
Teuflische Klänge im Advent
De Mortem Et Diabolum XI
Konzertbericht
Samstag, 06.12.2025
Gerüchten zufolge soll die gestrige Aftershowparty bis in die frühen Morgenstunden gedauert haben und später noch ins nahegelegene Hotel verlegt worden sein. Nicht näher erwähnte Herrschaften aus dem österreichischen Nachbarland sollen dabei eine zentrale Rolle gespielt haben. Dem Team merkt man das kaum an, immerhin stehen heute einige Bands mit Vorschusslorbeeren (DYMNA LOTVA) und einer gewissen Außenseiterrolle (THE OMEGA SWARM) auf dem Billing, die sich niemand entgehen lassen möchte. Für die späteren Abendstunden haben sich sehnsüchtige, atmosphärische Klänge mit THY LIGHT angekündigt – wir sind gespannt.
NAIL BY NAIL
NAIL BY NAIL eröffnen den zweiten Tag des De Mortem Et Diabolum 2025. Ja, die Augen sind noch etwas vom Vortag getrübt, und ja, die Reihen sind noch etwas gelichtet. Doch das ändert sich mit jeder Minute, denn der intensiv vorgetragene Sound der Band lockt immer mehr erste Geister vor die Bühne, sodass sich bald eine beachtliche Menge an Menschen davor sammelt.
Die Band zeigt sich konzentriert, und vor allem Sänger Phillip überzeugt mit einer authentischen Performance, die weder klischeehaft noch übertrieben wirkt. Melodischer, aber aggressiver Black Metal mit dezentem Einsatz von Death-Metal-Elementen sowie einem Spektrum von Screams bis Growls (vor allem beim Song „Dagger Nights“ im Einsatz) sorgt für begeisterte Fans – und für den Wunsch, die Band in den kommenden Jahren zu einer späteren Uhrzeit im Line-up zu sehen als als reiner Opener. (Marcel Schlensog)
Galerie mit 9 Bildern: Nail By Nail - De Mortem Et Diabloum Vol. XI 2025

NECRONAUTICAL
Auch NECRONAUTICAL, die immerhin um 15:40 Uhr die Bühne betreten, blicken noch in müde Gesichter und rotunterlaufene Augen, bevor das Bier und vor allem der ausgeschenkte Glühwein das Publikum wieder ausreichend auf Vordermann gebracht haben. Davon lässt die englische Band sich aber nicht beirren und rumpelt ordentlich los, während das Publikum mit schmerzenden Köpfen schon einmal vorsichtig mitnickt.
Der Zustand der Fans und die Dunkelheit sorgen dafür, dass man sich im ORWOhaus passend zum Bandnamen tatsächlich wie unter Wasser fühlt. Das sorgt für eine besondere Atmosphäre, auf die NECRONAUTICAL (inklusive Nicolas Cage Lookalike) mit ihrer Musik mühelos aufsetzen und die Zuschauer:innen im Laufe des Auftritts so sogar zu den ersten Mitklatsch-Versuchen animieren kann. Stark! (Louisa Esch)
Galerie mit 8 Bildern: Necronautical - De Mortem Et Diabolum Vol. XI 2025

WODE
Bleiben wir in England, aber wechseln ein bisschen den musikalischen Stil. WODE aus Manchester hört man jedenfalls ziemlich deutlich an, dass diese Band von der „Insel“ stammt. Verspielten, crustigen, ja bisweilen punkigen Black Death bieten WODE an, nicht zu verkopft, sondern genau richtig austariert zwischen brutal und verspielt um die Spannung durchgehend aufrecht zu halten – das Material von der aktuellen Platte „Uncrossing The Keys“ erweist sich jedenfalls als absolut live-tauglich.
Dass die Band einige Bühnenerfahrung mitbringt ist sofort bemerkbar, sehr souverän wird das Material runtergezockt. Und ausreichend gute Laune haben die vier Herren ebenfalls im Gepäck, immer wieder erfreut sich Bassist E.T. an der ordentlich mitschwingenden ersten Reihe im Publikum. WODE gelingt in frühes Highlight an diesem zweiten Festivaltag. (Sven Lattemann)
Galerie mit 7 Bildern: Wode - De Mortem Et Diabolum Vol. XI 2025

THE OMEGA SWARM
Deutlich wuchtiger geht es mit THE OMEGA SWARM weiter. Die Band um SULPHUR-AEON-Gitarrist Torsten Horstmann erzeugt eine drückende Intensität, die alle noch vorhandene Restmüdigkeit gepflegt aus dem Gesicht bläst. Zwar setzt THE OMEGA SWARM in Abgrenzung zu dem Hauptprojekt Horstmanns auf mehr Tempo, dennoch bleiben auch hier die überragenden Melodien und epische Einflüsse nicht auf der Strecke. Entsprechend zahlreich ist das Publikum erschienen, sicherlich hat sich der eine oder die andere auch wegen der Besetzungsüberschneidung zwischen den Bands für ein Erscheinen entschieden – und wird nicht enttäuscht, auch wenn der Death-Metal hier etwas moderner inszeniert wird als bei SULPHUR AEON. Für Abgrenzung zwischen den beiden Projekten ist jedenfalls hinreichend gesorgt, besonders da THE OMEGA SWARM ohne Kapuze und mystische Inszenierung daherkommen.
Dass der ganze Spaß live auch noch differenzierter klingt als von Platte macht den Auftritt zu einer sehr kurzweiligen Angelegenheit, die versteckten Details in den Songs kommen mit dem heutigen Bühnensound wunderbar zur Geltung. Zudem sind Schlagzeug und Bass besser herauszuhören, was dem Klangbild ziemlich gut tut. THE OMEGA SWARM reißen an diesem Nachmittag mit Spielfreude und kraftvollem Ausdruck richtig ab. (Sven Lattemann)
Galerie mit 10 Bildern: The Omega Swarm - De Mortem Et Diabolum Vol. XI 2025

