Funeral
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Interview

Gerade im Doom Metal Bereich gibt es viele Bands, welche gerne mal vor sich hin jammern, über die schlimme Welt, verlorene Liebe, eingegangene Blumen. Eine Gruppe, welche hierzu allen Grund hätte, sind die Norweger FUNERAL. Die Schicksalsgeplagte Band musste nicht nur immer wieder mit dem frühzeitigen Fortgang ihrer Sängerinnen kämpfen, sondern gleich zwei Mitglieder starben einen verfrühten Tod. Dass die Gruppe dennoch, trotz der ganzen Tiefschläge weitermacht, ist umso höher zu schätzen. Mit ihrem aktuellen, sehr intensiven und ergreifendem Werk "From These Wounds" konnten mich FUNERAL gleich begeistern, Drummer Anders Eek gab bereitwillig Auskunft.

FuneralHi Anders! Wie waren denn bisher die Reaktionen auf euer tolles, neues Album „From These Wounds“?

Vielen Dank für deine netten Worte! Sowohl in der norwegischen, als auch in der internationalen Presse sind die Reaktionen bisher überwältigend!

Natürlich besteht da ein großer Unterschied mittlerweile in eurer Musik, eure Sängerin Hanne Hukkelberg ist nicht mehr bei FUNERAL, dafür habt ihr in Frode Forsmo von MINAS TIRITH einen neuen Sänger gefunden. Was waren die Gründe für den Wechsel am Gesang und worin siehst du selbst noch die Unterschiede zwischen „From These Wounds“ und euren älteren Platte?

Nun, alle unsere bisherigen Sängerinnen entschlossen sich nach einiger Zeit dazu, aus der Band wieder auszusteigen. Ich wurde müde, es waren einfach immer die gleichen Probleme. Ich bin ein Fan von MINAS TIRITH seit 1989, und ich dachte, dass Frode mit seinem exzentrischen Gesang perfekt zu FUNERAL passen würde. Daneben herrscht eigentlich immer noch das gleiche Feeling in den Songs wie auch bei den alten Alben. Wir setzen nun bei „From These Wounds“ mehr Keyboards ein, und wir haben eben nun einen männlichen Sänger. Einige der Songs sind vielleicht auch mehr Uptempo. Natürlich ist die Produktion dieses Mal ausgezeichnet und kein Vergleich zu früher, was wir dem exzellenten Studio und der Arbei unseres Gitarristen Kjetil Ottersen verdanken.

Daneben habt ihr ja auch noch euer erstes Video vor kurzem zu dem Song „This Barren Skin“ unter der Leitung von Marcel Lelienhof gefilmt. Was gab den Ausschlag, gerade dieses Stück zu wählen und was kannst du uns über das Video erzählen?

Wir wollten eigentlich anfangs das Video zu einem anderen Song, nämlich „Vagrant God“ drehen, aber unser Label überredete uns dazu, stattdessen „This Barren Skin“ zu verwenden. Ich glaube, es ist vielleicht das eingängigste Stück des Albums, auch wenn es richtige Funeral Doom Parts in sich trägt. Unser Label glaubt, wir erreichen damit mehr Fans, und nicht nur die Doom Jünger.

Das Filmen des Videos bereitete sehr viel Spaß. Wir verbrachten einen Tag in den Wäldern. Das Konzept zum Video erarbeiteten wir zusammen mit Marcel Lelienhof. Ich bin der Meinung, dass es uns sehr gut gelungen ist, ein wenig „Un-Metal“ auf gewisse Weise, es sticht etwas heraus.

Bitte gehe ein wenig auf die Texte von „From These Wounds“ ein!

Die Texte stammen aus der Feder unseres Sängers Frode sowie von Gitarrist Kjetil. Sie beinhalten sämtliche Facetten des Schicksals und der Traurigkeit, beides aus intellektueller und sozialer Sicht. Der Titel ist aus einem Gedicht von Einar Fredriksen entnommen. Ich wollte, dass der Titel das Album als Ganzes repräsentiert. Es wurde durch viel Schmerz komponiert.

Und wie werden bei FUNERAL neue Songs geschrieben?

Hauptsächlich schreibt jeder individuell seine Stücke zu Hause, in den Proben kommen dann die anderen dazu mit Ideen für eventuelle Veränderungen. Danach komponiert Kjetil seine Keyboardpassagen. Dieses Mal kümmerte sich Frode komplett alleine um den Gesang, es gab lediglich minimale Änderungen. Er ist ein Zauberer, wenn es darum geht, Gesangsharmonien zu komponieren.

Wie war die Release-Party am 18. Dezember im Månefisken in Oslo?

Es war eine nette Geste von unserem Label. Wir spielten fünf Songs unseres neuen Albums, daneben gab es noch die Premiere unseres Videos. Als Support hatten wir LUMSK, eine großartige Band!

Ihr hattet ja einige Probleme in eurer Vergangenheit mit den Sängerinnen. Was kannst du uns hierüber berichten?

Das ist ein ermüdendes Kapitel. Wie ich bereits erwähnte, entschieden sie sich alle nach kurzer Zeit, wieder aus FUNERAL auszusteigen und kümmerten sich um ihre Jazz-Karriere oder was auch immer. Es scheint fast so, als ob es keine Sängerinnen gibt, die wirklich im Doom sind, ausgenommen natürlich Cedilie, unseres ausgezeichnete Sängerin unseres Sideprojektes FALLEN.

Ich habe gehört, dass du dich auch stark für Geschichte interessierst, und hier insbesondere für das Dritte Reich. Bitte erzähle uns ein wenig von deinem Hobby und wie du dieses auslebst!

