Nhor
Interview zu "Within The Darkness, Between The Starlight"

Interview

Nhor

Das im Jahr 2009 in England gegründete Soloprojekt NHOR hat schon einige Entwicklungen hinter sich gebracht. Ursprünglich auf „Nhor“ von 2009 und „Upon Which Was Written Within The Stars“ von 2010 auf Klassik und Ambient festgelegt, änderte sich die Musik mit dem Album „Whisperers To This Archaic Growth“ zum archaischen Black Metal. Mit dem aktuellen Album „Within The Darkness Between The Starlight“ werden nun mit den Ambient- als auch die ursprüngliche Black-Metal-Klangwelten alle Facetten des bisherigen Soundkosmos von NHOR gleichermaßen berücksichtigt. Diese Klanglandschaften schließen noch Einflüsse aus dem Postrock, Folk und Doom Metal mit ein, so dass sich eine ganz besonders vielfältige, atmosphärisch dichte Mixtur ergibt. Was dahintersteckt, klärten wir mit – NHOR!

Nhor

 

Zuerst möchte ich dir zum hervorragenden neuen Album „Within The Darkness Between The Starlight“ gratulieren! Wie sind die bisherigen Reaktionen?

Ich danke dir. Ich wurde von den Rückmeldungen ziemlich überwältigt. Ich finde es immer noch seltsam zu denken, dass sich die Leute dafür Zeit nehmen, meine Musik anzuhören.

In welchem Zeitraum hast du die Stücke geschrieben? Wo und unter welchen Umständen wurde „Within The Darkness Between The Starlight“ aufgenommen?

Alle Songs wurden in einer Holzhütte, von welcher man aus einen Wald östlich meines Haus überblicken kann, geschrieben und aufgenommen. Ich bin weder Experte noch professioneller Toningenieur, daher sind all meine Bemühungen bei den Aufnahmen wie blinde Schritte, ich taste mich langsam voran. Es gibt viele Versuche und Fehler, aber hauptsächlich habe ich einfach meinen Ohren vertraut und habe mich danach verhalten, was ich hören möchte, egal ob das nun technisch korrekt ist oder nicht. Es gibt da auch Aufnahmen unterhalb des ganzen Albums, welche im Wald eingefangen wurden, wo sich das Konzept des Albums entwickelte.

Das Album wurde vor fast zwei Jahren fertiggestellt, aber die Veröffentlichung verzögerte sich dadurch, dass ich zu einer Plattenfirma gewechselt bin, und mein Artbook fertiggestellt habe, welches am selben Tag veröffentlicht wurde, und ich habe mir genügend Zeit dafür genommen, das Artwork vollständig zusammenzustellen.    

Deine Musik ist ziemlich komplex. Wie ist das eigentlich, wenn du einen neuen Song komponierst, bist du völlig impulsiv und spontan, oder hast du so etwas wie einen Plan im Kopf, wie du ein Stück aufbauen möchtest?

Es gibt überhaupt keinen Plan. So kann das Instrument, welches ich zu der Zeit gerade spiele, das Endergebnis ein Stück weit vorbestimmen. Aber nicht alle Musik, welche ich schreibe, erblickt das Tageslicht. Es passiert nicht selten, dass ich einen Teil schreibe und gleich weiß, was ich darüber setzen muss, bevor ich es mit meinen eigenen Händen gespielt oder gesungen habe. Manchmal habe ich den Eindruck, als ob die Musik bereits in meinem Kopf fertig abgespeichert ist, und ich immer nur anfange sie zu finden. Wenn ich Songs von anderen Leuten anhöre, quäle ich mich manchmal, da ich Dinge höre, die nicht da sind, das kann für mich frustrierend sein. Ich kann mich zum Beispiel auch daran erinnern, wie ich einen Teil von „Of Moth & Moon“ neu aufgenommen habe, um eine einzige Note hinzuzufügen, welche ich immer gehört habe, obwohl diese bei den ursprünglichen Aufnahmen fehlte.   

Was kommt zuerst, die Musik oder die Texte? Welche Themen behandeln deine Texte, gibt es ein lyrisches Konzept? Was ist in der Dunkelheit, zwischen dem Sternenlicht?

