Fit For An Autopsy - The Sea Of Tragic Beasts

Review

Soundcheck Oktober 2019# 13 Galerie mit 17 Bildern: Fit For An Autopsy auf dem Summer Breeze Open Air 2017

Zugegeben, die 10/10 der geschätzten Ex-Kollegin Schmidt für das letzte FIT FOR AN AUTOPSY-Album „The Great Collapse“ mag etwas hoch gegriffen gewesen sein. Dennoch lässt sich kaum bestreiten, dass das Sextett aus New Jersey, USA, mit seinen letzten Alben eine immense Schritt-für-Schritt-Steigerung hingelegt hat. So ist es folgerichtig, dass es im metal.de-Katalog für die Alben seit „Hellbound“ jeweils einen Punkt mehr als für den Vorgänger gab. Das Problem daran ist nur, dass die Reise für FIT FOR AN AUTOPSY mit „The Great Collapse“ noch nicht endete – und so legen die Herren Will Putney und Co. anno 2019 mit „The Sea Of Tragic Beasts“ nochmal einen drauf.

FIT FOR AN AUTOPSY liefern (noch ein) Mehr

Das in Punkten auszudrücken, ist sowieso müßig, aber in Zeiten des Internets wohl obligatorisch. Und doch sei so viel vorweg gesagt: „The Sea Of Tragic Beasts“ ist kein zu hundert Prozent perfektes Album, weshalb unter diesem Text keine 10/10er-Wertung stehen wird. Trotzdem ist FIT FOR AN AUTOPSYs neues, viertes Studioalbum (die 2009er-EP „Hell On Earth“ sowie die 2016er-Split „The Depression Sessions“ mit THY ART IS MURDER und THE ACACIA STRAIN nicht mitgezählt) im direkten Vergleich mit „The Great Collapse“ nochmal ein Mehr.

Wie genau dieses „Mehr“ aussieht, ist nicht einfach greifbar. Aber FIT FOR AN AUTOPSY zeigen sich auf „The Sea Of Tragic Beasts“ noch ein Stück vielschichtiger, eingängiger und atmosphärischer, ohne dabei ihre Deathcore-Wurzeln zu verleugnen. Im Gegenteil: Es gibt keinen Song auf dem Album, in dem es keine heftigen, wuchtigen Deathcore-Parts gibt. „The Sea Of Tragic Beasts“ sollte also sowohl diejenigen zufriedenstellen, die von der Band jene Entwicklung erwarten, die sie seit spätestens „Absolute Hope Absolute Hell“ (2015) forciert, als auch jene Fans, die von einer Band wie dieser wuchtige Breakdowns und harte Riffs hören wollen.

„The Sea Of Tragic Beasts“ ist auf viele Arten besonders …

Aber es findet sich auf dem Album auch kein Song, der sich nicht in irgendeiner Weise vom Genre-Standard abhebt und damit auf seine Art speziell klingt. Meist realisiert sich das in Refrains, in denen Leadsänger Joe Badolato seine harschen Screams und Growls mit den hohen Clean Vocals von Rhythmusgitarrist Pat Sheridan zusammenführt. Diese Herangehensweise ist schon aus einigen Songs von den vorherigen Alben bekannt, auf „The Sea Of Tragic Beasts“ treiben FIT FOR AN AUTOPSY das Prinzip aber auf die Spitze und perfektionieren es … geradezu wie im Vorbeigehen.