Die Geschichte des zweiten Weltkriegs ist ein großer Teil von mir, seit ich ein kleines Kind war. Viele Mitglieder meiner Familie waren stark im Widerstand während des Krieges involviert, und ich habe dadurch natürlich viele ihrer Geschichten erzählt bekommen. Ich bin auch ein wenig ein Amateurhistoriker und lese viel über die dunklen Kapitel der Menschheit. Vor einigen Jahren erhielt ich einige Sachen aus dem Dritten Reich, von welchen es in Norwegen natürlich recht wenige gibt. Ich entschloss mich nach einer Weile dazu, dass es wirklich cool wäre, solche Gegenstände zu sammeln, da sie sehr rar und teuer sind. Deshalb sammle ich auch keine englischen oder amerikanischen Dinge. Der Wert ist von großer Bedeutung. Ich finde es auch sehr wichtig für zukünftige Generationen, dass wir soviel wie möglich an Beweismaterialien dieser Ära sammeln, damit wir verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt.

Kommen wir nun auf die dunkelsten und traurigsten Kapitel von FUNERAL zu sprechen. Leider habt ihr bereits zwei Bandmitglieder verloren: Gitarrist Christian Loos starb am 28. Oktober 2006 und Bassist Einar Andre Fredriksen schied am 10. Januar 2003 aus dieser Welt. Nun, da ja ein wenig Zeit verstrichen ist, wie sind deine Gefühle darüber und was hält die Flamme weiterhin am Brennen?

Nun, das Leben wird für mich nie mehr das gleiche sein. Diese beiden Jungs waren wie Brüder für mich, und jeder, der ebenfalls schon zwei Brüder verloren hat wird wissen, was für eine Hölle das war. Ich fürchte aber, dass die Flamme lediglich noch vage brennt.

Gibt es etwas neues von eurem Sideprojekt FALLEN zu berichten?

Wir haben viel an neuem Material, um die 140 Minuten Musik, in Kjetil’s Vektor Studios aufgenommen. Dort entstanden ja auch die letzten FUNERAL und FALLEN Alben. Derzeit befinden wir uns mit verschiedenen Label in Verhandlungen bezüglich der Veröffentlichungen. Hoffentlich können wir eine Doppel-Cd und eine einfache CD rausbringen. Wir sind also sehr beschäftigt. Die neuen Songs sind auch eine Spur heavier und dunkler als die vorherigen, eine perfekte Mischung zwischen extremen Doom und klassischer Musik, und die Produktion zerstört alles!!! Das ist meine Vision, eine extreme Doom-Metal-Band aus meiner Lieblingsband aller Zeiten DEAD CAN DANCE zu erschaffen. Den Gesang teilen sich Kjetil und Cecilie, daneben wird es noch einen Gastauftritt von Damon der mächtigen MOURNFUL CONGREGATION geben.

Sind die Mitglieder von FUNERAL noch in weitere Bands/Projekte involviert?

Kjetil und ich sind in FALLEN. Kjetil hat auch noch ein Industrial/Noise Projekt, sowie ein akustisches Soloprojekt namens ERGO SUM. Frode hat MINAS TIRITH, und unser neuer Gitarrist Mats Lerberg spielt Gitarre und singt bei SILENT VANQUISH. Sehr talentierte Jungs!

FUNERAL wurden ja 1991 in Norwegen gegründet. Gerade in dieser Zeit befand sich die dortige Black Metal Szene im Aufbruch, zig Bands veröffentlichten ihre ersten Platten, Kirchen brannten und die Mainstreampresse hatte ein neues Feindbild. Wie habt ihr es geschafft, euch aus all dem Wirbel um den Black Metal und dieser Szene herauszuhalten und euch in vollkommen anderer Weise auszudrücken, ultra langsame, trauervolle Musik zu spielen, während die Black-Metal-Bands in weit wütendere und bösen musikalischen Klangwelten loslegten?

Ich war niemals Teil irgendeiner Bewegung. Ich blieb mir stets selbst gegenüber ehrlich und startete die Doom Geschichte, etwas, mit was ich mich immer beschäftigt hatte. Allerdings war ich auch Schlagzeuger in zwei Black-Metal-Bands, MYRKSKOG und ODIUM, das aber nur, um die Chance zu ergreifen, mich am Schlagzeug weiter zu entwickeln und zu verbessern, und natürlich ein wenig Spaß mit etwas total anderem zu haben, als wir mit FUNERAL spielten.

Gerade aus Norwegen kommen ja, soweit ich zumindest informiert bin, nicht allzu viele Doom-Metal-Bands. Gibt es denn in Norwegen eine große Szene für diese Art von Musik?

Ich glaube nicht. Wie ich schon anmerkte war ich nie wirklich Teil irgendeiner Underground Bewegung, daher bin ich mir auch nicht wirklich sicher. Aber natürlich gab es da THE 3rd AND THE MORTAL Mitte der Neunziger…

Und welche Doom-Metal-Bands ziehst du dir heutzutage so rein?

Ich muß MOURNFUL CONGREGATION aus Australien nennen, wir sind Freunde seit vielen Jahren, die blasen einen wirklich weg! Ich entdecke allerdings auch recht wenige neue Bands mittlerweile. Ich weiß nicht, ob WOLFMOTHER als Doom bezeichnet werden, aber sie sind eine sehr intensive Band!

Diese Frage muß einfach kommen: Gibt es irgendeine Chance, dass ihr mal nach Deutschland auf Tour oder für Einzelauftritte kommt?

Ich hoffe es wirklich, aber das hängt von unserem Label ab. Ich habe verschiedene Freunde in Deutschland, sie leben in Berlin und Düsseldorf. Es würde uns sehr gefallen, für euch zu spielen.

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Danke für die Unterstützung, eine Band wie FUNERAL könnte ohne diese nicht existieren.

21.01.2007

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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