Ferris MC
Das Feeling zählt

Interview

Mit seinem neuen Album „Wahrscheinlich nie wieder vielleicht“ schlägt FERRIS MC möglicherweise ein neues Kapitel in seiner Karriere auf. Unzufrieden mit seinen letzten Rap-Alben versucht sich Sascha Reimann nun im Rock und schlägt sich dabei für den ersten Gehversuch in voller Länge gar nicht übel. Daher haben wir uns ihn zur Brust genommen und ihn über die Idee hinter diesem Schritt sowie über die Rap-Szene und das Feeling, das übermittelt werden soll.

Wir sprachen mit FERRIS MC darüber, warum er ausgerechnet jetzt ein Rock-Album veröffentlicht

Klar, das ist schon irgendwie mutig gewesen und viele haben mich davor gewarnt. Letzten Endes lebt der Rock ja auch durch seine Attitüde. Aber ich denke man sollte immer das tun, was man selbst will und wonach man sich fühlt. Und ich steh‘ einfach darauf, nicht wie die anderen zu sein. Mein Ziel war es, dieses Gefühl auf Platte zu bannen. Natürlich möchte ich auch etwas damit verdienen, aber im Vordergrund steht mein Wunsch, mit auszudrücken.

… darüber, ob sich dieser Umbruch in seinem Schaffen seit längerem angekündigt hat

Im Grunde hatte ich schon immer eine Schwäche für den Rock gehabt. Und an Crossover-Projekten habe ich ebenfalls schon mitgewirkt. Letzten Endes ist „Wahrscheinlich nie wieder vielleicht“ auch so ein Album, es steckt einfach alles drin, es ist nicht szenemäßig. Ich wollte meine rockige Ader einfach mal ausleben. Ich habe mich einfach freier gefühlt wie lange nicht mehr, als ich dieses Album eingespielt habe – und damit glücklicher.

Es war schließlich nur der „alte“ FERRIS MC, der versucht hat, sich auf „Glück ohne Scherben“ selbst zu finden, und der auf „Asilant“ gegen alles und jeden wettern musste. Aber im nachhinein betrachtet erkenne ich mich auf diesen Platten selbst nicht wieder. Das bin einfach nicht ich, der darauf zu hören war. Und daher hatte es keinen Sinn für mich, so weiter zu machen, sodass ich letzten Endes mit MADSEN zusammen fand, um dieses Album im Studio auszuarbeiten.

… über seine Vertrautheit mit der Materie

Ich bin ja auch ein Fan von den alten SKID ROW- und PANTERA-Sachen. Auf dem Album habe ich eine Menge Einflüsse der 90er mit einfließen lassen, sodass es eine Mixtur aus Grunge, Punk, Pop und Metal geworden ist. Auch Balladen durften nicht fehlen, ebensowenig wie die sozialkritischeren Cuts.

Und im Idealfall springt der Funke über und beim Hörer entsteht das gleiche Feeling, dass wir bei den Aufnahmen verspürt haben. Sicher, man möchte auch Zahlen sehen, immerhin haben die Aufnahmen Geld gekostet. Aber das war es uns wert, denn wir möchten, dass die Hörer die Reise mit uns mitgehen.

… über seinen Stilwechsel und die Entwicklung des Rap

Natürlich habe ich die alten Punk-Klassiker ins Herz geschlossen. DIE TOTEN HOSEN, DIE ÄRZTE, ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN, DIMPLE MINDS haben einen großen Einfluss auf mich genommen, um nur ein paar zu nennen. Aber auch die BEASTIE BOYS haben mich schon immer begleitet.

Aber mit dem Detuschrap ist es derzeit so, dass er ein bisschen… fest steckt. Er recyclet die immer gleichen Themen, ahmt im Grunde nur noch die US-amerikanischen Vorbilder nach und hat sich mehr und mehr zu einem Geschäftsmodell entwickelt, bei dem es weniger um die Rap-Community und mehr eben ums Geschäft geht.  Aber die Zeiten ändern sich. Was für die Kinder früher die Boybands waren, ist heute für sie der Deutschrap. Klar, dass man sich da eine goldene Nase verdienen kann.

… darüber, wie persönlich „Wahrscheinlich nie wieder vielleicht“ geworden ist

Für die Texte habe ich tief gegraben. Ich hatte ja irgendwie immer diese Außenseiterrolle inne, war ja dieser Underdog. Das ist nicht nur im Rap so gewesen, das haftet mit praktisch seit der Geburt an. Und das wollte ich zum Ausdruck bringen, meine Gefühlslage in den Texten einfangen.

Ich versuche für mich das Gefühl der Wertschätzung für das Handwerk der Musik und die Leidenschaft dafür aufrecht zu erhalten. Und gleichzeitig möchte ich das Feeling herüberbringen, dass bei den Aufnahmen bei uns geherrscht hat. Das Gefühl, wenn aus Leid Kraft wird, wenn du zeigst, was für ein unkaputtbares Stehaufmännchen du bist – dieses Gefühl soll transportiert werden.

10.03.2019

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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