
Firtan
"Wir sind keine Hit-Band"
Interview
Ich komme noch mal ein bisschen zum Album zurück. Wie schreibst du denn die Songs? Wie früh stand die Reihenfolge fest? Man kann auf „Helios“ ja eine Reise erkennen, von Anfang bis Ende.
Das ist auch so gedacht, ja. Die Songs werden meistens relativ isoliert geschrieben. Chris, unser anderer Gitarrist, hat auch drei Songs dazu beigesteuert. Ich habe ihm gesagt, in welche Richtung das textlich soll und wo in der Tracklist ich mir seine Songs vorstellen könnte.
Ich hatte meine Texte schon alle geschrieben und deswegen wusste ich, was noch fehlt, aber ich wollte, dass er für seine Songs selbst die Texte schreibt, weil er das dann besser anpassen kann, wie er das auch fühlt. Ich will nicht zu viel vorgeben und am Ende sagt er dann: „Das ist gar nicht meine Vision.“
Ich habe es schon noch ein bisschen mit meinem Timing moduliert, klar, aber wie wir die Songs generell schreiben, ist relativ basic. Zu Hause vor dem Rechner auf der Gitarre rumklimpern und dann einfach drauf los – und das auch direkt recorden mittlerweile.
Früher habe ich das wirklich noch mit Tabulatur-Programm gemacht und alles sortiert. Mittlerweile nehme ich es einfach direkt auf und schicke es weiter. Dann arbeitet David das Schlagzeug aus und dann treffen wir uns meistens noch mal für das Feintuning.
Wie dann die Tracks zusammenkommen, entscheide ich auch relativ spät. Diesmal war es früh klar, weil ich wusste, welche Texte ich für welche Songs will und ich wusste, was ich damit aussagen will.
Bei Davids Sachen wusste ich nie so genau, wie er das in den Zusammenhang bringen wollte, aber er hat eigentlich immer gemeint: „Nein, die Texte stehen so für sich.“ Die anderen Alben sind nicht so starke Konzeptalben, auch wenn ich das eigentlich mag. „Niedergang“ war damals eigentlich auch ein Konzeptalbum und da habe ich auch Texte geschrieben.
Das ist natürlich textlich eine ganz andere Qualität, aber da waren wir eben noch jung.
Chris schreibt dementsprechend seine Songs auch zu Hause. Das einzige Album, bei dem wir wirklich stark zusammen komponiert haben, war „Marter“. Das war während der Corona-Zeit und kurz davor haben wir uns tatsächlich glücklicherweise noch getroffen. Er war dann eine oder zwei Wochen bei mir und da haben wir wirklich viele von seinen Ideen mit meinen verknüpft.
Das haben wir wirklich damals in meinem WG-Zimmer gemacht und dann ist das Album entstanden. Dadurch hat es vielleicht auch noch einmal einen ganz anderen Vibe als die anderen Alben, weil es mehr ein Mischmasch aus beiden Ideen ist. Jetzt sind seine Songs so für sich.
Ich finde, man hört direkt, was von mir kommt und was von ihm. Aber da habe ich vielleicht auch einen Bias.
Ihr habt mit „Shadows Of A Day Unborn“ auch einen Akustik-Song auf dem Album.
Genau. Eigentlich hatten wir immer Akustik-Songs, aber jetzt richtig mit Gesang.
Findest du es leichter oder schwerer, ruhige Musik zu schreiben oder umzusetzen? Fühlt es sich anders an?
Es war sehr losgelöst vom FIRTAN-Songwriting, weil es gar nicht dafür gedacht war. „Shadows Of A Day Unborn“ habe ich für mich selber geschrieben. Dann habe ich gedacht: Das ist jetzt auch schade, es einfach in der Schublade zu lassen.
Aber das kam sehr spontan. Ein, zwei Stunden habe ich mich mal mit der Akustik-Gitarre hingesetzt und es kam einfach raus. Ich dachte: Warum nicht mal so etwas machen? AGALLOCH machen ja auch oft solche Sachen. Vielleicht nicht ganz so theatralisch, sondern eher atmosphärisch, aber so war es anfangs auch gedacht. Ich hatte sogar mal überlegt, ein kleines Neo-Folk-Projekt oder sowas in der Art zu machen.
Aber ja, „Shadows Of A Day Unborn“ ist relativ natürlich entstanden. Wenn ich anfange zu struggeln, dann lasse ich es lieber, dafür bin ich zu faul. Da gibt es noch genug Sachen auf dem Harddrive, Riffs oder Ideen, die ich habe. Da würde ich eher noch auf die zurückgreifen und daraus was machen.
Gräbst du die manchmal noch aus oder kommen die irgendwann auf den Friedhof?
Selten. Ich habe noch ganze Songs, die wären wahrscheinlich sogar cool, aber irgendwann ist das dann Vergangenheit.
Gibt es irgendwas, das ihr musikalisch noch ausprobieren wollt? Irgendwas, das sich bisher noch nicht ergeben hat, aber auf deiner Bucketlist ist?
Das ist eine schwierige Frage, weil ich jetzt gar nicht mehr in diesem kreativen Flow bin. Ich bin da jetzt wieder ein bisschen raus, das wird sich dann zeigen. Ich bin immer offen für neue Sachen. Manchmal passiert das auch spontan. Ich sehe zum Beispiel irgendein Instrument im Studio und dann sagt Markus Stock: „Das hat letzte Woche Band XY hier stehen lassen, das können wir benutzen“ – und dann machen wir das.
Aber meistens denke ich mir: Es wird, was es wird. Ich gehe da nicht mit einer Vision ran. Die Vision entwickelt sich, wenn ich die ersten paar Riffs oder sogar Songs habe.
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| Band | |
|---|---|
| Stile | Black Metal |
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