Vehemence
Vehemence

Interview

Eigentlich sollte dieses Interview schon vor knapp sieben Wochen stattfinden, aber da die US-Tour mit Prong dazwischen kam, verschob es sich leider. Saitenflitzer John Chavez nahm sich nach getaner Arbeit jedoch die Zeit, um meine Fragen zum aktuellen Album „Helping The World To See“ zu beantworten.

VehemenceKannst Du bitte den Titel „Helping The World To See“ erläutern? Was kann die Welt nicht sehen? Für mich hört sich das ein wenig nach einem wirtschaftlichen oder politischen Titel an, aber was habt ihr mit diesem Titel beabsichtichen wollen?

Vehemence helfen der Welt die realistischen Problematiken zu sehen, die die Welt heutzutage hat. Dies beinhaltet Songs über unheilbare Krankheiten und dessen Todesprozess, Terrorismus, ein einseitiges christliches Extremisten Fernsehnetz, Drogen, eine wahre Verbrechensgeschichte, eine Ode an alle Soldaten, Depressionen, familiäres Fehlverhalten, politische Themen und die pädophilen Dinge der katholischen Kirche. Nachdem wir gesehen haben, was in der letzten Dekade passiert ist, schrieben wir Texte in Beziehung zu den News und den Veränderungen der Welt. Wir hatten schon in der Vergangenheit unsere verschlüsselten Botschaften in den Texten, doch dieses Mal gehen wir einen Schritt weiter, so dass jeder verstehen wird, was wir meinen.

Gibt es keine Arbeit mehr für einen Keyboardspieler oder warum musste Jason gehen? Beim Song „You Don’t Have To Be Afraid Anymore“ gibt es allerdings eine nette Keyboardmelodie. Wird es in Zukunft weiteren Einsatz der Tasten geben oder war es das?

Jason Keesecker hat einige sehr gute Keyboardpassagen geschrieben, aber er hat realisiert, dass er nur drei Songs von 30 hatte, in denen er spielte. Wir konnten diese drei Songs nicht jedes Mal spielen, wenn wir auf Tour waren, also verließ er selbst die Band. Wir hätten das schon eher sehen müssen, bevor wir ihn als festes Mitglied dazuholten, aber er verließ die Band und seitdem haben wir nicht mehr viel von ihm gehört. Vehemence haben das Keyboard nur als Atmosphäre und wir waren ursprünglich eine 5-Mann-Combo. Wir zogen nicht in Betracht, dass unser Sound sein sollte wie Dark Tranquility. Der Song „You Don’t Have To Be Afraid Anymore“ hatte wesentlich mehr Keyboards von Jason, aber Bjorn entschied, dass nur der erste Piano-Part stehen bleiben sollte und dass er diesen spielen würde. Mit Musik wissen wir nie so genau und wir sind für alle Ideen offen. Bei den nächsten Liveauftritten werden wir vielleicht einen Sequenzer für die Keyboards benutzen, wenn wir eine Roadie-Crew haben.

Vehemence ist eigentlich noch eine recht unbekannte Band (zumindest hier in Europa), obwohl ihr euch ja schon 1995 gegründet habt. In den letzten 2-3 Jahren konntet ihr allerdings ordentlich an Bekanntheit dazugewinnen. Was hat sich für euch als Musiker verändert, nachdem ihr bei Metalblade unterschrieben habt?

Wir sind eigentlich erst zwei Jahre im Geschäft, für uns ist das der Anfang. Die Jahre zuvor zählen gar nicht, denn diese Jahre waren nicht in den Metalmedien der Welt. Seitdem wir bei Metalblade unterschrieben haben, ist unser Album in der ganzen Welt erhältlich, Dank der ungeheuer großen Distribution. Unser Bandname und unsere Musik sind in der ganzen Welt bekannt und wir waren schnell in den Metalgemeinschaften willkommen. Seit dem Tag ist unsere Band bekannter geworden und jetzt haben wir tausende von Fans und Vehemence-Fanatics. Es fühlt sich gut an, dass dieses geschehen ist; wir können nur hoffen, dass wir größer werden und von unserer Musik leben können, was für Death Metal schwierig, aber dennoch möglich ist.

Ich finde, dass das Cover von “Helping The World To See” sehr gut aussieht und perfekt zu den Lyriks passt. Wie kam es zu dem Cover?

Wir haben dem Künstler Wes Benscoter nur den Titel unseres Albums gegeben und er entwickelte dann den grausamen Rest. Alle in der Band sind der Meinung, dass das das bisher beste Artwork von Wes ist. Wir hatten keine Ahnung, dass das Albumcover so großartig werden würde.

In der Vergangenheit hattet ihr ja eher diesen Gore-Style für eure Cover, was euch doch Probleme in Deutschland mit SPV einbrachte. Das aktuelle Coverbild sieht für mich irgendwie „kultivierter“ aus. Denkst Du, dass solche Cover besser zu Vehemence passen?

