Turilli/Lione Rhapsody
Wiedergeboren und weiterentwickelt

Interview

RHAPSODY zum Zweiten: Die eine Hälfte der einstigen Medaille hat ihr Album bereits im Frühjahr unter dem Titel „The Eigth Mountain“ veröffentlicht und hält dabei die Fahne der ursprünglichen RHAPSODY hoch – auf der anderen Seite haben sich nun die einstigen Protagonisten der italienischen Power-Metal-Institution, Luca Turilli und Fabio Leone, unter dem Banner TURILLI/LIONE RHAPSODY zusammengetan, um auf ihre Weise das Erbe weiter zu tragen.

Turilli/Lione Rhapsody

Zero Gravity (Rebirth And Evolution)

Das Ergebnis heißt „Zero Gravity (Rebirth And Evolution)“ und hat eine interessante Vorgeschichte. Darüber und natürlich über den neuen Sound haben wir mit den beiden Hauptcharakteren des Projektes gesprochen, als diese im Rahmen der Promotionskampagne in Düsseldorf zu Gast waren. Luca Turilli und Fabio Leone sprachen dabei…

… über das allgemeine Befinden

Wir haben derzeit viel zu tun, sodass wir stellenweise das gesamte Frühstück einfach auslassen, einfach nur um unseren Aufgaben nachkommen zu können. Aber es macht Spaß, immerhin arbeiten wir ja dafür, unser neues Album zu promoten. Dafür steht man gerne früh so zwischen 7 und 8 Uhr am morgen auf und macht sich direkt an die Arbeit, ohne Kaffee oder Brötchen am Morgen. (lacht) Aber wir setzen ja unsere Vision für das Album um, das feuert uns noch einmal zusätzlich an. Dazu kommen erste Vorbereitungen für unsere Tour, die um Oktober herum in Asien beginnen wird und die wir 2020 im Rahmen einer größeren Unternehmung auch nach Europa führen werden.

… über die Crowdfunding Kampagne und die Arbeiten am Album

Die Kampagne war ein wichtiger Schritt, keine Frage. Wir wollten das bestmögliche Ergebnis mit diesem Album erzielen und die Fans haben uns sehr dabei geholfen. Wir haben echt eine ganze Menge an Fundings zusammentragen können, das Crowdfunding-Ziel war innerhalb von sieben oder acht Tagen erreicht. Wir haben an die drei bis vier Wochen im Studio verbracht. Auch der Support von Nuclear Blast war wie immer fantastisch, zumal wir „Zero Gravity (Rebirth And Evolution)“ als das Debüt einer vollkommen neuen Band ansehen.

… über den Anteil an RHAPSODY in TURILLI/LIONE RHAPSODY

Wahrscheinlich beträgt der so zwischen 30 und 40%. Spuren der Vergangenheit werden wir natürlich immer mit uns herumtragen. Und ich denke, dass man dem Album diesen Touch „alter“ RHAPSODY auch anhört, ohne zu sehr aufzufallen. In gewisser Weise ist „Zero Gravity (Rebirth And Evolution)“ ein Konzeptalbum über uns selbst als wiedergeborene Band. Wohin es von hier aus geht, wird sich zeigen, aber es steckt im Bandnamen: TURILLI/LIONE RHAPSODY. Wir werden das nie ganz abschütteln.

… über die Idee hinter diesem Projekt

Eigentlich ist das ganze durch reinen Zufall entstanden. Es gab ja diese Farewell Tour, mit der ich [Luca Turilli, Anm. d. Red.] das Kapitel RHAPSODY schließen wollte. Das sollte einfach nur ein Fest anlässlich dieser Zeit sein, wie schon gesagt: Wir wollten das Kapitel abschließen und uns hiernach anderen Dingen widmen. Der Erfolg war natürlich groß und das zog Anfragen von Fans nach sich, ob wir nicht doch weitermachen könnten. Und hieraus hat sich das langsam ergeben, doch anstatt einfach nur alte RHASPODY wieder aufzuwärmen, wollten wir was anderes schaffen.

