Fit For An Autopsy
Interview mit Will Putney zu "Oh What The Future Holds"

Interview

FIT FOR AN AUTOPSY sind in den letzten zehn Jahren vom gefeierten Aufsteiger zu einer der bekanntesten neuen Bands im Deathcore aufgestiegen. Zurecht! Produktion, aber auch Kompositionsweise von Hauptsongwriter Will Putney zusammen mit der Entscheidung, drei Gitarristen zu haben, bringen sie aus dem Pool an gleich klingenden Bands hervor. Wie Will ans neue Album „Oh What The Future Holds“ heran gegangen ist, woher eigentlich der Bandname kommt und was die wichtigste Lehre aus seinem bisherigen Musikerdasein ist, erfahrt ihr im Interview!

Fit For An Autopsy - FFAA-bandphoto-2021

metal.de: Hey Will, lass uns auch gleich schon einsteigen: Gratulation zum neuen Album „Oh What The Future Holds“, ich denke es ist euer bislang bestes Material, es ist auf der einen Seite wesentlich songfokussierter, aber das Experimentieren im kleinen Rahmen, das ihr gerade auf den Vorgängern wie „The Great Collapse“ oder auch „The Sea Of Tragic Beasts“ schon angefangen habt, sticht dieses mal auch wieder besonders hervor. Was würdest du sagen habt ihr dieses mal anders gemacht?

Will Putney (FFA): Puhh, schwere Frage, ich glaube wir haben uns eher so gut es geht davon ferngehalten darüber nachzudenken, was gut für die alten Alben funktioniert hat. Ich glaube wir sind ganz natürlich einfach offen dafür, zu experimentieren, und einfach mit der Band zu schauen, was funktioniert und was nicht.

Ich bin im Allgemeinen davon beeinflusst, was ich während der jeweiligen Schreibephase sonst so höre, konsumiere, fühle, erlebe. Ich glaube die Vielfalt auf dem neuen Album spiegelt auch einfach ein wenig das wieder, was wir während der Entstehung selber konsumiert haben oder gefühlt haben. Beim neuen Album habe ich mehr Songs geschrieben, als ich jemals bislang für ein Album geschrieben habe. Es gab also auch mehr Material zur Auswahl.

Mit der Pandemie hatten wir natürlich auch mehr Zeit als sonst um zu schreiben. Ich konnte viele verschiedene Ansätze ausprobieren, wozu ich vorher vielleicht nicht die Zeit gehabt hätte. In dem Sinne hatte ich beim Schreiben des neuen Albums mehr Spaß denke ich, da die Songs ein paar Wendungen nahmen, die wir sonst so noch nicht hatten. Es ist natürlich immer noch FIT FOR AN AUTOPSY, aber mit ein paar kleinen Neuerungen, die für die Band eher ungewöhnlich sind.

metal.de: Ja, ich denke, die Melodien und ungewöhnliche Herangehensweise sind das, was FIT FOR AN AUTOPSY von vielen anderen Deathcore oder modernen Death-Metal-Bands abhebt, gerade auf dem neuen Album. Denkst du als Producer hast du den „Sound“ von FIT FOR AN AUTOPSY bereits gefunden oder ist das noch etwas, nachdem du suchst und aktiv drauf hin arbeitest? Für mich gibt es schon einen gewissen „Signature-Sound“ bei FIT FOR AN AUTOPSY nach meinem Empfinden.