(lacht) Yeah es sieht kultiviert aus, alleine schon wegen des Dämons, der einen alten Globus in der Hand hält und ihn fressen will. Wir dachten, dass SPV dieses Album wohl wieder zensieren würden, weil die Wirbelsäule, nach guter alter Goremode, aus dem Kopf des Dämons kommt. Ich denke, es war der Name Wes Benscoter, der das Album vor den Zensur rettete. Das Coverlayout kann sehr wichtig sein für die Botschaften einer Band oder aber für die konzeptionellen Ideen. Das jetzige Layout war eher „basic“, wenn man es mit dem von „God Was Created“ vergleicht, denn das neue Album ist realistischer.

Als Bonustrack gibt es „Her Beautiful Eyes“. Warum gerade diesen alten Track?

Das ist ein Song, den wir schon lange live spielen und das Publikum mag ihn sehr, so dass wir ihn einfach herausbringen mussten. Die Lyrics von „Her Beautiful Eyes“ gehen einher mit den Dingen, die heutzutage auf der Welt los sind mit den katholischen Priestern, die Kinder belästigen oder auch die Kindesentführungen.

Ich finde, dass die Vehemence-Timeline, die ihr als CD-Rom Teil mit auf die CD gepackt habt, sehr gelungen ist, da sie viele Liveausschnitte, Proben und Dinge enthält, die man sonst so nirgendwo sehen kann. Habt ihr in der Vergangenheit extra viel Material aufgenommen, mit dem Hintergedanken eine solche Dokumentation zu machen?

Nun, wir wussten, wenn wir nichts veröffentlichen, wird es irgendwann vergessen sein, deswegen entschieden wir unsere gesamte Geschichte zu zeigen, die wir bisher hatten. Wir zeigten keine kompletten Stücke, sondern lediglich Clips einiger Songs, denn wir wollten möglichst mit vielen die Fans erfreuen. Die Zeitlinie haben wir außerdem gemacht, um zu zeigen, dass wir keine zusammengeschusterte Band sind, sondern, dass wir auf eine Geschichte zurückblicken können, bevor wir von einem Majorlabel gesigned wurden.

Ihr habt ja auch ein Video für „By Your Bedside“ gemacht. Ist dieses gedreht worden, damit man es auch auf MTV oder VIVA senden kann oder war es nur für eure Webseite und vielleicht als CD-Bonus gedacht? Denkst Du, dass es für Metalbands wichtig ist auch das Fernsehen als Werbeplattform zu benutzen?

Wir werden das Video von „By Your Bedside“ bald an MTV und andere Fernsehsender schicken. Wir arbeiten zur Zeit auch an einem anderen Video für den Song „We Are All Dying“. Es ist wichtig in diese Fernsehshows zu kommen, denn sie werden von Millionen von Leuten gesehen. MTV2 ist nun auch kostenlos im Kabelnetz hier in Amerika. In anderen Ländern ist es wichtig, dass die Sender auch das gleiche zeigen, damit die Zuschauer ein differenziertes Bild bekommen.

Findest Du auch, dass die Death-Metal-Szene wieder aktiver wird? Nachdem der Black Metal ja ziemlich an Beliebtheit verloren hat, kommt die Welle des Death Metals scheinbar zurück. Ist das nur ein Phänomen in Europa oder spürt man in den USA auch was davon?

Ich freue mich zu hören, dass das in Europa der Fall ist. Hier in Amerika schwächelt der Death Metal und Black Metal stark. Sie sind hier nicht länger populär, jedoch Hardcore/ Metalcore erfreuen sich hier größter Beliebtheit. Es wir immer mehr Geld für das Metalcore-Phänomen ausgegeben, was vor einigen Jahren schon tot war. Mode und Trend klinken sich da mit ein, so dass es für jeden leicht wird da zu folgen. Wir können nur hoffe, dass Death Metal wieder beliebter wird in diesem Land.

Einige von euch haben bereits Familie und Kinder und ich nehme an, dass ihr auch noch alle eure Jobs habt. Ist es für euch unter diesen Umständen schwierig zu Touren und besonders auch nach Europa zu kommen? Du hast mir im Vorfeld erzählt, dass ihr nächstes Jahr nach Europa kommen wollt, um einige Shows zu spielen. Wird es da keine Probleme geben?

Das ist kein Problem. Wir haben zwar alle Jobs, aber wir können für die langen Touren und Shows auch frei bekommen. Unsere Manager verstehen dass, da wir schon so lange die gleiche Arbeitsstelle haben. Wir planen, dass wir im April 2005 nach Europa kommen und ich hoffe, dass es da keine Probleme geben wird. Weitere Infos zu der Tour wird es dann auf der Metalblade-Webseite geben.

