Secretum
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Interview

"Happy Happy Killing Time" heißt das neue Album der Berliner Truppe Secretum, welches brachialen Death/Thrash-Metal bietet. Trotz brutaler Texte und deftiger Musik, entpuppte sich der neue Sänger Kato als sehr lustiger und sympathischer Zeitgenosse, der meine Fragen mit spanischer Gelassenheit zu beantworten wusste.

SecretumEuer neues Album heißt ja nun „Happy Happy Killing Time“… wie kam es zu dieser Idee und wie darf man den Titel verstehen? Für mich hört sich dieser eher etwas lustig an oder ist da schon Ernst hinter?

Eher blanker Zynismus würde ich sagen. Der Titel spielt auf den Happening- und Event-Charakter an, mit dem heutzutage jedes Ereignis versehen wird. In einer Zeit, in der ein völkerrechtswidriger Krieg zum medialen Kasperletheater mutiert und jeder mittelklassige Serienkiller die T-Shirts pickliger Teenager ziert, wäre es nicht schwer vorstellbar, dass nach dem nächsten Bombenanschlag eine Benefizgala zu Gunsten der Opfer unter dem Motto „Happy happy killing time“ veranstaltet wird. Oder vielleicht bringt RTL bald eine neue Show heraus, in welcher der Kandidat, der alle seine Konkurrenten auf möglichst blutige Art beiseite geschafft hat, eine Statistenrolle in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ gewinnt. Arbeitstitel der Show: Happy happy killing time… hehe

Im Line-Up von Secretum hat sich letzte Zeit einiges getan. Könnest Du einmal Zu- und Abgänge festhalten und ein paar Worte zu den Neuen abgeben?

Die Band ist tatsächlich in kürzerer Zeit von drei auf 5 Mitglieder gewachsen. Erstmal bin ich im Oktober letzten Jahres gleich nach den Aufnahmen der Scheibe als neuer Shouter eingestiegen. Nach unserer Tour mit Defleshed und Fearer in Februar musste dann auch Kolja (alias Centrox) die Band verlassen und somit standen wir plötzlich ohne eines der Gründungsmitglieder da. Zum Glück hatte sich schon zu jenem Zeitpunkt unser neuer Bassisten Jokkel (alias Cunteye) für die Stelle beworben. Er wird bei einigen bekannt sein, weil er auch die 4-Seiten bei den Grinders Necromorph malträtiert. Er macht einen sehr guten Eindruck, zumal es auch schön ist, mal wieder einen Langhaarigen in der Band zu haben…haha!
Vor etwa zwei Monaten ist nun auch Lead-Gitarrero Daniel (alias Agrow) wieder mit von der Partie. Er hatte bereits 2001 bei SECRETUM mitgewirkt und das „Stronger than you“ Promo mit der Band aufgenommen. Ich denke, ich irre mich nicht, wenn ich sage, dass SECRETUM noch nie einen so guten Sound hatten. Hoffentlich wird das auch live perfekt umgesetzt, so dass sich das ganze Proben der letzten Monate gelohnt hat.

Du bist ja selbst erst vor ein paar Monaten dazugekommen und hast auf dem neuen Album noch nicht als Sänger mitgewirkt. Wie kommt ein sonnengebräunter Spanier (hehe) denn ins kalte Berlin? Und wie bist Du dann letztlich bei Secretum gelandet?

Oh ja, die Sonne…meine schöne Insel Teneriffa, wo ich herkomme…hmmm, Sehnsucht…was soll ich sagen? Wenn man jung ist, tut man halt alles und man geht auch Risikos ein. Ich wohne schon ne ganze Weile in Berlin, weil ich damals zum Studieren gekommen bin und ich die Stadt faszinierend fand. Tja, als Ausländer hat man es nicht immer leicht, vor allem, weil ich mit 18 ganz alleine hierher gezogen bin und ich in Deutschland niemanden kannte. Aber das ist jetzt alles Vergangenheit und nun versuche ich hier wie viele andere auch über die Runden zu kommen…In Spanien wollte mich keine Uni haben – kann ich auch verstehen – …ich fahre aber immer wieder nach Hause, um mich regelmäßig von der Deutschen Mentalität zu erholen hohoho…Spaß beiseite, ich bin hier sehr zufrieden und komme mit den meisten Leuten ganz gut klar.
Das mit SECRETUM hat sich so ergeben, weil ich mit meiner damaligen Band im gleichen Proberaum zockte. Wir verstanden uns gut und sie machten sich immer über meinen Akzent lustig. Dann merkten sie, dass ich auch Bier trinken konnte und dass die Band mit einem durchgeknallten spanischen Frontmann viel mehr Reiz haben würde. Eigentlich bin ich Schlagzeuger, aber das Mikro juckte mich sehr. Auf dem Album kann man mich bereits vor dem Song „Decapitation“ hören, aber das sind ja nur ein paar sinnlose Schreie auf Spanisch…

