
The Night Eternal
Gefangen im Zauber
Interview
Es fällt auch auf, dass jeder der beteiligten Musiker noch mal zugelegt und sich individuell weiterentwickelt hat. Die Soli sind feinfühliger, die Drums haben interessantere Fills und so weiter. Ricardo zeigt völlig neue Facetten seines Gesangs. Bei “Dance On Crimson Ground” hatte ich beim ersten Hördurchlauf Gänsehaut.
Rob [grinst]: Obwohl der für dich kein Hit ist?
Ist ja keine Herabwürdigung, er ist einfach eine ganz andere Dimension von Song. Aber da wir gerade von den einzelnen Instrumenten sprechen: Ich glaube, ich habe euch noch nie mit eurem eigentlichen Drummer Aleister Präkelt live gesehen. [Ricardo kichert]. Der Bass ist bei euch ebenfalls gerade nicht fest besetzt. Kann sich sowas negativ auf das Bandfeeling auswirken, gerade wenn man gerade ein Album vorbereitet oder motiviert das sogar?
Ricardo: Gute Frage. Schwierig zu beantworten. Das Album hat Marco von WITCHING HOUR, den wir auch schon ein paar Mal live dabei hatten, eingespielt. Unfassbar guter Bassist. Es ist immer wieder wie ein aufregender Neustart, wenn man mal wieder mit jemandem anderen spielt. Vor kurzem ist Kerem von IMHA TARIKAT wieder dazugestoßen. Es ist immer ein bisschen anders, aber immer anders geil. Es macht schon echt Spaß und ist super interessant zu sehen, wie sich Songs verändern, sobald eine andere Person dabei ist. Jetzt ist auch unser Schlagzeuger Aleister ausgestiegen und wir spielen erst mal mit Jerome von IMHA TARIKAT, EXUMER und tausend anderen Bands. Es ist auch wieder komplett anders, aber wieder anders geil und menschlich spaßig.
Rob: Definitiv. Es ist ja auch nicht so, dass wir eines Morgens aufgestanden wären und gesagt hätten: ‘Wir wollen innerhalb von einem Jahr mit drei Bassisten und fünf Schlagzeugern auf die Bühne.’ Das liegt an Jobs, die wir erledigen müssen, Gigs, die uns angeboten werden und Aufnahmen, die anstehen. Das versuchen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten bestmöglich zu machen. Wenn ich mit Kerem auf der Bühne stehe, finde ich das saugeil. Wenn ich mit Marco auf der Bühne stehe, finde ich das saugeil. Beide sind auch geil für das Bandgefüge, weil sie frischen Wind in die Band bringen.
„Ich wäre glücklich, wenn wir irgendwann einen festen Schlagzeuger haben.“
Auf der anderen Seite wäre ich schon ganz glücklich, wenn wir in Zukunft einen festen Schlagzeuger haben. Wenn der mal aufgrund seiner anderen zwanzig Bands nicht kann, hat man einen Stand-in. Für uns ist das ja auch neu. Bis 2022 haben wir alles zu fünft durchgezogen. Dann ist irgendwann Jones ausgestiegen. Mit Jannik war es für anderthalb Jahre auch noch relativ stabil. Ich finde, wir haben es trotzdem ganz gut gemeistert und ich denke, wir sind auf einem guten Weg, dass das Ganze auch irgendwann wieder stabil läuft.
Man konnte euch ja schon mit Drummern erleben, die das Set gerade erst gelernt und zum ersten Mal live gespielt haben, zum Beispiel letzten November in Chemnitz oder bei der Walpurgisnacht dieses Jahr. Man hat das weder euch noch den Drummern je angemerkt.
Ricardo: Wir hatten da aber auch faszinierend gute Ersatzleute, die es in so kurzer Zeit geschafft haben, sich das in’n Kopf reinzuprügeln, dass es fast gemeingefährlich ist. Julian, der im November ausgeholfen hat, hat das Set in 24 Stunden gelernt! Und zu Jerome muss man wahrscheinlich nicht viel sagen. Der spielt seit Äonen Schlagzeug und ist ein absoluter Meister an seinem Instrument. Ein, zwei mal proben, dann hat alles gesessen.
Rob: Wenn wir schon dabei sind, all unseren Schlagzeugern Props zu geben, müssen wir auch Marcel erwähnen. Der hat für uns ein Mal bei einem Gig in Österreich ausgeholfen. Der hat auch nur eine Probe mit uns gespielt und stand dann mit uns auf der Bühne.
Ricardo: Und mit Gereon von HEXER haben wir auch eine Show gespielt, das hat auch super geklappt.
Rob: Fünf an der Zahl seit Oktober.
Nicht schlecht.
Ricardo: Ich frage mich, wer verrückter ist. Die ganzen Schlagzeuger oder wir?
Auf welchen Song des neuen Albums seid ihr so stolz, dass ihr am liebsten in jedem Interview darüber sprechen würdet?
Rob: Ich würde auf jeden Fall “Caught In A Spell” sagen. Dieser Song hat alles, was ich auch gern in Musik höre. Der Song löst in mir immer Dopamin-Kicks aus. Als wir ihn letztens live gespielt haben, hatte ich auch den Eindruck, der kommt beim Publikum sehr gut an. Vielleicht der beste Song, den wir bisher gemacht haben? Auf Position zwei ist für mich die dritte Single, und zwar “The Veins Of Time”. Aber Ricardo hat bestimmt eine ganz andere Sichtweise.
