Monkey3
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Interview

MONKEY 3 spielen trippige Musik, die den Verstand auf eine wunderbare Reise einlädt und eigentlich danach schreit, sich eine dicke Tüte zu genehmigen. Die Instrumental-Band wohnt anscheinend auf einem anderen Planeten, denn die musikalische Mischung ist ziemlich einzigartig und durch das Fehlen eines Sängers zunächst gewöhnungsbedürftig. Der Planet heißt offiziell indes Schweiz, und anstatt von Drogen nähren die Musiker ihre Kreativität aus dem Zusammenspiel und viel frischer Luft. Auch nicht schlecht. Gitarrist Boris bringt ein wenig Licht ins Dunkel.

Monkey3

Ihr habt als Jam-Band angefangen. Stand es je zur Debatte, nach einem Sänger Ausschau zu halten?

Ja, am Anfang haben wir nach einem Sänger gesucht. Wir haben einen ganzen Haufen Auditions abgehalten, aber wir konnten keinen geeigneten Kandidaten finden. Also haben wir uns überlegt, dass es doch auch mal interessant wäre, rein instrumental zu Werke zu gehen.

Wie schreibt ihr Songs? Irgendwann müssen aus den Jams ja auch mal richtige Songs werden!

Im Grunde fängt alles erstmal als Jam-Session an, und dann versuchen wir die Ergebnisse daraus sinnvoll zu arrangieren. Bevor wir allerdings das finden, wonach wir gesucht haben, variieren wir viele Ideen in den Basics und landen irgendwann endlich bei fertigen Arrangements.

Ihr spielt eine Mischung aus Stoner Rock und psychedelischen Elementen. Habt ihr bestimmte Ziele beim Schreiben der Stücke?

Nein, normalerweise haben wir keine exakte Idee, nach was wir eigentlich suchen, wir jammen nur vor uns hin und lassen unseren Gefühlen freien Lauf. Wir sind für viele verschiedene Ideen offen und setzen uns keinerlei Grenzen. Die Stoner- und Psychedelic-Elemente kommen auf ganz natürliche Weise und sind sicherlich auf unsere Einflüsse zurück zu führen.

Was sind denn eure größten Einflüsse? Spielen KONG als Pioniere der harten Instrumental-Musik eine Rolle?

Tut mir leid, aber KONG kennen wir absolut nicht. Jetzt, wo du es erwähnt hast, sollten wir die Band wohl mal antesten. Unsere Einflüsse sind BLACK SABBATH, LED ZEPPELIN, DEEP PURPLE, PINK FLOYD, KYUSS, JIMI HENDRIX, AC/DC, KISS, die MELVINS und viele andere.

Einerseits klingen eure Songs irgendwie meditativ, andererseits aber auch laut und noisig. Kann man diese Mixtur sinnbildlich für euch als Personen sehen?

Ich würde mal sagen, dass wir eigentlich eher chronisch laute Charaktere sind. Wir lieben es, Party zu machen und uns zu unterhalten, aber wir behandeln andere immer respektvoll.

Was sagt der Albumtitel „39 Laps“ aus?

Du musst dich 39 mal um dich selbst drehen, bevor du die MONKEY 3-Zone betreten darfst. Das ist wie ein Voodoo-Ritual!

Die Songtitel sind ziemlich freakig. Kannst du mir darüber was sagen? In welchem Zusammenhang stehen die Titel zu eurem musikalischen Konzept?

Da wir keinerlei Texte haben, können wir den Songs irgendwelche Titel geben, nach denen uns gerade ist. Normalerweise handelt es sich um irgendwelche Insider-Späße, die wir aus Comic-Heften haben, die wir auf Tour lesen. Es gibt kein besonderes Konzept, das dahintersteckt.

Was ist das eigentlich für ein Gebilde auf dem Cover? Sieht irgendwie nach einem Labyrinth aus und erinnert mich an ein menschliches Gehirn.

Jeder kann sehen, was er fühlt, es gibt keine bestimmte Bedeutung. Jeder ist eingeladen, dem Bild seine eigene Bedeutung bei zu messen, man muss nur seiner Vorstellungskraft freien Lauf lassen. Was mich angeht, so mag ich besonders die vielen Farben auf dem Cover, und ich betrachte es als eine Tür zu einer anderen Welt.

