Mumakil
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Interview

MUMAKIL eilen zügigen Schrittes Richtung Grind-Elite. Mit ihrem neuen Album „Behold The Failure“ haben die Schweizer einen kleinen Quantensprung gemacht und zeigen eindrucksvoll, wo bei ihnen der Hammer hängt. Schlagzeuger Seb konnte ich kurz vom Tourgeschehen ablenken, um mit ihm das neue Werk zu besprechen.

Mumakil

Ahoi Jungs! Euer neues Album „Behold The Failure“ ist der absolute Wahnsinn, aber wieso erzähl ich euch das eigentlich – dass wisst ihr schließlich besser als ich, hehe! Wie läuft denn die Tour zur Zeit? Macht es Spaß, die Massen erbarmungslos zu beschallen?

Es ist immer wieder geil, auf der Bühne zu stehen und live zu spielen, neue Leute kennenzulernen, Party machen, alles was dazu gehört. Zur Zeit läuft alles reibungslos, wir sind echt stolz auf das neue Album. Und wir arbeiten sogar schon an neuem Material.

Jetzt, wo ihr bei Relapse unter Vertrag steht, werden weitaus mehr Leute mit eurem Namen (und natürlich eurer Musik!) in Berührung kommen, Leute, die noch nie was von MUMAKIL gehört haben, obwohl ihr seit mehr als vier Jahren herumlärmt. Wer, wo, was, wie und warum sind MUMAKIL?

MUMAKIL entstand während des Jahres 2004 und setzte sich aus Mitgliedern der Genfer Metalszene zusammen (NOSTROMO, KNUT). Im Grunde spielen wir ultrabrutalen Grindcore, simpel und direkt in die Fresse. Unser Debütalbum „Customized Warfare“ kamm 2006 raus, außerdem haben einige Splits u.a. mit MISERY INDEX, BLOCKHEADS und INHUME veröffentlicht.

Euer Bandname sticht hervor und leitet sich ja unverkennbar von den Mûmakil, den elefantähnlichen Wesen aus dem Tolkienuniversum ab. Warum gerade dieser Name und nicht „Grindosaurus Rex“ oder sowas?

„Mumakil“ prägt sich einfach schnell ein und klingt cool. Diese Kreaturen sind doch genau wie unsere Musik: Brutal wie Sau; alles, was im Weg steht, wird zermalmt.

Bevor ihr unter der Flagge MUMAKIL losgesegelt seid, wart ihr in anderen Bands aktiv. Meine persönlichen Erwartungen waren als NOSTROMO-Fan besonders hoch, das war halt einfach eine geile Band. Warum wurde damals eigentlich ein Schlußstrich gezogen?

Die Jungs von NOSTROMO haben das Handtuch geworfen, weil es unterschiedliche Ansichten über die musikalische Ausrichtung der Band gab. Ich glaube deshalb auch nicht, dass wir sie jemals nochmal live sehen werden – leider. Ich war nämlich auch ein großer Fan von ihnen.

Wofür stehen MUMAKIL im Vergleich zu NOSTROMO, KNUT und DECEIT?

Nun ja, diese drei Bands spielen ziemlich komplexe Musik, mit vielen unterschiedlichen Passagen, Riffs, langen Songs, etc. Die Devise bei MUMAKIL heißt: maximaler Lärm in minimaler Zeit – und natürlich der Spaß dabei! Wir alle sind schon seit langer Zeit Grindcore-Fans und wir lieben es. Ich denke, dass unsere Mucke ziemlich extrem ist. Wer nicht auf Grindcore steht, wird uns sicherlich hassen. Keine Kompromisse, haha!

„Customized Warfare“ erschien damals bei Overcome Records, die mittlerweile ihre Pforten geschlossen haben. Wie gut hat sich das Album gemacht, im Nachhinein betrachtet?

Die Leute vom Label haben sich buchstäblich für uns den Arsch aufgerissen, um das Album europaweit rauszubringen. Durch das Album kamen wir zu viel mehr Gigs, und das Feedback war einfach großartig.

Das Album zeigt auch deutlich eure Liebe zum Grindcore, der anerkannten Größen wie NAPALM DEATH oder NASUM in nichts nachsteht. Was sind denn eure persönlichen Grind-Helden und welche Einflüsse haben eure Musik zu dem geformt, was sie heute ist?

Genau diese zwei Bands sind ganz ohne Zweifel unsere hauptsächlichen Einflüsse. Aber ich denke auch, dass wir uns es geschafft haben, abseits dieser Einflüsse aus Grindcore und Death Metal einigermaßen unabhängig zu bleiben. Unser Gitarrist Jeje hat seine ganz speziellen Riffs und trägt damit erheblich zu unserer musikalischen Identität bei.

Nach dem Debüt kam eine ganze Anzahl von Splits, die du schon erwähnt hast. Ihr wart auch bei der Slimewave Series von Relapse Records dabei. Mögt ihr diese ‚traditionelle‘ Art der kleinen Veröffentlichungen?

Ja, das ist eine wirklich interessante Sache für uns. Es ermöglicht uns mit coolen Bands auf der gleichen CD zu erscheinen. Auf einer Split hat man nicht viel Platz, deswegen muss man in zwei bis drei Tracks maximale Energie bringen. Ich mag diese Herangehensweise.

Sind Relapse eigentlich von alleine auf euch herangetreten?

In der Tat… nachdem die Slimewave N°6 raus war, haben sie uns einen Plattenvertrag zugeschickt.

Bei Relapse einzusteigen ist ein Traum für viele Bands, weil solch ein Label viel Potential mit sich bringt, und man dadurch viel mehr Menschen erreichen kann. Wie ist denn euer momentaner Eindruck, wie gut läuft’s mit „Behold The Failure“? Erwartungsgemäßer Erfolg oder auch einige Überraschungen?

