Occult
Occult

Interview

So wirklich bekannt sind die Holländer Occult auch nach vier Alben noch nicht. Ihr neues Werk "Elegy For The Weak" hat aber das Zeug dazu, diesen Zustand endlich zu ändern. Ein überaus heftiger Bastard aus ein paar Black Metal-Parts und viel Schädel spaltendem Trash erwartet einen auf ihrem Debüt für ihr neues Label Karmageddon Media. Natürlich war selbiges auch Thema im folgenden Gespräch mit Sänger Maurice, der sich übrigens als absoluter Old-School-Fan outete. Die etwas verunglückte Tour mit Exodus kam ebenfalls zur Sprache. Und Zeit für das Aufklären öfter vorkommender Missverständnisse wurde auch noch gefunden.

OccultGanz schöne Abrissbirne, die ihr da mit „Elegy For The Weak“ hingelegt habt. Euer bestes Album bis jetzt. Sehe das nur ich so?

Danke für das Kompliment. Die Reviews waren durchgängig gut bisher. Aber das Album kam ja erst kürzlich raus, weswegen es schwer ist, die kompletten Reaktionen abzuschätzen.

Ihr klingt thrashiger und mehr nach alter Schule denn je.

Ich glaube nicht, dass wir mehr nach alter Schule klingen. Unsere Musik vielleicht, unser Sound aber nicht. Dieses Album ist voll von der Power und Aggression, die wir schon immer in unserem Sound haben wollten. Zum ersten Mal sind wir wirklich glücklich mit der Produktion.

Da muss ich aber doch noch mal nachhaken. Ich finde schon, dass ihr thrashiger klingt, was vor allem an dir als neuem Sänger liegt. Was waren die Gründe, die Dich zum Nachfolger von Rachel gemacht haben, die zu Sinister abgewandert ist?

Haha, irgendwie ist das witzig, wie viele Leute verpeilen, dass eigentlich ich 1991 Occult gegründet habe und seitdem immer irgendwelche Vocals beigesteuert habe. Manche Leute haben sogar gedacht, die Death Metal-Vocals, die ja in Wahrheit Rachel eingesungen hat, wären auch von mir. Ich bin aber nicht überrascht über diese Wissenslücke. Wir sind eine Undergroundband und die Leute wissen nicht viel über uns. Das ist schon ok. Außerdem ist für mich immer witzig, wenn ich solche Annahmen lese. Anyway, jetzt ist wieder unsere Originalbesetzung am Start. Ich bin für alle Vocals alleine zuständig.

Tja, da war dann wohl nicht nur ich falsch informiert gewesen. Aber das konnte jetzt ja endlich richtig gestellt werden. Du hast schon die super Produktion von „Elegy For The Weak“ erwähnt. Warum habt ihr Andy Classen als Produzent ausgewählt?

Andy war schon seit jeher einer unserer Wunschkandidaten und Richard (Gitarrist, Anm. d. Verf.) mochte schon immer die Produktion der Krisiun-Scheiben. Der Grund, warum wir nicht schon für die Aufnahmen zu „Rage To Revenge“ zu ihm gegangen sind, war, dass wir dachten, er sei zu teuer. Aber für „Elegy For The Weak“ hat alles gepasst.

Das nächste Album wird also auch im Stage One Studio entstehen?

Definitiv. Die Arbeit mit Andy war eine großartige Erfahrung und ein Riesenspaß. Nicht dorthin zu gehen, wäre ein großer Fehler.

Warum singt ihr heutzutage eine Elegie für die Schwachen?

Unsere Welt ist voll von bemitleidenswerten Kreaturen, deren verzerrte Existenz alles auf ihrem Weg ruiniert. Schwäche ist ein Hemmschuh und jeder sollte sein Möglichstes tun, um sie zu bekämpfen und zu besiegen. „Elegy for the weak“ beschreibt die Wut, die wir fühlen, wann immer wir solch schwachem Abschaum begegnen, der nur von den Starken lebt. So wie ein Schaf, das sich keine eigene Meinung bilden kann und blind irgendwelchen Dogmen folgt. Unsere Thrash-Attacke samt der blutigen Lyrics ist für sie.

Es ist bereits euer fünftes Album und ihr seid immer noch, wie wir ja schon festgestellt haben, eine Undergroundband. Denkst du, dass sich das mit Karmageddon Media im Rücken ändern wird?

Eine Mainstream-Band werden wir nie werden. Aber ich hoffe schon, dass die Promotion und der Vertrieb jetzt viel besser laufen werden als zuvor. Wir werden sehen, was uns die Zukunft bringt. Bis jetzt sind wir sehr glücklich über die Arbeit unseres Labels.

Was waren die Gründe dafür, dass es mit euren alten Plattenfirmen nie richtig hingehauen hat?

Im Grunde genommen lag es nur daran, dass Promotion und Vertrieb nicht funktioniert haben. Die Plattenfirmen haben nicht viel dafür getan, dass wir Interviews, Shows und Festivalauftritte bekamen. Ich habe Mails von Fans bekommen, in denen ich gefragt wurde, wo man denn unsere Alben kaufen könne. Ich hoffe, das hat jetzt ein Ende.

