Excrementory Grindfuckers - Ohne Kostet Extra

Review

Galerie mit 24 Bildern: Excrementory Grindfuckers auf dem Summer Breeze Open Air 2017

An den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS scheiden sich die Geister. Für die einen, und wenn man ihre eigenen Aussagen und Angaben ernst nimmt wohl für sich selbst auch, sind sie die völlig überbewerteten Grindcore-Kasper der Nation, die sowieso nur schlecht gespielten Lärm machen und über deren Witze niemand lachen kann. Für die anderen, und da schließe ich mich mal mit ein, sind die Hannoveraner eine willkommen bierselig spaßige Abwechslung für Partys und Festivals, zum manchmal doch etwas zu ernsten Metaller-Alltag, überspitzt formuliert. Und auch mit ihrem neuen, wieder einmal in Eigenregie veröffentlichten Werk „Ohne kostet extra“ sind die Grindcore-Superstars thrashig, witzig und wunderbar subversiv. Auf dem Cover prangt dick ein Sticker der „Stiftung Metaltest“ mit dem „Qualitätsurteil mangelhaft – Im Test: 24 weitere Kinderhörspiele“. Kann man blöd finden, oder auch einfach lustig.

Auch mit „Ohne kostet extra“ bieten die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS wieder jede Menge schräge Texte, bei welchen man sich tatsächlich fragt, wie und vor allem in welchem Geisteszustand man dazu kommt. Aber es passt einfach, wenn sie „Stumpfes Geballer vertreibt Kummer und Sorgen“ im Song „Humor von Gestern“ singen. Dabei gehen die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS nur selten unter die Gürtellinie, bieten ihre bekanntes Unterhaltungskonzept, eine mehr oder weniger ausgewogene Mischung aus Fun und Grindcore. Da werden diverse Freizeitaktivitäten oder der Konsum auf die Schippe genommen. Oder manch übertriebenem Klischee-Metaller der Spiegel vorgehalten wie „Metal im Blut“, mit herrlich pathetischem Chorrefrain und tollen Einspielern der Trompete. Sicher, manche Witze sind einfach nur flach, und im Grunde ist vieles auch wirklich einfach stumpfes Geballer. Aber es gibt da auch herrlich Plakatives, Groteskes zu entdecken.

Und was sonst? 16 Songs wirken auf den ersten Blick verdammt mager, sind wir doch Alben bis zu 99 Stücken gewohnt. So nehmen die neuen Stücke der EXCREMENTORY GRINDFUCKERS schon verhältnismäßig epische Ausmaße von bis zu 3 Minuten an. Zudem haben wir es auf „Ohne kostet extra“ mit durchgehend Eigenkompositionen zu tun, ein weiteres Novum im bisherigen Schaffen der Spaß-Grind-Barden. Dabei bedient die Band wieder einmal die stilistische Bandbreite von brachialem Grindcore über Extrem Metal bis hin zu Schlager, Punk, Pop, Ska, Volksmusik und Jazz, wobei „Ohne kostet extra“ im Gesamten etwas melodischer und, man verzeihe mir, tatsächlich auch ein kleines bisschen strukturierter und musikalischer wirkt. Aber keine Sorge, genügend geschmacklos, unharmonisch und unkommerziell ist das Geprügel schon noch. Erfreulicherweise schaffen dabei die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS tatsächlich das Kunststück, nicht ausgelutscht und eintönig zu klingen, im Gegensatz einer anderen Blödel-Band aus Franken. Mein persönliches Highlight ist „Schweinefleisch“ mit orientalisch anmutender Melodieführung. 

Wer das Konzept der EXCREMENTORY GRINDFUCKERS schon früher langweilig und doof fand, wird auch mit „Ohne kostet extra“ seine Probleme haben. Und wer mit den bisherigen Werken seinen Spaß hatte, wird das neue Album genial blöd und charmant-witzig zugleich finden. Prost!

14.07.2013

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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