PTSD
PTSD

Interview

Wenn quasi aus dem Nichts eine italienische Band wie PTSD auftaucht, die auf ihrem Debütalbum "Burepolom" vor Professionalität nur so strotzt, und genretechnisch obendrein in keine Schublade richtig zu stecken ist, kann das Musikhörern weltweit nur blanke Freude bereiten. Grund genug, Gitarrist Yorga mal auszuquetschen und herauszufinden, wo die Truppe eigentlich hergekommen ist.

PTSDHey Yorga!
Erstmal: Glückwunsch zum großartigen ersten Album! Kannst du uns sagen, wie lang ihr dran geschrieben und im Studio gesessen habt?

Oh, insgesamt waren das wohl 144 Stunden im Studio bei drei Monaten Songwriting. Wir hoffen dass wir für’s nächste Album ne Menge Zeit kriegen.

Gibt es irgendwelche Lieblingssongs auf der „Burepolom“?

Hm… Unser Sänger Cristiano würde da wohl auf jeden Fall „Falling From The Eternity“ nennen. Bei mir gibt es keinen wirklichen Lieblingssong, vielleicht noch „Anyone“.

Mir ist aufgefallen, dass ihr gerade in der Mitte der Platte ne Menge Kriegssamples drin habt, wie Marschiergeräusche oder Sirenen. War es schwer an die Samples zu kommen?

Ne, das ist heutzutage kein Problem mehr, zumal das Internet da ja wirklich eine gute Quelle ist.

Die meisten Samples stecken ja vor allem im Titeltrack drin. Hat das einen bestimmten Grund?

„Burepolom“ war eine der Gulags auf der russischen Straßenverbindung zum sibirischen Kolyma. Die Samples beziehen sich nicht unbedingt auf die Gulag-Situation, stattdessen wollten wir ein atmosphärisches Konstrukt aufbauen, das generell auf Kriegszeiten übertragbar ist.

Und was war dann der ausschlaggebende Grund, weswegen „Burepolom“ auch der Name des Albums geworden ist?

Wörtlich bezeichnet „Burepolom“ einen Wald mit Sturmschäden. Es soll eine Stimmung ausdrücken. Außerdem waren diese Gulags bespielhafte Umwelten für das Auftreten von posttraumatischen Belastungsstörungen – PTSD.

Und deswegen ist auch die Schriftart auf dem Cover so russisch angehaucht?

Ja genau, das bezieht sich alles auf die Gulags. Das Cover Artwork zeigt einen verfallenen Raum für Experimente mit einem mechanischem Stuhl. Sowelche gab es zwar in Burepolom nicht, aber wir wollten dass man den Stuhl sieht und sich fragt, was man mit dem wohl angestellt hat. Es ist ziemlich düster und gänsehauterregend.

Ihr seid in Deutschland als neue italienische Band noch relativ unbekannt. Kannst du mir ein wenig berichten wie ihr euch gegründet habt?

Unsere mehr oder weniger erste gemeinsame Band hieß „Voltage“. Die hat dann zehn Jahre mit einigen Line-Up-Veränderungen und neuen musikalischen Einflüssen bis 2003 überlebt. Mit dem letzten Mitgliederaustausch hat sich die Band dann wirklich in eine neue Richtung verändert, und wir wollten das auch mit einem neuen Namen kenntlich machen.

Und was sprach dann im Endeffekt für PTSD?

Naja, jedes Bandmitglied hat bei sich nach Leichen im Keller gesucht, nach den Ängsten, den Alpträumen, dem eigenen „Mr. Hyde“. Alle Menschen haben ja irgendwie eine dunkle Seite. Und die Posttraumatische Belastungstörung kreiert im eigenen Körper eine Art zweite Persönlichkeit, weswegen wir daraus auch unseren Bandnamen gemacht haben.

Und das ist dann auch die Philosophie der Band?

Ja, es geht darum, das eigene Innere zu erforschen, und die Musik reflektiert was wir da gefunden haben.

Gibt es dazu bestimmte musikalische Einflüsse?

Naja, wir sehen uns nicht in einem speziellen Genre. Wir betreiben eine emotionale Alchemie, hören auf unsere Gefühle und den Pathos. Aber wir mögen natürlich auch andere Bands und bestimmte Genres, und so transportieren wir unseren Geschmack doch irgendwie in die Musik. Du kannst zum Beispiel teilweise ein Death- oder Black-Metal-Riffing in langsamen Tempo unter einem melodischen Gesang hören. Und da gäbe es noch jede Menge anderer Beispiele.

Kannst du uns was über euer Equipment sagen?

Wir stimmen unsere Gitarren und Bässe runter auf B. Aber bisher haben wir noch keinen Sponsor gefunden.

Letztes Jahr hab ich eine andere italienische Newcomerband gefragt, wie sie den Underground überlebt haben, und die haben mir ziemliche Schreckensgeschichten erzählt. Habt ihr solche Erfahrungen auch gemacht? Ist es schwer an Hörer und Konzerte zu kommen?

Es ist in Italien wirklich sehr schwer zu überleben. Es gibt eine regelrechte Ignoranz was tiefsinnige Musik angeht, und irgendwie kann man nur als Coverband existieren. Wir haben versucht einige Agenturen zu finden oder etwas zu organisieren, aber es ist wirklich irre schwer. Bisher haben wir einige Konzerte in Italien gespielt, aber wir wollen uns für die Zukunft vor allem nach Deutschland und zum Vereinigten Königreich orientieren.

Wie klappt es unter diesem Gesichtspunkt mit eurem „My Kingdom Music“-Deal? Können wir hoffen euch mal in Deutschland zu sehen?

Unser Vertrag mit „My Kingdom Music“ ist insofern untypisch, als das wir das Album vollkommen alleine produziert haben. Erst danach kam das Label und hat uns einen Vertrag für Vertrieb und Promotion der Platte angeboten. Und jetzt werden wir plötzlich weltweit vertrieben. Wir kommen nach Deutschland so früh wie möglich!

Gibt’s schon was über das neue Album zu sagen? Wird die Stimmung auf „Burepolom“ weitergeführt?

Die Arbeiten am neuen Album laufen sehr gut. Es wird ganz neue Atmosphären gehen, sehr depressiv und kalt, und natürlich viele neue Einflüsse. Wir haben uns mehr Zeit für das Songwriting und die Annäherungen an bestimmte Thematiken gelassen. Stay tuned!

Okay, dann danke für’s Interview! Nochmal Gratulation zum wirklich guten Album, ihr habt das letzte Wort!

Danke, wir sind wirklich für jede Unterstützung dankbar. Einen besonderen Gruß an unsere deutschen Fans!

01.02.2009

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