Alle Songs standen ja schon fest, als Du zur Band kamst. Wie ist es für Dich diese zu singen? Bist Du mit dem Gesang so zufrieden oder hättest Du es anders gemacht? Was wird sich nun mit Dir als Sänger ändern?

Die Songs machen mir viel Spaß, da ich im Ganzen „Happy Happy Killing Time“ ziemlich geil finde. Ich kann dir nicht sagen, ob ich es anders gemacht hätte, jeder hat halt seinen Stil. Allerdings bin ich persönlich sehr experimentierfreudig. Für mich bedeutet das alles eine kleine Umstellung, weil ich davor keine Erfahrung in so einer harten Combo gemacht habe. Meine Stimme ist auch kein typisches Death Metal-Gegrunze, es tendiert eher in die HC-Richtung…mal gucken wie sich das so entwickelt. Jemand, der uns mal live gesehen hat, schrieb, dass ich ein wenig mehr hasserfüllter in das arme Mikro schreie. Was sagt ihr in Deutschland immer von den Spaniern? Wir seien temperamentvoll oder so ähnlich? Hehe!

Du schreibst ja für das spanische „Hell Awaits“…erzähl doch mal ein bisschen über das Magazine und informiere diejenigen, die es noch nicht kennen.

HELL AWAITS (www.hell-awaits.com) ist das einzige gute Magazine in Spanien, was von Fans für Fans gemacht wird und was als einziges die extremen Richtungen (Death/Thrash/Black Metal, Grindcore) als Schwerpunkt hat (inkl. Sampler-CD in jeder Ausgabe). So konnten wir uns bisher ganz gut gegenüber den spanischen Ausgaben von RockHard, Kerrang und Hammer behaupten. Außerdem wird die Zeitschrift auch in Lateinamerika vertrieben, was auch von Vorteil ist. Ich bin sozusagen deren Korrespondent in Deutschland und liefere CD-Reviews, Interviews und Konzertberichte. Ich war jetzt die letzten 2 Wochen in Barcelona und hab dort meine Kollegen getroffen, viele davon kannte ich noch nicht persönlich. Auch in London sitzt ein Mitarbeiter. Ich bewundere immer wieder was die Verantwortlichen in Barcelona alles tun, um die Zeitschrift am Leben zu halten. Es ist wirklich verdammt schwer die teilweise konservative Medienlandschaft aus Spanien mit so einer Publikation zu konfrontieren.

Deine erste große Herausforderung bei Secretum war ja dann die Tour mit Defleshed. Erzähl doch einmal, welche Erfahrungen Du da gemacht hast und wie es für euch lief.

Yeah! Das war wirklich ne große Herausforderung für die ganze Band und insbesondere für mich als frisch eingestiegenes Mitglied. Aber zum Glück verlief alles viel besser, als wir es erwartet hätten. Leider wurde die Tour seitens der Veranstalter mit dem letzten Druck organisiert, so dass es an ein paar Orten an zufrieden stellenden Besucherzahlen mangelte. Trotzdem gab’s sehr viele Höhepunkte und alleine die Tatsache fast zwei Wochen in einem Tourbus durch Belgien, Holland und Deutschland zu verbringen, war ein unbeschreibliches Gefühl. Mit den Schweden Defleshed haben wir uns sehr gut verstanden und die haben uns auch nicht als Vorband betrachtet, sondern als gleichwertige Musiker behandelt. Matte Modin, Lars Löfven und Gustaf Jorde bangend vor der Bühne zu haben, war eine sehr große Ehre für uns! Ich hab in Juli sogar Gustaf in Schweden besucht und mit ihm nochmals einen drauf gemacht…echt nette Leute diese Schweden, obwohl sie ganz am Anfang fast nix sagten, Skandinavier halt…
Auch von unseren Kollegen aus Emden Fearer kann ich nur positives erzählen.
Ich denke, wir kamen bei den meisten sehr gut an und haben auch viele T-Shirts und CDs verkaufen können. Insofern nichts zu meckern 😉

Es scheint, dass ihr eine Art Filme-Freaks seid, denn eure Songs sind oft mit Hintergrund-Samples unterlegt oder sie werden damit eingeleitet. Gibt es ein Genre, welches ihr besonders mögt?