Ihr wart kürzlich Teil der Bonded By Metal Over Europe Tour von Exodus, die nicht gerade erfolgreich verlaufen ist. Warum ist sie zu einem solchen finanziellen Disaster geworden, obwohl viele gute Bands auf dem Billing standen?

Vielleicht gibt es im Moment einfach zu viele Touren und Shows, sodass die Leute einfach keinen Bock mehr haben, alle zu besuchen. Dazu kommt noch, dass viele arbeitslos sind und sich die Eintrittspreise einfach nicht mehr leisten können. Es kommen ja auch Merchandise und ein paar Bierchen dazu. Für uns ist die Tour eigentlich ganz gut gelaufen. Wir hatten das Glück, bis zum Ende dabei sein zu können, was einige andere Bands nicht hatten. Das war eine gute Promotion für uns. Für Exodus und Nuclear Assault war diese Reise natürlich eine Enttäuschung. Speziell, wenn man Läden bucht, in die 2000 Fans passen, diese am Ende aber nur halbvoll sind.

Wie hätte man das alles umgehen können?

Mit einer besseren Promotion, weniger Touren im Jahr, mit Headlinern, die in Europa lange nicht mehr gespielt haben, mit niedrigeren Ticketpreisen. Einige größere Bands sollten einfach weniger für ihre Auftritte verlangen. Das wird aber leider nicht passieren.

Neben diesen negativen Aspekten: Was war es für ein Gefühl, dort auf dem Billing zu stehen?

Das war großartig, Mann! Es war unglaublich, Exodus spielen zu sehen. Sie waren eine meiner ersten Lieblingsbands, als ich mit Metal angefangen habe. Ich habe sie mir jeden Abend angeschaut und mir ist nie langweilig geworden. Sie sind eine großartige Band und noch dazu coole Jungs. Sie sind keinen Meter arrogant und das respektiere ich.

Ihr spielt eine Mischform aus Black und Thrash Metal. Was gibt es neben Exodus noch für Einflüsse?

Um nur einige wenige zu nennen: alte Slayer, alte Destruction, alte Pestilence, Kreator („Pleasure to kill“), Sodom. Meine persönlichen Favoriten sind Mayhem (Dead-Ära), Sathanas, Carpathian Forest, ebenfalls alte Slayer, Limbonic Art, alte Merciless, alte Acheron (1989) usw. Die Liste ließe sich ewig fortführen. Von aktuellen Sachen habe ich eigentlich nur das neue Projekt von Nattefrost „Blood & Vomit“ – das Album ist ein Killer.

Einige Leute werfen euch mit Sicherheit vor, nicht innovativ oder progressiv zu sein. Aber ich glaube, dass das gar nicht euer Ziel ist. Eure Musik ist für den Nacken und nicht für den Kopf, richtig?

Ja, absolut. Gut ausgedrückt. Eine schöne Allegorie. Unsere Musik ist nicht zum Analysieren, sondern zum Headbangen da. „Elegy for the weak“ ist ein simples, dafür aber sehr kraftvolles und aggressives Album. Wenn es eure Adern mit pulsierendem Blut anschwellen lässt, haben wir unseren Job gut erledigt.

Wie wir alle wissen, kommt ihr aus Holland. Warum ist euer Land dieser Tage eine bessere Wiege für extreme Acts als Deutschland?

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als zahllose, großartige, extreme Bands aus Deutschland kamen. Assassin, Darkness und Poison, um nur einige wenige zu nennen. Zu dieser Zeit ging in Holland nicht viel. Das scheint sich jetzt gedreht zu haben. Nun haben wir mit Combos wie Pentacle, Flesh Made Sin, Thanatos, Deadhead, Callenish Circle oder Melechesh ein wenig die Nase vorn. Aber warum das so ist, kann ich nicht erklären. Vielleicht sind die Holländer einfach angepisster als die Deutschen.

Vielleicht ist es ein wenig spät für diese Frage, aber warum habt ihr euch Occult getauft?

Früher war ich mal an okkultem Zeug interessiert. Mit zunehmendem Alter verlor ich dann dieses Faible. Aber wir haben uns entschlossen, den Namen beizubehalten, weil uns die Leute so kennen.

Wie sehen eure Livepläne dieses Jahr aus?

Wir haben nur ein paar Einzelshows geplant, z.B. mit Tankard oder Martin van Drunens (ex-Pestilence, Anm. d Verf.) neuer Band Death By Dawn.

Glaubst du auch, dass „Elegy For The Weak“ der richtige Schritt zur richtigen Zeit war?

Ja, wir sind sehr glücklich mit dem Album und haben bisher nichts gefunden, was wir bedauern oder bereuen könnten. Jeder kann jetzt sehen, dass wir durch den Weggang von Rachel nicht geschwächt worden sind. Im Gegenteil, unsere Musik und unser Sound sind stärker und tighter als zuvor.

Was werden die nächsten Schritte sein?

Im Oktober werden wir unser nächstes, mittlerweile sechstes Album aufnehmen. Erscheinen soll es im Laufe des nächsten Jahres.

Dann wünsche ich dafür viel Glück, bedanke mich für das Interview und überlasse dir die letzten Worten an eure hoffentlich wachsende, deutsche Fanschar.

Dir auch vielen Dank für das Interview. Und checkt unsere DVD „To Be Thrashed“ an, die unsere komplette Karriere von 1992 bis 2003 abdeckt.

30.04.2004

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