Winterfylleth
Vom ersten Tag missverstanden

Interview

Dann lass mich direkt mal den letzten Song „Towards Elysium“ herausnehmen. Dieser konterkariert die aggressive Wut zu Beginn des Albums mit einem Funken Hoffnung.

Absolut, genau das ist es. Man kann nun zusammenfassen, dass die Welt zerbrochen, jede Hoffnung vergangen und alles in die falsche Richtung geht. Aber dann gibt es da noch mein Herz, welches fühlt, dass die meisten Menschen eigentlich doch dieselben Dinge wollen. In einer sicheren Gesellschaft leben, gut essen, ihre Kinder zur Schule bringen, glücklich und sicher sein.

Sie wollen ihr Leben ohne Krieg, Konflikte und politische Einflussnahmen bestreiten. Ich denke, obwohl die Welt sich nach Feuer anfühlt, muss es immer noch eine Art Hoffnung geben. Natürlich geht es um „Elysium“, um einen besseren Ort und so weiter.

Die Hoffnung auf einen besseren Ort

Ich wollte, dass wir einen aggressiven Anfang haben, ein ruhiger, nachdenklicher Mittelpart und dann Hoffnung in Richtung Ende. Ich denke, die besten Alben sind die Alben, die dich auf eine Reise mitnehmen. Es muss dich mitreißen und dich interessieren. Es muss dich manchmal aufmerksam machen und an andere Zeiten denken lassen. Ich hoffe, dass das passiert.

„Elysium“ ist eine größere Art des Himmels. Ich denke, in der westlichen christlichen Kultur ist der Himmel die Utopie am Ende. Ich nenne es die Hoffnung auf einen besseren Ort.

Und dann kommt „Enchantment“ von PARADISE LOST

Es gibt viele Dinge zu diesem coolen Song. Meine erste Band vor WINTERFYLLETH war ATAVIST, damals auf Candlelight Records. Das war mehr Death/Doom. Jetzt spielen zwei, drei von uns noch beim Projekt ARD, das auf Prophecy Productions veröffentlicht. Das ist auch melodischer Doom Metal. Es ist Marks Projekt und er schreibt die Songs. An den Drums spielt dort Live Jeff Singer, der auch für PARADISE LOST trommelt und wir haben ihn in den letzten Jahren kennengelernt.

Zuletzt haben wir auf unseren Alben regelmäßig unsere liebsten Black-Metal-Songs gecovert, doch diesmal wollten wir einen interessanten Bonus-Track spielen, der von einer anderen Ecke kommt. Wenn du die Geschichte von mir oder Mark kennst, ist es nicht so seltsam, einen Doom-Metal-Song zu covern. Ich habe in Huddersfield gewohnt, wo Peaceville Records ist. Also genau dort, wo damals MY DYING BRIDE, PARADISE LOST oder ANATHEMA erschienen sind.

Hast du denn den Song eingesungen?

Nein. Das war Mark, unser Keyboarder. Wir haben uns im Studio dazu entschieden, obwohl ich eigentlich Sänger und Frontmann der Band bin. Es ist einfach Marks Lieblingssong, also haben wir gesagt, er solle ihn einsingen, da er ihm so viel bedeutet.

Mark ist ein toller Sänger. Er klingt etwas anders als ich, aber ich denke, er hat es sehr gut gemacht.

Neue Musiker sind nicht die einzige Veränderung auf dem Papier zu „The Unyielding Season“. Inzwischen seid ihr bei Napalm Records unter Vertrag. Einst vorwiegend für nischigen Black Metal bekannt, ist das Label mittlerweile einer der Big Player der gesamten Szene. Habt ihr künstlerisch weiterhin komplett freie Hand?

Das Label ist unglaublich cool. Sie durchaus Vorschläge mit exklusiven Shirt-Designs für den Webshop oder Shirts mit Back-Print, da es von den Leuten offenbar verstärkt gekauft wird. Man macht uns keinerlei verbindliche Vorgaben, aber sie haben Daten und Auswertungen zur Verfügung, um uns Vorschläge zu machen. Es gibt keinen Einfluss auf unsere Musik, aber sie schlagen uns Singles oder die Art der Produktion vor. Im Endeffekt waren wir aber gemeinsam mit den Entscheidungen einverstanden – wir müssen schließlich auch nicht wie Piraten aussehen oder so.

Napalm Records hatten einen größeren Reiz für uns, denn ich glaube mit Candlelight Records sind wir ein bisschen ans Ende angelangt. Ich sehe zwar keine gemeinsame Tour mit ALESTORM und GLORYHAMMER, aber es ist schön, mit dem Label eine größere Bandbreite erreichen zu können. Es gibt vielleicht Power- oder Folk-Metaller, die mit der Musik von WINTERFYLLETH etwas anfangen können. Ich glaube, es öffnet uns ein größeres Publikum in Deutschland und in Europa.

In euren Songs gibt es schon seit jeher häufig eine Verbindung zu englischer Historie oder zur Naturgeschichte. Wie sehr muss man mit einem gewissen Maß von Lokalpatriotismus vorsichtig sein, nicht missverstanden zu werden?

WINTERFYLLETH wurde vom ersten Tag an missverstanden, an dem wir uns als Band formiert haben. Wir haben Artikel veröffentlicht, es gibt einen Artikel in einem Black Metal Buch über uns, in dem wir darüber sprechen. Das Problem ist, dass die Leute nichts richtig lesen. Die Leute sind zu links oder rechts und wollen ein Problem ganz einfach lösen. Ich denke, die Band hat immer eine romantische Sicht auf die Geschichte. Unsere Schüler in den Schulen lernen unsere Geschichte nicht in irgendeiner sinnvollen Art – du musst es dir schon selbst beibringen.

Vom ersten Tag an missverstanden

Wie kann ein Land vorankommen, wenn es nicht mal seine eigene Geschichte kennt und wie kannst du Visionen für die Zukunft entwickeln, wenn du nicht einmal die Vergangenheit kennst? Ich mache mir an dieser Stelle nicht allzu viele Gedanken, was Leute denken, wenn man uns ganz bewusst falsch verstehen möchte. Wir sind immer offen, mögliche Fragen zu beantworten. Es gibt genug Möglichkeiten über Social Media, Interviews oder Ähnliches.

Eure Zusammenarbeit mit Dan Capp kommt in diesem Zusammenhang auch immer wieder auf den Tisch.

Was soll ich sagen? Dan ist ein enger Freund von uns. Er war über lange Jahre ein Teil der Band und ist nach wie vor für unsere Artworks zuständig. Er hat eine konträre zu vielen Menschen, was öffentliche Politik und deren Instrumentalisierung betrifft, aber er ist ein unfassbar netter Familienmensch. Im Internet sorgen diverse Leute gerne für Chaos und entmenschlichen ihre Opfer. Was kannst du schon dagegen tun?

Dennoch habe ich das Gefühl, dass sich der Wind ein wenig dreht und diese Art und Weise auch ebenso vielen Menschen inzwischen auf die Nerven geht. Die Sache scheint auszubrennen. Am Ende sind wir immer noch da und ich hoffe die Sinnhaftigkeit kehrt irgendwann zurück.

Blicke mal ein paar Jahre in die Zukunft. Aktuell brennen die Wälder. Welches Artwork wird euer nächstes Album haben?

Ich hoffe auf grüne, nährstoffreiche Felder und befürchte eine ausbrannte Ödnis, auf der nichts mehr steht.

Galerie mit 10 Bildern: Winterfylleth - Ragnarök Festival 2024

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Quelle: Zoom-Interview mit Chris Naughton
20.03.2026

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