Im Grunde steckt hierhinter ein Album, dass wir ein bisschen wie eine Power-Metal-Version von QUEEN klingen lassen wollte, mit Fabio als Sprachrohr. Denn QUEEN sind eine echte Größe, wenn es um packendes Songwriting und zum Teil verrückte Gesangsarrangements geht. Uns schwebten „Innuendo“ und „A Night At The Opera“ vor, wobei wir natürlich stets versucht haben, unsere eigene Marke zu setzen. Soll heißen: Die Einflüsse sind nicht voneinander isoliert, sondern greifen ineinander. Wir haben viel damit experimentiert und hoffen, dass unsere Fans das mögen werden.

Dazu kommen weitere Einflüsse, die üblicherweise nicht in den RHAPSODY-Kosmos hinein finden. Zum Beispiel gibt es härtere Riffs wie bei RAMMSTEIN, Arrangements, die von WITHIN TEMPTATION, teilweise sogar DREAM THEATER inspiriert worden sind. Ursprünglich sollte die Band ZERO GRAVITY heißen, aber die Promoter sahen das Potential, die Wiedergeburt richtig zu vermarkten. Also wurden wir zu TURILLI/LEONE RHAPSODY, während „Zero Gravity“ der Titel und „Rebirth And Evolution“ das Motto geworden ist.

… über die Progressivität hinter „Zero Gravity (Rebirth And Evolution)“

Wir sind nicht mal sicher, ob der Sound wirklich progressiv ist. Was würde Progressivität überhaupt bedeuten? Wenn es nur darum geht, künstlerisch interessant zu sein, dann ja: Dann sind wir progressiv. Aber dann wären auch viele andere progressiv. Es ist also nicht leicht, diesen Begriff bedeutungsvoll einzusetzen. „Progressiv“ heißt ja heutzutage nichts mehr besonderes, da so vieles als „progressiv“ bezeichnet wird. Gerade der Progressive Power Metal hatte ja seinen Boom um die späten 90er und die 2000er herum. Aber diese Bands sind größtenteils verschwunden. Übrig geblieben sind davon noch Leute wie MYRATH, die aber auch echt gut sind.

Was geblieben ist, ist die Breite des Spektrums an Einflüssen und Elementen, die in den Power Metal eingearbeitet werden. Und dieses weiterzudenken, das wäre progressiv. Doch derzeit haben wir viele Bands, wie BEAST IN BLACK, die ihre Einflüsse und Lektionen von anderen Bands ziehen und diese gekonnt umsetzen. Aber sie spielen keine neuartige Musik. Sie versuchen zu wiederholen, was gut war. Oder schau dir QUEENSRYCHE an. Ihre letzten Platten waren auch gut, doch wieder steckte nichts neues dahinter. Das Prädikat „progressiv“ passt da einfach nicht mehr. Und deshalb sind wir auch vorsichtig damit, dieses Prädikat auf uns anzuwenden.

… über den Unterschied zwischen deutschem und italienischen Power Metal

Wie schaut es denn mit dem Power Metal in Deutschland aus? Der ist ja meistens eher traditionell orientiert, oder? In Italien geht es beim Power Metal ja vor allem um Geschwindigkeit und Melodien. Wir versuchen, nicht so sehr in der Vergangenheit herumzulungern, auch wenn wir gerne klassische Einflüsse mit einfließen lassen. Die symphonischen Elemente passen halt auch einfach in das melodische, dramatische Bild hinein und kommen daher immer bei uns zum Einsatz.

Aber wir im Speziellen wollten auch zeitgemäße Einflüsse mit einbringen. Gerade WITHIN TEMPTATION dienten uns als Inspiration mit ihrem Modern Symphonic Metal. Nur haben wir dem eben unseren eigenen Stempel verpasst.

Seiten in diesem Artikel

12
28.06.2019

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 31618 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Kommentare