Atlantis Chronicles - Barton's Odyssey

Review

Jedes Genre hat seine gehegten Geheimtipps. ATLANTIS CHRONICLES sind ein solcher, wenn es um technisch versierten und modernen Death Metal geht. Mit seinem Erstling setzte der Fünfer vor drei Jahren ein beachtliches Ausrufezeichen, nun steht mit „Barton’s Odyssey“ der Nachfolger in den Regalen. Einigen Frickel-Jüngern dürfte angesichts des vielversprechenden Debüts das Wasser bereits (zu Recht) im Munde zusammengelaufen sein. Allerdings entpuppt sich das Meerungeheuer dann doch als recht gewöhnliches Fischlein.

Anders gesagt: Da, wo anderen Kapellen das Salz in der Suppe fehlt, sind ATLANTIS CHRONICLES mit dem Gewürzgerät ausgerutscht. Das meint nicht zwangsläufig endlose Griffbrettfriemeleien (die gelegentlich durchaus geboten werden), sondern eher die übertrieben verschachtelten Strukturen der Songs, welche schlicht konstruiert wirken und einen tatsächlichen Hörgenuss am Ende verhindern. Nahezu jedes Stück klingt folglich wie eine wirre, willkürliche Aneinanderreihung verschiedener Parts, die für sich genommen zwar irgendwie funktionieren, als zusammenhängender Song hingegen nicht.

Ausnahmen bilden das überzeugende Schluss-Duo, bestehend aus dem mit filigraner Gitarren- und Rhythmusarbeit ausgestatteten „50°S 100°W“ (die Koordinaten für einen scheinbar beliebig, aber wohl bewusst gewählten Punkt im Südpazifik) und dem wiegenden, teils sehr eingängigen Schlusstrack „A Modern Sailor’s Countless Stories“, der mit einem Wahnsinns-Solo daherkommt. Und auch „Within The Massive Stream“ überzeugt mit Abstrichen in seiner angenehmen Schlichtheit. Ansonsten aber bleibt nach reichlich 40 Minuten leidlich etwas hängen.

Ja, das Material ist schnell, präzise, ausgefeilt und anspruchsvoll. Aber allein damit ist heute eben kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Bei aller handwerklicher Brillianz, welche die Pariser an den Tag legen, haben sie irgendwo unterwegs ihre Seele verloren. Das mag den ein oder anderen nicht stören, verkörpert aber in letzter Konsequenz den Unterschied zu Truppen wie THE FACELESS und GOJIRA, mit denen sich ATLANTIS CHRONICLES derzeit (noch) zu Unrecht vergleichen.

22.03.2016

"Am Ende isses immer Arbeit."

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