Ihr seit just erst von der Tour mit Prong zurückgekommen. Denkst Du, dass ein Package mit Prong so passend ist oder ist es normal in Amerika, dass man Bands aus sehr unterschiedlichen Gebieten zusammen auf Tour schickt?

Mit Prong zu touren war sehr interessant, denn wir haben vor einem komplett anderen Publikum gespielt, als wir das normalerweise machen. Es war eine wesentlich lustigere Menge, die jede Art von Metal genoss. Die meisten Zuschauer haben noch nie etwas von Death Metal gehört und deswegen haben wir in jeder Nacht die Städte mit unserer Musik überrollt. Die Jungs von Prong sind wirklich total lustig und wir hoffen, dass wir bald wieder Shows mit ihnen spielen werden, wenn es möglich ist. Es ist ganz üblich in Amerika, unterschiedliche Touren zu haben und die meisten davon laufen sehr gut, besonders wenn eine Hardcore-Band der Headliner ist. Wenn man eine Death-Metal-Band als Headliner hat und eine Hardcore-Band als Vorgruppe spielt, dann ist die Menge verschwunden, bevor die Death-Metal-Band überhaupt auf die Bühne kommt.

Soweit ich weiß, bist Du auch für eure offizielle Webseite zuständig, stimmt´s? Findest Du, dass eine gute Webseite wichtig ist für eine Band? Machst Du außerdem auch noch andere Sachen im Bereich „Webdesign“?

Danke, dass Du meine Webseiten-Fähigkeiten magst. Es ist sehr wichtig für mich und für die Fans, die sich für die Band interessieren. Außer Webdesign nehme ich auch noch Audios auf oder editiere Videos. Ich hoffe, dass ich bald mein eigenes kleines Business aufmachen kann.

Ich hab gehört, dass ihr auch eine DVD machen wollt, die einen Horrorfilm enthält. Was ist aus dieser Idee geworden? Gibt es Details über die Du berichten kannst?

Diese Idee ist immer noch in der Entwicklungsphase. Ich habe weltweit viele Leute, die mitwirken, ihre Freizeit opfern und ihre Sachkenntnis beisteuern wollen. Ich möchte lediglich, dass wir in der ganzen Welt getourt haben, bevor diese spezielle DVD herauskommt. Ich sehe, dass viele Bands DVDs herausbringen und die meisten haben nicht wirklich etwas sehenswertes zu zeigen, nur schlechte Bootleg-Qualität. Ich möchte Qualität veröffentlichen, mit allen Dingen die wie herausbringen. Wir sind auf der DVD zum 20. Geburtstag von Metalblade, aber es ist schade, dass sie für jede Band keine guten Kameras oder Lichttechniker hatten, um die Darbietungen mit Leben zu füllen.

Im Vorgespräch hast Du gesagt, dass das Internet für sehr viele positive Dinge zuständig war, die Vehemence passiert sind. Denkst Du, dass Webzines bald wichtiger werden, als Printausgaben? Hier in Deutschland scheint es, dass die Hefte vom Kiosk noch beliebter sind. Wie ist das in den USA?

Nun, Metalmagazine sind immer noch sehr wichtig, denn man kann diese in jedem Supermarkt in Amerika kaufen. Das ist das gleiche wie in Deutschland, denn Magazine werden immer die dominante Quelle in der Medienwelt sein. Eine Webseite macht es jedoch einfacher, Interviews zu lesen, mehr Fotos zu zeigen, Musikbeispiele oder Videos herunterzuladen von Bands, über die man mehr wissen möchte.

Was macht ihr denn zur Zeit so im Vehemence-Lager, außer massenweise Interviews zu beantworten? 😉 Gibt es schon Neuigkeiten für das nächste Release?

Nicht wirklich, wir fokussieren uns jetzt darauf neue Musik für unser viertes Album zu schreiben und wollen für die nächste Studio-Produktion auch wesentlich mehr Zeit aufwenden und auch mit einem großen Studioproduzenten zusammenarbeiten. Wir werden für das jetzige Album auch wesentlich mehr touren, als für „God Was Created“ und hoffen, dass wir auch Übersee spielen werden. Festivals wie Wacken, Summer Breeze und With Full Force werden unser nächstes Ziel für 2005 sein. Es gibt außerdem Gespräche, dass wir vielleicht unser erstes Album noch mal neu aufnehmen und mixen werden und außerdem eine EP mit unveröffentlichen Songs der vor-„Thoughts From Which I Hide“-Zeit herausbringen.

Möchtest Du eine paar letzte Anmerkungen machen? Die letzten Worte gehören Dir!

Thanks for the interview Metal.de and anyone can visit our website at http://www.vehemence.com for merchandise, mp3s, tour dates or email the band at vehemence@vehemence.com

11.07.2004

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