Der einzige wahre Film-Freak in unserer Band ist unser Gitarrist Jan (alias Maeztro). Der weiß ja immer bescheid, wann gute Filme laufen und wer darin spielt. Außerdem holt er sich immer DVDs, die ich dann immer ausleihe. Er mag alte Dario Argento Filme genauso wie diese brutalen Sachen aus Japan, die wirklich genial sind. Ich persönlich mag gutgemachte Filme, egal von welchem Genre und ich glaub ich spreche hier für alle in der Band. Natürlich zählen Meister wie Lynch oder Kubrick zu meinen Favoriten, aber es gibt auch eine ganze Menge Produkte, die mich immer wieder positiv überraschen. Gerade aus meiner Heimat kommen in den letzten Jahren ganz geile Filme und talentierte Regisseure wie Alex de la Iglesia.
So oft gehe ich ehrlich gesagt nicht ins Kino und so Sachen wie die neuen Matrix oder Terminator habe ich mir auch nicht angeguckt. Sind bestimmt gut produzierte Filme, aber wie ich von anderen gehört habe, ist das schon alles, was die anzubieten haben. Da will eindeutig die amerikanische Filmindustrie ein bisschen Geld mit ein paar geilen „Special Effects“ verdienen und die Leute gehen voll ab….hmm, nicht mit mir, danke!

Was macht den Reiz schicker Anzug mit Gasmaske aus? Alles Image oder nehmt ihr das da schon ernster? Werdet ihr so auch live auftreten? 🙂

Tja, für die Gasmasken haben wir schon viel Schelte erhalten nach dem Motto, so was dürfe man nach Pungent Stench nicht mehr bringen. Aber hier ist wohl unsere Old-School-Ader mit uns durchgeschlagen. Wie schon bei unserer Musik wollten wir zwar traditionelle Elemente übernehmen, aber diese zugleich auch durch moderne Elemente brechen. Daher haben wir die Nummer mit den Anzügen gebracht im Stil von RESERVOIR DOGS oder AMERICAN PSYCHO. Die Kompensation von Sinnverlust durch popkulturelle Muster und die damit einhergehende Trivialisierung von Gewalt kann wohl kaum besser dargestellt werden als in diesen Meisterwerken, aber wir schlagen mit „Happy Happy Killing Time“ textlich genau in die Kerbe. Bei Live-Auftritten machen wir jedoch so eine Maskerade nicht, da steht die Musik im Vordergrund und das ist doch schließlich immer noch das wichtigste…

Der letzte Song „Don´t look now“ ist ja ziemlich anders, als der Rest… kam da eurer „elektronische Seite“ raus? 🙂 Ist dieser vielleicht richtungweisend fürs nächste Album? 🙂

Klar! Ganz sicher! Haha…erwartet als nächstes eine Techno-Scheibe von SECRETUM, wir kommen ja schließlich aus Berlin und werden sie dann bei der nächsten Love-Parade präsentieren. Nö, also die Idee kam von unserem Schlagzeuger Ives (alias Evil_e), der einen gewissen Dj Orange von Formosan Records kennt. Der Vorschlag unseren Song “Don’t look now” als Noise-Ambient Remix zu verarbeiten, fand er gut und hat es dann umgesetzt. Bisher gab es bei 95% der Reviews nur schlechte Kommentare zu diesem Stück, hahaha! Und in der Tat kann man dabei kaum was vom Original erkennen, aber was soll’s? Ich höre privat ja ab und zu ganz gerne Industrial und Noise Sachen, von daher stört’s mich nicht. Wer es nicht mag, soll sich die anderen Songs reinfahren und das Ding einfach vergessen.

Gibt es neben einem spanischen Sänger und einem slowakischen Label noch irgendwelche ‚exotischen‘ Seiten bei euch? Und außerdem: Wie seid ihr denn zu Metal Age Productions gekommen? Ist dies nicht etwas ungewöhnlich für eine deutsche Band? Ich könnte mir vorstellen, dass die Zusammenarbeit etwas schleppend ist…stimmt das?