Doch das ist noch nicht alles, denn das Album sticht auch auf instrumenteller Seite hervor. Schon die Tatsache, dass die Band seit 2013 mit drei Gitarristen (Will Putney und Tim Howley an den Lead-, Pat Sheridan an der Rhythmusgitarre) unterwegs ist, öffnet Möglichkeiten für das Songwriting, die FIT FOR AN AUTOPSY heuer völlig ausschöpfen. Da paaren sich in „No Man Is Without Fear“ brutale Breakdowns mit melodischen Doppel-Leadgitarren, wodurch der Eindruck einer Melo-Death-Band auf Steroiden entsteht. In der Single-Auskopplung „Mirrors“ (dazu gibt es übrigens ein grandioses Musikvideo) spielen die drei Gitarristen eine Mischung aus doomigen, fast Black-Metal-artigen Leads und mit einer Menge Hall versehenen, Post-Rock-mäßigen Gitarren unter einem dezent aus dem Djent entliehenen Rhythmus. Und in „Mourn“ entsteht durch das Zusammenspiel der Gitarren ein rhythmisch komplexes Feeling, das beinahe an mittelalte GOJIRA erinnert.

… und dabei überaus emotional.

Am Wichtigsten ist aber: FIT FOR AN AUTOPSY haben ein Album voller emotionaler Höhepunkte geschrieben. Kein einziger Song auf „The Sea Of Tragic Beasts“ rauscht durch, kein einziger Song hat nicht den einen Moment, der Gänsehaut auf die Arme und Gefühle in die Bauchregion treibt. Exemplarisch sei „Your Pain Is Mine“ genannt, das sowieso einen wunderbaren, hochgradig emotionalen Refrain hat, im Mittelteil aber noch einen drauflegt. Da steigert sich der Song auf wahnwitzige Weise zu einem harten Breakdown, zurück in einen ruhigen Part und anschließend in eine Klimax sondergleichen, in der Joe Badolato mit seiner Stimme direkt unter die Haut fährt. Wie gesagt: „exemplarisch“. Jeder Song auf dem Album hat seine speziellen Momente. Genauso könnten hier auch „Mirrors“, „Mourn“ oder „Birds Of Prey“ als Beispiele stehen.

Nein, auch wenn „The Sea Of Tragic Beasts“ kein Meilenstein der Metalszene im Sinne von „Master Of Puppets“ oder „Reign In Blood“ sein mag, weshalb unter dieser Review keine Zehner-Wertung steht, gelingt FIT FOR AN AUTOPSY das Kunststück, sich nach dem ohnehin grandiosen „The Great Collapse“ nochmal zu steigern: nochmal größer, nochmal emotionaler, nochmal atmosphärischer, nochmal eigenständiger. Wer reinen Deathcore will, der mag zwar vielleicht die Entwicklung der Band verfluchen, sollte aber eigentlich sowieso wissen, dass FIT FOR AN AUTOPSY nicht mehr die Band sind, die er sucht. Alle anderen bekommen ein wahnsinnig intensives, atmosphärisches und emotionales Album, das trotzdem Wucht und Härte zu bieten hat. Ein Album, das so klingt wie kein anderes und sich die neun Punkte redlich verdient hat. Man darf gespannt sein, wohin sich FIT FOR AN AUTOPSY noch entwickeln.

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18.10.2019

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2 Kommentare zu Fit For An Autopsy - The Sea Of Tragic Beasts

  1. nili68 sagt:

    Was es auf Youtube zu hören gibt, ist tatsäclich garnicht übel, trotz des Labels und wenn alles so ist, könnte man einen Kauf durchaus in Erwägung ziehen..

  2. Schraluk sagt:

    Hmmm. Eigentlich würde es nicht viel zu meckern geben, wäre dies das Debut der Band gewesen. Ist es aber nicht. ‚The Sea Of Tragic Beasts‘ erinnert mich doch sehr stark an ‚The Great Collapse‘. Erkennungswert top, aber immer auf die selben Strukturen, das selbe Riffing und Breaks zu setzen ist meiner Meinung nach das größte Problem dieser ganzen Metalcore Bands. Zwar ist das neue Album noch einen Ticken glatter, ein wenig melodiöser, aber alles in allem kann man da nicht mehr als 6 Punkte geben. Dann höre ich mir doch lieber mal wieder alte ‚Remembering Never‘ Scheiben an.

    6/10