Orplid
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Interview

Du bist Orplid, mein Land!/ Das ferne leuchtet;/ vom Meere dampfet dein besonnter Strand/ den Nebel, so der Götter Wange feuchtet. Uralte Wasser steigen/ verjüngt um deine Hüfte, Kind!/ Vor deiner Gottheit beugen/ sich Könige, die dein

OrplidIn einer Kooperation zwischen Prophecy Productions und Eis&Licht wurde Euer Debüt wiederveröffentlicht. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und der daraus entsprungenen Wiederveröffentlichung ?

Zur Zusammenarbeit mit Prophecy Production, welche zu unserer vollsten Zufriedenheit verläuft, kam es, nachdem uns Herr Pockrandt dorthin vermittelte. Dafür sind wir ihm sehr dankbar und werden auch weiterhin mit ihm zusammenarbeiten. So soll z.B. über „Eis und Licht“ noch eine „Singleauskopplung“ ( „Barbarossa“ ) zur neuen Platte erscheinen. Inzwischen gehen jedoch hartnäckige Gerüchte umher, daß Herr Pockrandt sich öffentlich das rechte Auge ausstach, MC Wotan nennt und heimlich eine Rap-Version vom „Merseburger Raben“ auf den Markt brachte. Ein Video soll es auch dazu geben, wo eine gewisse Schwester S. gepfählt, geteert und gefedert in einem Käfig sitzt und permanent krächzt, wenn der Goldzahn von MC Wotan schimmert. Ich persönlich schenke diesem Gerücht keinen Glauben, vertraue auf Herrn Pockrandts guten, von uns geprägten Geschmack, zumal mir die Idee doch etwas überzogen und anstößig erscheint.

Welche Gefühle haben Euch damals bei der Entstehung der CD bewegt und was fühlt Ihr heute, wenn Ihr die Lieder wiederhört ?

Wir betraten damals in jeder Hinsicht Neuland. Rückgrat, unser Musikprojekt härterer Gangart, ging im Spätherbst unserer Jugend in die Brüche. Menschliche Leidenschaft, musikalische Intensität sollten sich von nun an nicht mehr über Lautstärke und martialisches Gehabe definieren. Das Gefühl einer großen Herausforderung, einer bis dahin verleugneten Verantwortung gegenüber der eigenen Kultur spornte uns an. Manche Ansätze waren gut, geprägt von jugendlicher Spontaneität, aber inzwischen vergingen einige Jahre des Reifens, welche eine gewaltige Distanz zu unserem Erstlingswerk schufen. Erinnerungen, schöne Erinnerungen an Zeiten voller Unbefangenheit blieben, mehr nicht.

Eure Stücke trugen wohl auch sehr zur Gründung von Eis&Licht bei. Was ist es für ein Gefühl, zu wissen, dass Eure Musik jemandem anscheinend so viel bedeutet, dass er sie auch andern zugänglich machen will ?

Gewappnet mit dem nötigen, in vielen Situationen voll menschlicher Tragik angesammelten Hintergrundwissen kann ich nur vermuten, daß nackte Geldgier, sowie die Aussicht, sich einmal in meinen alten, ungewaschenen Schlafsack kuscheln zu dürfen, den Betreiber der besagten Plattenfirma veranlaßte, uns zu kontaktieren. Nur kurz zur verspürten, besser erlittenen Gastfreundschaft: „Sind wir denn hier bei Pockrandt`s?“ wurde bei uns zum geflügelten Wort wenn wir auf Reisen sind, keine menschengerechte Verpflegung erhalten, uns mit kaltem Wasser waschen und uns, in all den Phasen des Leidens, des Heimwehs und der Sehnsucht nach kleinbürgerlichem Komfort auch noch Hinweise zum sparsamen Stromverbrauch anhören müssen.

Welche Einstellung habt Ihr zu der strengen Limitierung von Tonträgern, wenn es sich nicht gerade um Vinyl-Veröffentlichungen handelt ? Trägt dies nicht auch zu einer Herausbildung einer „Elite“ bei, die sich, in Anbetracht der Preise für manche Tonträger, vielleicht nur über den Geldbeutel definiert ?

Eine „Elite“ die sich über den Geldbeutel definiert, ist keine „Elite“! Über Limitierungen oder Vinyl-Veröffentlichungen habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, jedoch kann ich es persönlich nachvollziehen, wenn sich jemand über den Besitz gewisser Raritäten erfreut. Daran gibt es nichts zu deuteln oder zu befürchten. Letztlich bestimmen ohnehin Angebot und Nachfrage die Stückzahl der Limitierung und es ist fraglich, ob man unter diesem Gesichtspunkt überhaupt noch von Limitierung sprechen kann!

Von Shell wurde eine Studie über die Jugend in Ost- und West-Deutschland finanziert. In einer Pressekonferenz wurden die westlichen Jugendlichen als „Schnarchsäcke“ bezeichnet. Eure Meinung / Erfahrungen zu diesem Thema.