Ich vermute, dass die Inspiration zuerst für die Texte bzw. die grundsätzliche Thematik kommt, und diese inspiriert dann die Musik, woraus anschließend die tatsächlichen Texte entstehen. Meine Texte sind in den meisten Fällen die persönliche Geschichte oder Erfahrung hinter der Musik. Wenn ich zum Beispiel mir den Nachthimmel ansehe, kann dies der Grund sein, dass ich eine bestimmte Sache betrachte und diese in einem völlig neuen Licht sehe. Die Musik reflektiert dies. Aber die Texte reflektieren die gesamte Erfahrung, einschließlich meiner eigenen Gedanken. Die Dunkelheit zwischen dem Sternenlicht die ich mir vorstelle ist anders wie die Sichtweise anderer Menschen. Es ist die Betrachtung von allem. Von Tod und Leben, es sind die unbegrenzten Möglichkeiten des Nichts. Es ist ein viel zu großes Thema, um diese in einer Sitzung oder an einem Abend versuchen zu erklären. Für mich ist es ein Verständnis, dass ich über die Zeit gesammelt habe. Es ist eine Frage, die man sich selbst stellen muss. 

Was ist für dich wichtiger, die Musik oder die Texte?

Die Musik ist das, wozu ich mich entschieden habe, diese zu teilen. Ich schätze aus diesem Grund überwiegt sie die Texte.  

Was kommt dir in den Sinn, welche Bilder hast du selbst im Kopf, während du deine eigene Musik anhörst oder erschaffst?

Normalerweise erschaffe ich Musik aufgrund von Dingen, welche ich gesehen oder betrachtet habe. Da aber die meisten meiner Betrachtungen entweder unter den Sternen oder zwischen den Bäumen stattzufinden scheinen, haust der Großteil der Bilder, welche mich inspiriert, dort. Ich kann Einblicke in eigene Songs geben, welche schwer visuell beeinflusst waren. „Of Moth & Moon“ handelte von einem Nachtfalter, welcher hinter meinem Piano gefangen war. Ich öffnete die Tür der Hütte, um ihn aus dem Raum zu lassen und betrachte, wie er ins Mondlicht hochflatterte. „Upon The Wind Its Wings Beat Sorrow Into The Stars“ war beeinflusst durch eine Eule, welche leise durch den Nachthimmel vorbeiflog. Aus einigen unbekannten Gründen habe ich mir vorgestellt, wie sie Trauer über die Erde in der Nacht aussäht. 

Stell dir vor, du könntest „Within The Darkness Between The Starlight“ einer interessierten Person vorspielen, welche noch nie etwas von NHOR zuvor gehört hat. Wie müssten die perfekten Umstände sein, um dein Album zu präsentieren?

Ich hatte zuvor angemerkt, wie ich es ersehne, dass meine Musik angehört wird: Mitten in der Nacht, alleine und mit Geduld. Aber für dieses Album speziell würde ich mir wünschen, dass sich der Hörer selbst durch die Wildnis navigieren muss, alleine mit den Sternen als Orientierung. Ich würde mir wünschen, dass von Zeit zu Zeit die Wolken darüber ziehen, und den Hörer in des Waldes irdischer Umarmung zurückzulassen. Aber diese Reise wäre eine, welche ihren Anfang hat, während der Sommer abnimmt und nicht endet bis zu die ersten Schatten des Grüns wagen, sich wieder zu erheben.

Wann und wie hast du mit NHOR begonnen? Warst du in andere Bands oder Projekte involviert? Und weshalb hattest du dich entschieden, ein Soloprojekt zu gründen?

Ich neige dazu, den Beginn von NHOR mit dem Schreiben von „A Pale Glimmer“ zu datieren. Ich schätze, das war vor ungefähr 10 Jahren. Aber ich muss festlegen, dass NHOR damals nicht so existierten, wie es heute der Fall ist. Es war ein Abendstern. Ich hatte in meinem letzten Artbook „Towards A Light That Dwells Within The Trees” die Geschichte dokumentiert, wie es zu NHOR kam. Um es abzukürzen, ich hatte zwei Akkorde gefunden, welche die Sterne spiegelten. Ich nahm mir die Zeit, der Nacht zu lauschen, und im Gegenzug sitzt sie nun an meiner Seite. 

Nhor ist ein Soloprojekt, da ich keine Notwendigkeit darin sehe, irgendwelche weiteren Bandmitglieder aufzunehmen. Das ist meine Kunst und meine Ausdrucksweise. Würde ich andere involvieren hätte das lediglich die Verwässerung meiner Arbeit zur Folge oder wäre ein Hinderniss für mich.

