Firtan
"Wir sind keine Hit-Band"

Interview

Gibt es irgendeinen Song, mit dem du dich selber überrascht hast oder der auf eine Art gestartet ist und dann im Verlauf ganz anders geworden ist?

Dadurch, dass ich nicht so lange an den Songs feile, ist es meist direkt eine relativ homogene Sache. Auch wenn die Songs oft sehr vertrackt und komplex sind, kommt das bei mir meist aus einem Guss. Nicht, wie manche uns manchmal vorwerfen, dass wir ein Riff-Potpourri oder so was machen.

Das ist tatsächlich so gedacht. Es kann jemandem gefallen oder nicht. Welchen Song ich jetzt ziemlich cool finde, auch live, ist der Titeltrack, der kommt ziemlich gut an. Ich hatte am Anfang ein bisschen Angst, dass er vielleicht ein bisschen zu schleppend ist, aber es passt gut, dass der so lange atmet und es dann einen Release gibt.

Eigentlich ist es nur ein Halftime-Beat, aber dadurch wirkt der Song richtig heavy. Und dann gibt es den Climax und am Ende noch einmal diesen richtigen Death-Metal-Part. Das geht voll auf und macht richtig Spaß.

Verändert sich deine Beziehung zu den Songs, wenn ihr sie live spielt?

Irgendwann hat man es dann auch gehört. Wenn ich auf die Setlist gucke und ich weiß, man spielt jetzt wieder irgendwas, das man immer spielt… „Wogen Der Trauer“ haben wir jetzt zum Beispiel auch mal von der Setlist genommen, auch wenn der immer wieder requested wird.

Das ist ein cooler Song, vor allem für die Zeit. Ich meine, wie jung war ich da? 18 oder so, da war ich ein anderer Mensch. Deswegen kann ich mich vielleicht nicht mehr so damit identifizieren.

Aber ich kann das schon nachvollziehen. Wenn ich zu einer Band gehe, die ich cool finde, und gerade das erste Album von der Band voll feiere und die spielen nur neues Zeug… Jetzt, wo ich auf der anderen Seite stehe, verstehe ich das total.

Wir versuchen natürlich immer auch ältere Songs zu spielen. Wir spielen zum Beispiel immer „Nacht Verweil“, das macht auch Spaß, aber ich würde den Song lieber irgendwann durch etwas anderes von „Okeanos“ oder selbst von „Niedergang“ austauschen. Dass wir mal einen anderen Song spielen, auch wenn der vielleicht nicht der Publikumsliebling ist.

Einfach, um unser altes Material zu wertschätzen, weil das ist, wo wir herkommen und dann nicht nur die „Hits“ zu spielen. Hits haben wir sowieso nicht. Wir sind keine Hitband, das weiß ich.

Ich komme noch einmal ein bisschen zum Inhalt zurück und zu den Themen, die ihr auf dem Album habt. Wie viel Recherche steckt in so einem Album? Hast du einen Backlog an Sachen, die dich grundsätzlich interessieren? Sortierst du manchmal Themen aus, wenn du denkst, du weißt noch nicht genug darüber?

Hier habe ich mir schon mehr Mühe gegeben. Im jugendlichen Leichtsinn hat man manchmal auch einfach Sachen angesprochen, von denen man eigentlich gar keine Ahnung hat. Das machen viele Metal-Bands, gerade dieses Pagan-Thema. Aber da haben wir schnell gemerkt, okay, da sind wir eigentlich gar nicht drin.

Das haftet uns natürlich immer noch an, auch wenn wir eigentlich mit Pagan-Musik gar nichts zu tun haben, weder thematisch noch musikalisch. Nur wenn man eine Geige hat, heißt es ja nicht, dass man Pagan macht. Aber dass es ein lyrisches Thema ist, verstehen die Leute manchmal nicht.

Jetzt habe ich schon recherchiert und auch zum Teil die Quelltexte wirklich gelesen. Ich weiß von vielen, die einfach auf Wikipedia gucken und dann denken, das ist ein cooles Thema. Dann schreiben die ein ganzes Album zu einem Thema, das die eigentlich gar nicht kennen.

Das Thema auf „Helios“ ist sowieso sehr allgemein gefasst. Ich brauche mich also nicht wahnsinnig gut mit der Mythologie per se auskennen, weil ich gar nicht wirklich in die Mythologie reingehe, ich benutze sie eigentlich als Werkzeug. Und genau das erklärt auch, warum das Album ein bisschen eklektisch ist.

Wenn du Musik schreibst, schreibst du sie eher für dich? Oder ist das auch ein Thema, das du in die Welt tragen möchtest?

Ja, absolut. Das ist bei „Helios“ vor allem der Fall. Bei der Musik möchte ich natürlich immer, dass sie Leute erreicht. Bei den Alben davor kann ich gar nicht so viel dazu sagen, weil ich da die Texte nicht geschrieben habe, aber gerade bei diesem Thema war es mir wichtig.

Vielleicht war das auch ein Grund, warum wir es auf Englisch machen wollten. Nicht, um kommerzieller anzuknüpfen, sondern einfach, damit es mehr Leute erreichen kann. Und ja, ich denke, es ist ein wichtiges Thema, das es in dieser Welt braucht.

Ich habe Leute in meinem Freundeskreis, die den ganzen Tag doomscrollen und sich dann über dies und das aufregen und sich so richtig in Sachen reinsteigern. Du kannst sowieso nur begrenzt viel daran ändern. Schau auch ein bisschen auf dich selbst. Wenn jeder an sich ein bisschen arbeitet, dann macht das die Welt auch ein Stück weit besser.

Das ist alles, was ich damit ausdrücken möchte. Ich sage nicht, dass jeder hier der neue Buddha sein muss, Erleuchtung ist auch nur so ein Platzhalterwort.

Galerie mit 22 Bildern: Firtan – Zerfall Tour 2026

Seiten in diesem Artikel

1234
18.10.2026

"Es ist gut, aber es gefällt mir nicht." - Johann Wolfgang von Goethe

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 38831 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Off Topic
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Kommentare