Two Gallants
European Tour

Konzertbericht

Billing: Two Gallants, To Kill A King
Konzert vom 23.11.2012 | Theaterfabrik, München

Two Gallants

Manchmal muss man sich einfach eingestehen, dass zwischen dem eigenen Wunschdenken und der Realität einige mittelgroße Universen liegen. Im Kopf stellt man sich etwas vor und es ist der absolute Wahnsinn. Doch dann macht man die Augen auf und alles ist leider doch eher so lala.

So geschehen beim TWO GALLANTS-Konzert am 23.11. in der Theaterfabrik zu München.

Two Gallants

In meinem Kopf hatte sich schon im Vorfeld ein klares Bild gefestigt: bierselig betrunkene, gefühlsduselige, bärtige, ungewaschene Männer in Karohemden liegen sich gegenseitig in den Armen und grölen aus heiseren Kehlen inbrünstig die Lieder mit, die ihnen die (ebenfalls betrunkenen) zwei Herren auf der Bühne entgegenschmettern. Der kleine Club (in dem so ein Konzert natürlich stattfinden MUSS) ist berstend voll. Es ist viel zu heiß, Bierflaschen klirren aneinander und es herrscht eine gewisse Fuck-Off-Attitüde, die einem das Gefühl gibt, zu den letzten Outlaws zu gehören.

Two Gallants

Die Realität weicht dann leider geringfügig von meiner Vorstellung eines perfekten TWO GALLANTS-Konzertes ab. Der kleine Club (in dem so eine Band natürlich spielen MUSS…) ist die Theaterfabrik und fasst ein paar tausend Leute, weil mittlerweile leider auch schon andere gemerkt haben, dass die zwei Gallanten ganz hervorragende Musik machen. Gedränge gibt es nur an der Garderobe, sonst ist die Halle lediglich gut gefüllt. Und anstatt angetrunkener Männer, die sich Bier schwenkend in den Armen liegen, sieht man eher adrette Damen, die sich das ganze Konzert über an den Rücken ihres Freundes schmiegen. Tja, aber so ist das wohl…

Two Gallants

Aber nun mal im Ernst. Ein TWO GALLANTS-Konzert KANN natürlich gar nicht schlecht sein und so ist es auch dieses nicht. Man würde sich die Band eben nur in einem etwas intimeren Rahmen wünschen. So ist die Theaterfabrik ein bisschen zu groß und Adam Stevens und Tyson Vogel wirken fast ein bisschen verloren (oder nennen wir es unspektakulär) auf der großen Bühne. Zu hören gibt es einen guten Durchschnitt durch alle Alben, wobei natürlich der Fokus auf der neuen Scheibe „The Bloom And The Blight“ liegt. Mit „My Love Won’t Wait“ und „Ride Away“ spielen sie auch schön brav zwei Hits der Platte. Auch die Highlights der Vorgängerscheiben werden mit Stücken wie „The Hand That Held Me Down“ und „Steady Rollin'“ nicht ausgelassen. Oder eigentlich schon. Es ist nämlich schon ein bisschen schade, dass sich die Band gerade die großen, überlangen Hymen spart, die „What The Toll Tells“ so großartig gemacht hatten. Kein „Threnody“,  kein „Waves Of Grain“, kein „Some Slender Rest“. Schade, aber das mit dem Wunschdenken hatten wir ja schon. Stattdessen lassen sie häufiger die Bratgitarren regieren, was ihnen zwar auch gut steht, aber kein Vergleich zur Gänsehaut manch anderer, ruhigerer Stücke ist.

Two Gallants

Sei’s drum. Das sehr bunt gemischte Publikum (aber wo sind gleich noch mal all die bärtigen Männer mit den Holzfällerhemden?) feiert eh jeden Song mit. Und ich merke, dass sich mein Blickfeld von Bier zu Bier immer mehr verengt, so dass ich am Ende doch noch im kleinen Club stehe. Auch gut.

Ach ja, eine Vorband gab es natürlich auch. TO KILL A KING. Die spietlen folkigen Indie, der ein bisschen an MUMFORD & SONS erinnerte. Insgesamt recht nett, ein bisschen zu harmlos, mit einem recht bodenständigen Sänger, dafür aber mit einem Gitarristen, der die Bühne auf Socken unsicher machte. So geht Punkrock.

Nun denn. Alles in allem ein durchaus guter bis sehr guter Abend mit Gitarre, Schlagzeug, Mundharmonika und umkippenden Stimmen. Nur das letzte bisschen Großartigkeit, das hat (mir) irgendwie gefehlt. Vielleicht beim nächsten Mal…

Two Gallants

fotos: haslauer

text: struch

11.12.2012

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