Das kann ich, von einigen Ausnahmen abgesehen, nur bestätigen! Zwanghafte Vernunft, Instinktlosigkeit und seelische Sterilität sind die quaddelartigen Erscheinungsbilder des „Bakteriums Mensch“ im Reagenzglas westlichen Wohlstandes. Es ist eine eigenartige Spezies, welche stets Wörter wie: „quasi“; „sorry“ oder „definitiv“ im Munde führt, aber sonst kaum etwas zu sagen hat. Emotionale Empfindungen zerschellen an der Innenwand einer anerzogenen Fassade. Traurig, traurig! Jede Jugendgeneration muß sich aus dem Netz sozialer Tabus und staatlicher Bevormundung befreien, um ihrer Epoche später Impulse verleihen zu können. Wahrscheinlich sind Wohlstand, Reisefreiheit und halblegaler Drogenkonsum festere Fesseln am ungestümen Leib der Jugend, als Staatsicherheit, Grenzmauer und Pionierorganisationen. Wir hatten es bedeutend einfacher! Wir wußten schon früh, weil wir „mit denen da oben“ nichts am Hut hatten, daß es nur eine Freiheit, die innere Freiheit geben kann. Die Freiheit des Westens gleicht dem Bewegungsfreiraum einer sommerlichen Rinderweide. Alles ist grün und saftig, die Kühe sind zufrieden und fett, bespringen sich nach Belieben, aber im Herbst kommt der Schlachter…Der Verkauf der eigenen Seele ist vorprogrammiert, Europa kommt über uns, wir sind modern!

Die Muttersprache ist sicherlich Teil der eigenen Identität und deren „Pflege“ scheint Euch auch sehr wichtig. Wie sinnvoll erachtet Ihr z.B. eine Behörde in Frankreich, die die Regulierung ausländischer Begriffe im französischen Wortschatz zur Aufgabe hat.

In diesem Falle scheint der Staat seiner eigentlichen Aufgabe, dem Schutz der eigenen Kultur nachzukommen. Natürlich treibt dieses Vorhaben auch seltsame Blüten, denn, wenn ich recht informiert bin, ist selbst das Wort „Computer“ auf der Liste der geächteten Wörter. Ich persönlich meine, daß man für diese kleine, graue Schatzkiste nicht zwanghaft einen Namen in der eigenen Sprache finden muß. Manches auf Erden sollte man als gegeben hinnehmen. Jedoch wünsche ich mir für unser Land einen Staat, der bezüglich der eigenen Identität Verantwortung übernimmt, statt sich als Bauernfigur im geldorientierten Schachspiel nordamerikanischer Finanzmächte mißbrauchen zu lassen. Der bildschirmgerecht inszenierte Krieg gegen Jugoslawien, war teuer bezahlte virtuelle „Fastfood“ für den domestizierten Körper Europas. Auch Deutschland war wieder auf Abruf „fit for fun“!

Eure Meinung zur Rechtschreibreform.

Völliger Mumpitz! Im Augenblick bin ich nur am Fluchen, weil sich beim Schreiben am Rechner meine Rechtschreibung „selber reformiert“. Wer sich solchen Blödsinn ausdenkt, sollte seine Reform, nicht wie Luther an eine Kirchentür, sondern mit einem möglichst großen Nagel an die eigene Stirn nageln.

Nach welchen Kriterien habt Ihr das Gedicht „Das Schicksal“ von Friedrich Hölderlin

gekürzt ?

Dieses wundervolle Gedicht durfte als Lied nicht zu langatmig werden. Daher mußten wir uns auf die Kernaussage beschränken. Wer sich ernsthaft mit diesen Zeilen auseinandersetzt, nicht nur dumpf die Klänge unserer Musik konsumiert, der kennt ohnehin die vollständige Version.

Welches Gebäude in welcher Stadt zeigt das Cover ?

Auf dem Frontbild unserer Wiederveröffentlichung ist die Silhouette des Merseburger Schlosses zu sehen. An diesem Ort steht die Wiege unserer Nation, unserer Kultur! Von dort zogen, erstmals vereint, die deutschen Stämme in die Schlacht. Das Volk der Hunnen galt es zu vertreiben! Außerdem lagern im dortigen Archiv die weltberühmten Merseburger Zaubersprüche. Das sind die zwei Gründe, welche zur Motivwahl beitrugen.

Welche Bedeutung, Chancen und Gefahren seht Ihr im Internet und seiner Entwicklung ?

Das Internet ist ein Medium wie jedes andere auch. Schließlich gibt es auch gute und schlechte Bücher. Allein von der persönlichen Zielstellung des Einzelnen hängt es ab, ob menschliche Bereicherung (Kommunikation) oder seelische Verarmung (Konsum) Folgen der Internetnutzung sind. Ich werde demnächst einige Lieder von Orplid, Texte und Bilder in den digitalen Strudel des Weltnetzes gießen. Hoffentlich gehen sie nicht „sang- und klanglos“ unter!

24.03.2002

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