Hehe…unser Lead-Gitarrist Agrow ist auch halb Italiener halb Holländer und besitzt einen deutschen Pass. Und der Evil_e kommt zwar aus Berlin, aber manchmal lässt er seiner bayerischen Herkunft freien Lauf, so dass ich dann gar nix mehr verstehe. Wenn das exotisch ist…na ja, so gesehen bin ich eigentlich der einzige 100%ige Ausländer in der Band.
Was das Label betrifft, kam das ganze echt gelegen. Die Jungs wollten die Scheibe aufnehmen, als da plötzlich das Angebot von Metal Age Productions kam. Die Slowaken hatten irgendwie das „Stronger than You-Promo“ gehört und waren davon begeistert. Da der Band zu diesem Zeitpunkt keine anderen Angebote vorlagen, hat man sich für dieses Label entschieden. Die Kommunikation ist am Anfang ein bisschen schwer gewesen, wegen der langen Postwege usw. Mittlerweile haben wir die ganze Mannschaft von M.A.P. schon zweimal getroffen; das letzte Mal auf der “Meet & Greet-Party” von unserem Vertrieb Twilight in Lübeck. Das sind echt ganz nette Leute mit ganz guten Ideen und vor allem Initiative. Dafür dass sie ziemlich Underground sind, leisten sie eine hervorragende Arbeit, vor allem was die Promotion angeht. Man kann echt nicht meckern. Ich bin mir sicher, dass sie weiter wachsen werden und irgendwann von der ganzen “Metal-Community” (insbesondere von den Medien) berücksichtigt werden. Ein paar geile Bands haben sie schon auf Lager.

Gerade im Death/Thrash-Sektor gab es ja in den letzten Monaten ein paar sehr gute Veröffentlichungen (z.B. Dew-Scented oder auch die Melo-Death-Ecke mit Soilwork, In Flames…etc.etc.) Denkst Du, dass der Black Metal den Rang abgelaufen hat und nun wieder der Death Metal angesagter ist? Was sind hier Deine Favoriten?

Ach na ja, ob jetzt der Thrash-, Death- oder Black Metal angesagter ist, interessiert mich ehrlich gesagt nicht die Bohne. Ich stehe schon seit 12 Jahren auf Metal und höre natürlich nur das, was mir gut gefällt, ohne drauf zu achten, ob das jetzt der einen oder anderen Richtung entspricht. Ich find auch diese kleinen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Tendenzen absolut lächerlich. Metal ist nicht nur eine Musik sondern auch eine Attitüde und wenn sich die Fans streiten, weil sie sich härter als die anderen vorkommen, dann macht das ganze keinen Sinn mehr.
Bei mir zu Hause läuft den ganzen Tag Metal oder HC in allen Varianten. Ganz abgesehen von solchen Sachen wie Linki Blinki oder Limp Biscuit…ich rede ausschließlich von Metal.

Gerade im September/Oktober habt ihr ja noch einige Live-Auftritte vor euch. Wie ist das für euch mit immer neuen Bands zu spielen? Ist da eine Tour mit 3-4 festen Bands angenehmer, als jeden Abend mit anderen Bands den Backstage-Raum zu teilen?

Immer mit neuen Bands zu spielen ist sehr aufregend. Trotzdem ist eine Tour mit festen Bands natürlich geiler, wenn man sich untereinander gut versteht, so wie es bei unserer Tour mit Defleshed und Fearer der Fall war. Dann entsteht nach ein paar Tagen eine ziemlich ausgelassene Atmosphäre, weil man sich dann besser kennt. Insofern ist das schon viel lustiger. Die meisten Bands, mit denen wir jetzt spielen werden, sind für uns unbekannt. Gerade im Backstage-Raum mit der ganzen Aufregung vorm Auftritt ist es manchmal sehr schwer ins Gespräch zu kommen.

Vielen Dank also nochmal für das Interview und ich hoffe, dass wir uns dann in Osnabrück treffen. Und zu guter Letzt: Ein Schlusswort oder möchtest Du sonst noch was loswerden?

Vielen Dank fürs Interview und die Unterstützung! Wir werden zwischen September und November mehrere Konzerte in ganz Deutschland spielen und ich hoffe, da kommen viele Leute hin. So wie es aussieht werden wir auch ein paar Dates für Pungent Stench und Gorerotted den Opener machen. Besucht mal einfach unsere Internet-Seite (www.secretum.de ) und gebt uns eine Chance…wir werden alles geben!!!

19.09.2003

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