Eine Überraschung war auf jeden Fall der Deal mit Relapse, total unglaublich. Sie machen einen wirklich gut Job für alle ihre Bands. Die Reaktionen auf „Behold The Failure“ waren verdammt gut, haufenweise positive Reviews in Magazinen und Webzines. Unsere Fans in der Schweiz und in Frankreich sind begeistert! Manche Leute vergleichen uns sogar mit den neueren NASUM oder ROTTEN SOUND, großartig, oder?
Aber wir konzentrieren uns dann doch lieber auf unsere Gigs und neues Material.

Stichwort Fans: Ich habe mich mal im Netz umgeschaut, was die Fans weltweit zum neuen Album zu sagen haben, und da waren die Meinungen teilweise gespalten. Manche finden es total geil, dass ihr jetzt ohne Rücksicht losholzt, andere vermissen die groovigen Parts und die Breakdowns, die man auf dem Debüt noch hören konnte. Wo liegen deiner Meinung nach die Unterschiede zwischen eurem Debüt vor knapp drei Jahren und dem neuen Album?

Das mit den Breakdowns und den langsameren Grooveparts war tatsächlich unsere Entscheidung – die Zukunft von MUMAKIL ist der Blastbeat! „Behold The Failure“ ist noch einen ganzen Zacken brutaler als sein Vorgänger, die Produktion ist viel besser und die einzelnen Tracks haben einen viel persönlicheren anstrich, als auf dem Debüt. „Customized Warfare“ war Death-Grind, „Behold The Failure“ ist eine pure Grindcore-Attacke, von Anfang bis Ende.

In euren Texten ist soziale und politische Kritik zu spüren. Welche Themen finden sich in euren Songs wieder, auf wen richtet ihr eure musikalischen Sturmgeschütze? Gibt es ein Grundkonzept bei „Behold The Failure“?

Wir reden und singen über alles, was mit der sog. Neuen Weltordnung zu tun hat, der Tatsache, dass Menschen dazu verdammt sind, von oben diktierten Konzepten zu folgen, Massenkonsum, Krieg, die Industrie, die zusammenbrechende Wirtschaft… Ein echtes Konzept gibt es da nicht, wir versuchen einfach, unsere Gedanken auf’s Papier zu bringen. Grindcore-Texte sind eine gute Möglichkeit, sich mal so richtig gepflegt über alles auszukotzen, hehe!

Das beeindruckende Covermotiv und auch der Rest des Albumartworks wurden vom Relapse Haus- und Hofkünstler Orion Landau angefertigt. Auf dem Cover sieht man den übermächtigen Kopf eines Mûmakil und zwei Armeen, die aufeinander zu marschieren. Welcher Gedanke steckt hinter diesem Motiv?

Jedes Detail des Artworks stammt von Orion. Wir hatten nämlich keine konkrete Idee, was die Gestaltung betrifft, sowas liegt uns einfach nicht. Orion hat uns überrascht: Er hatte sich ein paar unserer Tracks angehört, stellte noch zwei, drei Fragen und kam dann damit an! Uns blieb fast die Spucke weg, „Mann, dieses Cover ist dermaßen geil!“ Alles in diesem Artwork beschreibt einen Aspekt des Scheiterns des 21. Jahrhunderts.

Auf dem T-Shirt zum Album sowie auf der CD selbst sieht man ein deutliches Pentagramm prangen. Hat dieses Symbol eine besondere Bedeutung für euch?

Ja, wir mögen die Theorie der „Achse des Bösen“, mit der Ex-US-Präsident Bush Regierung beschrieben hat, die man der Unterstützung des Terrorismus verdächtigt hat. Das Problem dabei ist, dass hinter jedem Banner und jeder Flagge Politik steht, die ein paar individuellen Interessen dient (Konzerne, Finanzwesen, etc.). Das ist meine persönliche Vision vom „Bösen“, Kontrolle der Massen, Manipulation und Gehirnwäsche.

Da ihr grad auf Tour seid, werde ich euch nicht großartig über neue Musik ausfragen, nur eine Sache: Denkst du, dass MUMAKIL vielleicht auch mal eine semi-akustische Grindsession machen würden, so wie es NOSTROMO auf „Hysteron-Proteron“ gemacht haben?

Ich fand das gut, was sie damals gemacht haben, auch wenn ich nicht glaube, dass wir mit MUMAKIL in naher Zukunft sowas machen werden. Vielleicht veröffentlichen wir unser neues Album ja in einer Glam-Rock-Remix-Version, haha…

Na bloß nicht… ok, wir nähern uns dem Ende der Seite, also kurz und knackig:

· Wo sind MUMAKIL am 21. Dezember 2012?
Da spielen wir einen Gig auf einer verschollenen Insel, im Rahmen der Relapse Contamination World Tour 2012!

· Eure definitiven Grindcore / Death-Metal-Alben aller Zeiten?
NAPALM DEATH – „Enemy Of The Music Business“
NASUM – „Human 2.0“
INSECT WARFARE – „World Extermination“
MORBID ANGEL – „Covenant“

· Eure persönliche Definition von Grindcore?
Punk trifft auf Death Metal trifft auf Hardcore (und vergiss nicht das Bier und die Blastbeats!)

· Euer persönliches „Fuck off!“ geht an…
NAZI PUNKS FUCK OFF!

· Bands, mit denen ihr gern eure nächste Split machen würdet:
BRUTAL TRUTH, SAYYADINA, GADGET

Ok, das war’s dann auch schon, grind on!

Danke für’s Interview!

07.05.2009

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