Ricardo: Joah… “Caught In A Spell” ist wirklich ein geiler Song. Ich finde tatsächlich auch “The Veins Of Time” so richtig geil. Da freu’ ich mich auch tierisch, den live zu spielen. So einen Song hatten wir wirklich noch gar nicht. Ich bin gespannt, wie die Leute reagieren. Ich freue mich auch auf Roberts sogenannte ‘Power-Ballade’. [Er meint “Dance On Crimson Ground” – Anm.] Der ist ja auch komplett anders. Es war übrigens auch cool, dass die Leute schon die ersten Singles mitsingen konnten.
Hattet ihr bei einem anderen Song zuvor schon mal das Gefühl: ‘Krass, den muss ich jetzt erst mal toppen können’?
Rob: Ich habe zwei Lieblingssongs. Bis zum neuen Album war der Song, bei dem ich dachte, ihn nicht toppen zu können “Prince Of Darkness”. Außerdem mag ich ganz persönlich “Run With The Wolves” am liebsten.
Ricardo: Der ist schon echt geil, ja. Mit “Prince Of Darkness” würde ich auch mitgehen. Wir haben ihn nur ein oder zwei Mal bisher live gespielt, aber “Prometheus Unbound” mag ich auch sehr. Und ich ärgere mich, dass wir “Prison Of Flesh” noch gar nicht live gespielt haben. Ich liebe den Song, aber wir haben den noch nicht mal geprobt.
Rob: Weil der Song so in der Fassung eigentlich gar nicht existierte. Wir hatten den Song schon aufgenommen und Ricardo hat er gar nicht gefallen. Also haben wir uns in kürzester Zeit etwas überlegt, was auch auf diese Schlagzeugspur passt und das war “Prison Of Flesh”.
Ricardo: Ohne Scheiß, Robert. Ich muss dir mal sagen, dass das übelst heftig geil gewesen ist, dass du das in so kurzer Zeit hingekriegt hast.
Ihr seid selbst noch eine relativ junge Band, aber aufstrebend und sicher selbst bald schon ein Einfluss für jüngere Bands. Welche jüngeren bzw. Underground-Bands haben euch zuletzt so richtig abgeholt?
Ricardo: Zuletzt einige. DEMON SPELL aus Italien finde ich unfassbar gut. MORAX aus Norwegen sind auch top, geht in unsere Richtung, vielleicht etwas Metal-lastiger. Mit denen haben wir in Písek gezockt. BLIZZEN aus Gießen sind etwas älter als wir, aber haben wieder ein richtig geiles Album gemacht.
Rob: Die üblichen Verdächtigen kann man noch erwähnen: AMETHYST, VENATOR. [grinsend] Mit denen müssen wir auch immer spielen, ob wir wollen oder nicht.
Ricardo: Stimmt, dann wird’s immer böse.
Rob: Außerdem bin ich großer BRUTUS-Fan. Ich habe kaum ein Album so oft gehört in den letzten Jahren wie “Unison Life”. Was auch immer das für eine Musikrichtung ist – Hammer!
Ihr geht demnächst mit MESSA auf Tour, einer Traumkombination, die wie die Faust aufs Auge passt. Wenn ihr mit egal wem – tot oder lebendig – die Bühnen teilen könntet: mit wem wäre das?
Rob: SCORPIONS auf jeden Fall.
Ricardo: Schwierig. Aber ich würde wahrscheinlich mit DIO auf Tour gehen wollen. Oder BLACK SABBATH mit Dio. Das wär’s!
Rob: Sehr gut, da würde ich auch mitgehen. Ich würde sogar mitkommen, wenn bei BLACK SABBATH noch mal Tony Martin singt.
Ricardo: Boah Junge, richtig krank.
Kriminell unterbewertete Phase.
Beide: Übelst!
Rob: Ich sage immer gern, wenn Ronnie James Dio die “Headless Cross” eingesungen hätte, wäre das der Ultra-Metal-Klassiker! Nicht, weil die Qualität besser wäre, aber weil der Status größer gewesen wäre.
“Tyr” ist auch unterbewertet.
Rob: Definitiv. Da kann man mal reinhören und sich fragen, warum das nicht schon früher gemacht wurde.
Schön, dass wir in diesem Interview mit THE NIGHT ETERNAL auch über die wichtigen Themen im Metal sprechen konnten. Ihr könnt gern noch mal den Bogen zu euch spannen und letzte Worte an unser Publikum richten.
Rob: Wir möchten natürlich gern dazu aufrufen, den Release unseres neuen Albums an drei verschiedenen oder allen drei Tagen zu feiern. Am 20. August in Kassel, am 21. August in Hamburg und am 22. August in Essen, jeweils mit MIDNIGHT PREY, BLIZZEN bzw. IMHA TARIKAT, WITCHING HOUR und wen hab ich vergessen …?
Ricardo: ATTIC!
Rob: Oh … !
Ricardo: Ich schreib’ gleich Max Werner, dass du ihn vergessen hast!
Rob: Das sag ich ihm schon selbst. Wir werden jedenfalls einen geilen Abriss machen, eine spezielle Setlist und eine geile Party haben.
Ricardo: Robert hat alles gesagt. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um meinen Kumpel Max Werner von ATTIC zu grüßen. Weil, ich vergesse den nicht. [Gelächter]
Rob: Bei der Gelegenheit möchte ich noch einen weiteren Max grüßen. Und zwar Max Bergmann von ERAZOR. Das ist mir sehr wichtig. Max Mayhem von EVIL INVADERS grüßen wir auch noch!
Gut, dass muss ich dann wohl so aufnehmen.
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| Band | |
|---|---|
| Stile | Heavy Metal |
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