Würdest du der Aussage zustimmen, dass eure Musik wie eine Droge ist, die direkt ins Hirn eindringt und dort ein Bild malt?

Yeah, das gefällt mir ausgesprochen gut!

Spielen Drogen eine Rolle in eurem Songwriting-Prozess? Viele Menschen sind davon überzeugt, dass Drogen die Vorstellungskraft und Kreativität erweitern.

Ich stimme zu, dass Drogen beim kreativen Prozess behilflich sein können und dass sie die Wahrnehmung erweitern, aber für uns spielen sie keine Rolle. Unsere Droge ist die wöchentliche Jam-Session.

Wenn ihr Texte hättet, wovon würden sie handeln?

Keine Ahnung, in dem Bereich sind wir nicht so besonders gut, wir lassen lieber die Musik sprechen. Aber wahrscheinlich würden wir über positive Dinge schreiben. Die Welt, in der wir leben, ist schon hart und dunkel genug.

Wir kam es eigentlich dazu, dass ihr den Ennio Morricone-Klassiker ‚Once Upon A Time In The West‘ neu vertont habt?

Hier in Lausanne wird jedes Jahr ein Festival namens „Lôzan’s Burnin'“ veranstaltet. Alle Bands aus der Stadt werden dazu eingeladen, drei Coversongs zu einem bestimmten Thema zu spielen. Die Vorgabe vom letzten Jahr lautete, Künstler zu covern, deren Namen mit den gleichen Buchstaben anfangen wie der eigene Bandname. Morricone-MONKEY 3! Wir mochten unsere Version und haben sie aufgenommen. Wir fanden, dass sie gut auf dasAlbum passt, und jetzt ist sie halt drauf.

Auf der CD ist vermerkt, dass sie „irgendwo in einem Holzhaus“ aufgenommen wurde. Ist das nur ein Witz oder kann man das für bare Münze nehmen?

Nein, das ist kein Witz. Wir haben für zwei Wochen ein Holzhaus in den Schweizer Bergen gemietet und haben uns da mit unserer Backline sowie etwas Aufnahme-Equipment eingenistet. Wir wollten einen hölzernen Aufnahmeraum wegen der schönen Akustik, besonders für die Drums, und ein reguläres Studio mit einer solchen Ausstattung wäre einfach zu teuer gewesen. Dort hatten wir außerdem alles, was wir brauchten: ein Schlafzimmer, eine Küche, viel frische Luft und einen tollen Ausblick.

Warum habt ihr das Mischen und Mastern nicht auch gleich selbst erledigt?

Wir sind keine Sound-Engineer und haben das schlicht und ergreifend nicht drauf.

Habt ihr live aufgenommen?

Ja, alles ist live, genau so klingen wir auch auf der Bühne. Wir haben lediglich ein paar Gitarren- und Keyboard-Overdubs gemacht, damit der Sound fett genug wird.

Geht es euch darum, präzise zu spielen, oder ist die Energie wichtiger?

Beide Dinge sind sehr wichtig! Wir sind der Meinung, dass Emotionen in der Musik eine große Rolle spielen, daher versuchen wir immer, mit viel Feeling zu spielen. Aber als Instrumental-Band muss man auch extrem tight spielen, sonst würde sich das nicht so toll anhören.

Ihr spielt recht viele Konzerte. Was für Publikumsreaktionen bekommt ihr denn so mit eurem ungewöhnlichen Sound und Line-Up?

Normalerweise gefällt den Leuten die MONKEY 3-Erfahrung, wir fahren eine trippige Show mit psychotischen Visualisierungsmitteln, bei der man abschalten und seine Gedanken schweifen lassen kann. Viele Leute haben uns schon gesagt, dass unsere Shows zu kurz sind, selbst nach Konzerten von achtzig Minuten. Das ist natürlich ein tolles Kompliment!

Was steht als nächstes bei MONKEY 3 auf dem Plan?

Wir werden in der zweiten Aprilhälfte touren, ungefähr zehn Shows rund um das „Roadburn“-Festival, das am 21. April statt findet. Einige der Gigs werden in Deutschland sein, also haltet die Augen offen!
Vielen Dank für den Support!

Wer ihn verdient, soll ihn bekommen! Ich kann jedem, der relaxte Musik mag, nur raten, sich mit MONKEY 3 zu beschäftigen!

22.03.2007

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