, die dafür aber vor unseren Bühnen erstaunlich oft anzutreffen ist.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören euch!

Besucht unsere Konzerte. Neulich erzählte uns ein Fan der Frei.Willigen Feuerwehr, dass die GRINDFUCKERS Live viel besser seien, als auf ihren Schrott-Platten. Da ist bestimmt was dran.
Alternativ: Kauft unseren Shit, dann werden wir eben reich. Widerlich sind wir inzwischen schon.

Galerie mit 24 Bildern: Excrementory Grindfuckers auf dem Summer Breeze Open Air 2017
26.07.2013

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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