Will: Nein, nicht wirklich. Ich finde es gibt noch keinen richtigen „Signature-Sound“ für FIT FOR AN AUTOPSY, ich experimentiere immer noch mit verschiedenen Instrumenten, Techniken und so weiter. Natürlich kommt das meiste aus meinem Kopf und da ich ja auch für die Produktion zuständig bin, wird es immer in eine gewisse Richtung soundtechnisch ausschlagen, wahrscheinlich einfach weil ich mag wie es klingt, aber wir haben definitiv kein Pre-Set oder so im Kopf wenn wir an einem neuen Album arbeiten. Ich glaube das Resultat liegt einfach an mir, da ich so oft an derselben Stelle herauskomme, produktionstechnisch gesprochen (lacht).

metal.de: Ok, das ist interessant, hätte ich nicht gedacht. Ich glaube das Gefühl des „Signature-Sounds“ würde ich unter anderem vielleicht auf den Drumsound beziehen, es mag nicht exakt derselbe sein, aber er hört sich ähnlich genug an, sodass ich meist einen Song schon nach wenigen Sekunden allein am Drumsound zweifelsfrei der Band zuordnen könnte.

Will: Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir probieren, genau den so „real“ wie möglich zu halten, heißt möglichst wenig Editing, Overdubs, Equalizer und so weiter. Im modernen Metal gibt es die Tendenz, sehr viel mit Sample-Replacement und ähnlichem zu arbeiten, was letzten Endes vielleicht ein wenig „künstlicher“ klingt? Wir probieren das so gut es geht zu vermeiden. Deshalb führt es vielleicht dazu, dass es sich für Leute wie dich nach einem sehr speziellen, distinktiven Sound anhört, da das heute so selten geworden ist in unserem Genre.

metal.de: Ist das eine Philosophie, die du auch etwa auf die Gitarren beziehen würdest? Heute gibt es ja auch die Tendenz, viel auf Emulationstechniken, Kemper, AxeFx und so weiter zu setzen, weniger auf richtige Amps, was natürlich auch wesentlich einfacher und praktischer, gerade live, ist.

Will: Nein, ich denke nicht. Ich habe keine Angst davor, damit zu arbeiten um ein Album „fetter“ klingen zu lassen. Ich glaube nur, dass wir probieren in erster Linie gute Performances zu bekommen, damit wir nicht so viel Editing, Samples und so weiter nutzen müssen. Das sollte der Fokus sein. Aber ich verurteile das auch nicht. Wenn ich Gitarren angehe ist es anders, da ich da durchaus Layers, Editing und so weiter nutze, je nachdem wie der Song aufgebaut ist, was vielleicht dafür nötig ist. Es liegt also auch daran, was gefragt ist für den jeweiligen Song.

metal.de: Ihr seid schon seit einiger Zeit mit drei Gitarristen unterwegs, weshalb habt ihr euch damals dafür entschieden?

Will: Wir waren schon immer ein 5-Piece, aber vor ein paar Jahren kam ich an einen Scheideweg wo mir bewusst wurde, dass ich vielleicht nicht ständig touren könnte und sich meine Karriere verschiebt, hin mehr zum reinen Produzieren, also war die Lösung ein weiterer Live-Gitarrist, damit die Band weiter touren konnte. Es wurde für mich immer schwieriger live zu spielen und die Studioarbeit zu balancieren, also hab ich mich dann irgendwann gegen das Touren entschieden. Damit man nicht ständig zwischen Live-Gitarristen switchen musste, wollten wir ein neues Vollzeit-Mitglied haben.

metal.de: Hat das damals dann zu Konflikten im Tourplan geführt, dass ihr euch nun für diese Lösung entschieden habt?

Will: Ja auch, Produzent zu sein ist mein Traumjob und es war mir einfach klar, dass das der Karrierepfad war, den ich ergreifen wollte und ich kann nicht beides zusammen gut machen. Ich habe probiert bei Touren Dinge umzulegen, aber es hat alles darunter gelitten und an einem gewissen Punkt habe ich mich dann dafür entschieden, jemand neues dazu zu holen und mich ganz aufs Produzieren zu konzentrieren.

Galerie mit 21 Bildern: Fit For An Autopsy - Human Target EU/UK Tour 2020 in Berlin

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Quelle: Will Putney, Skype
14.01.2022

Dienst: Freier Redakteur | Farbe: Wie auf dem Bild | Geruch: Geheimnisvoll duftend. | Warnhinweise: Bitte nicht essen. Kann ungiftig sein. |

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