DYMNA LOTVA
Wenn es um Gänsehaut, Pathos und Leidenschaft auf der Bühne geht, stechen DYMNA LOTVA aus Belarus im diesjährigen Billing vielleicht nicht klar hervor, die Inszenierung aus Leid und dämonischer Präsenz kann allerdings kaum besser sein. Minuten vor dem Auftritt ist noch nicht viel vom gleich stattfindenden Vortrag aus depressivem und rohem Black Metal zu spüren. Sängerin Nokt bildet selbstverständlich das Zentrum des Geschehens und gerade wenn man die Band das erste Mal live erlebt, kann einen die Performance in Angst und Schrecken versetzen. Nokt gleitet wie ein Geist über die Bühne, schwingt dabei abwechselnd einen Strick oder wirft sich klagend auf den Boden, während die Mitmusiker ungerührt und stoisch geradeaus blicken.
Alleine die Musik von DYMNA LOTVA würde diese dicht erzählte Darstellung nicht erzeugen, hier zählt der Gesamteindruck. Und der ist wie immer messerscharf und irgendwie anmutend und schön in all seiner Zerbrechlichkeit. Später posiert Nokt gerne mit den zahlreichen Fans am Merchtisch und zieht die ein oder andere Grimasse aus dem Ärmel. (Oliver Di Iorio)
MERRIMACK
Die Franzosen sind schon ein paar Tage im Geschäft und das merkt man auch dem souveränen Auftritt an. Die Band lässt die Stimmung nicht überschwänglich werden und drückt die gute Laune sogar noch ein bisschen mehr. Dem Publikum gefällt das und die Halle ist richtig gut gefüllt. Was kann schon schiefgehen, wenn man einen Gitarristen mit dem Namen Perversifier auf die Bühne bringt? Richtig: Gar nichts. MERRIMACK geben uns einen tiefen Einblick in ihre satanischen Seelen und eine Rundumschau über ihr Werk. Der Sound ist obendrein toll und die Messlatte für den Endspurt liegt hoch. (Oliver Di Iorio)
TSJUDER
Obwohl TSJUDER ihr trve betiteltes Debüt „Kill For Satan“ erst 2000 veröffentlichten, zählt man sie als wichtige Band der 2nd Wave Of Black Metal. Diesem Ruf werden sie heute Abend mit ihrem Headliner-Slot auf dem De Mortem Et Diabolum gerecht: Mit genreüblichem Corpsepaint und Killernieten, die länger als die meisten Haushaltsnägel sind, kommt das Trio auf die Bühne und schert sich nicht viel um aktuelle Entwicklungen und Konventionen.
TSJUDER haben eine Stunde Zeit und präsentieren Stücke aus ihrer kompletten Karriere. Vom Titelsong des Debüts bis „Helvegr“, das 2023 nach achtjähriger Pause erschien, machen die Norweger heute Abend jede:n glücklich. Obendrauf kommt mit „Sacrifice“ ein BATHORY-Cover für Quorthon-Jünger.
Spannend ist, wie sich die beiden treibenden Kräfte Nag und Draugluin mit dem Gesang abwechseln. Sie bearbeiten nebenher noch Bass und Gitarre und haben jeweils eine eigene Stimmlage in ihren Screams. Klargesang gibt es natürlich nicht.
TSJUDERs Auftritt wirkt positiv aus der Zeit gefallen. In einer Zeit, in der Black Metal noch entspannt übertrieben war und man sich mit Unmengen an umgedrehten Kreuzen, weißer Farbe und selbstgemachten Armschienen arg böse gefühlt hat. Zudem passt die musikalische Qualität und der Sound ist ebenfalls grandios, sodass TSJUDER einen sehr guten Quasi-Abschluss des Festivals hinlegen. (Jannik Kleemann)
Galerie mit 12 Bildern: Tsjuder - De Mortem Et Diabolum Vol. XI 2025

THY LIGHT
In der Vergangenheit hat man an gleicher Stelle auf mehr Brachialität was den After-Headliner-Slot angeht gesetzt. Heute senden die Brasilianer (mittlerweile in Schottland sesshaft) von THY LIGHT hässliche Grüße vom Sensenmann. Nach diesem Wochenende funktioniert das wunderbar und auch wenn es schon spät ist, können sich viele noch nicht lösen. Die melancholische Atmosphäre ist so dicht, dass auch uns die dezenten Gestalten auf der Bühne in ihren Bann ziehen. Der Auftritt könnte gerne noch eine halbe Stunde länger dauern, denn nicht nur die oft traurige Kunst an diesen zwei Tagen lässt uns vorzeitig den After-Festival-Blues fühlen. Leider ist das Festival viel zu schnell vorbei, aber die Vorfreude auf ein Wiedersehen bei der Walpurgisnacht hilft. (Oliver Di Iorio)
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Oliver Di Iorio































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