Was ist die Bedeutung des Namens NHOR?

Der Name hat viele Bedeutungen und keine. Am wichtigsten wünsche ich mir, dass er wie eine leere Leinwand empfunden wird, so dass andere ihre eigenen Gedanken und Gefühl darauf projezieren können.

Deine ersten Aufnahmen waren traurige Piano Kompositionen, während „Whisperers To This Archaic Growth“ archaischen Black Metal enthält. Mit dem neuen Album kombinierst du beide Stile miteinander. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Der Kontrast wurde unbeabsichtigt hervorgehoben. Ich hatte ursprünglich geplant, „Whisperers To This Archaic Growth“ nach meinem ersten Album zu veröffentlichen. Die Entwicklung zu diesem Stil kam sehr natürlich. In diesem Projekt geht es hauptsächlich um Entdeckung. Ich fand eine differenzierte Betrachtungsweise auf den Wald zwischen meinen ersten beiden Veröffentlichungen, und das geplante zweite Album „Whisperers To This Archaic Growth“ reflektierte diese eher wilde, ungezähmte Sicht, welche ich gefunden hatte. Der Wechsel war nie wirklich eine Sache. „Within The Darkness Between The Starlight“ vereint nun in sich alles, was ich zuvor gemacht habe. Das liegt wieder an meiner Wahrnehmung der Natur. „Within The Darkness Between The Starlight“ deckt das gesamte Spektrum ab. Das ist mein Verständnis von wer, was, wann und wo ich bin.

Was sind deine hauptsächlichen musikalischen Einflüsse?

Ich hatte immer eine Affinität für traurige Musik. Das ist etwas, was immer einen starken Nachhall in mir hatte, egal aus welchem Genre. Musik ist eine Kunstform. Und daher glaube ich nicht, dass die Leute versuchen sollten, die Musik und Kunst von anderen Personen  nachzustellen, um sich wirklich auszudrücken. Leute, die ich kenne, haben mit Bands angefangen, um wie jemand anderes zu klingen. Ich finde das eine so komische Vorstellung.

Vielleicht ist eines meiner Lieblingsalben aller Zeiten „A Sun That Never Sets“ von NEUROSIS. Ich weiß, dass es da einige wenige Gemeinsamkeiten mit dieser Band gibt, aber ich glaube nicht, dass ich sehr ähnlich zu ihnen klinge.  Was ich an diesem Album speziell schätze ist, dass nichts zuviel oder zuwenig enthalten ist. Es erscheint mir als ein sehr ehrliches Album, und es hat eine meiner Lieblingsproduktionen.

NHOR ist mein Schatten, etwas das ich nicht ändern kann aber erschaffen. Es ist mein Ausdruck von Selbstfindung. Ich bin mir sicher, dass musikalische Einflüsse einen unterbewussten Teil dazu beitragen, was ich tue. Aber die für mich am meisten beinflussende Sache in der Musik ist aufrichtige Trauer. Ich finde meditative Musik sehr kraftvoll.

Wie kam der Plattenvertrag mit Lupus Lounge zustande?

Sie hatten mich um 2009 kontaktiert, als ich damit begann, meine Musik öffentlich zu machen. Sie boten mir einen Platz auf einer Compilation an, welche Musik enthielt, welche meiner ähnelt. Von diesem Moment an blieben wir in Kontakt. Sie haben mein Projekt immer unterstützt, daher war der Vertrag ein natürliches Resultat. 

Was ist in nächster Zeit mit NHOR geplant?

Ich habe seit Jahren einige Dinge vernachlässigt. Hoffentlich finde ich die Zeit, diese vor der nächsten musikalischen Veröffentlichung zu komplettieren, welche bereits geschrieben ist. Aber wie ich hoffe, dass ihr verstanden haben, die Musik ist weder der erste noch der letzte Schritt, der gegangen werden muss, in diesem Projekt.

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Ich danke dir für die Zeit, mit mir in Kontakt getreten zu sein und für das Interesse, dass du an meinem Projekt zeigst. Es scheint tatsächlich, dass die letzten Worte die von William Wordsworth sein werden: „Come forth into the light of things, let nature be your teacher.“

Galerie mit 3 Bildern: Nhor - Prophecy Fest 2017
18.09.2013

Geschäftsführender Redakteur (News-Leitung)

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