Austere / Isolation - Bleak

Review

Eins werde ich nie begreifen. Wo steht geschrieben, dass depressiver oder suizidaler Black Metal so endlos in die Länge gezogen werden muss? Wieso wird bei einem über 10-Minuten-Song ein- und derselbe Akkord gespielt, ohne auch nur annähernd einen Hauch von Innovation und packenden Melodien reinzubringen? Gibt es nicht bereits genügend Bands, die bewiesen haben, dass es auch anders geht? Man denke da an SHINING oder FORGOTTEN TOMB, die sich trotz Parallelen in den Anfangstagen zu oben genannten Faktoren, einen eigenen Namen gemacht haben und Jazz, Blues, Doom und genügend Fuck-Off-Attitüde reinbringen, die einfach verschlingend ist und dennoch in die Depressive Black Metal-Schiene passen. Sollte das nicht Vorbild genug für AUSTERE sein, es ihnen gleichzutun und das Niveau noch zu steigern? Nachdem ich in den letzten Monaten desöfteren über diesen Namen gestolpert bin, wollte ich doch wissen, was es mit dem Projekt der zwei Australier Desolate und Sorrow auf sich hat und ob die insgeheimen Lobgesänge berechtigt sind.

Für „Bleak“ haben sie sich mit den deutschen ISOLATION, die sich musikalisch im gleichen Sektor wie AUSTERE bewegen, gepaart, um der Veröffentlichung mit einer Splitkollaboration den letzten Schliff zu geben. „Trostlos“ – ja, das bringt es eigentlich mit einem Wort auf den Punkt, denn trostlos ist das bleiche Musikgerippe mit einem fahlen Gesicht, was man hier zu hören bekommt. Im Fall von „Bleak“ schaut man sich dieses fahle Gesicht an, dreht sich um und hat schon vergessen, wie es aussah. Anstatt den Hörer nach einer Stunde ins totale hoffnungslose Nichts zu befördern und das Gefühl von Kälte, Leere, den Wunsch nach Katharsis, die Lethargie und das Gefühl der letzten entweichenden Emotionen auch nur annähernd zu projizieren, hinterlässt AUSTERE noch nicht mal genügend Luft zum Gähnen und gesellt sich zu denselben Gruppierungen, die das Genre des Depressive Black Metals bereits bis aufs Extremste ausgereizt haben. Mit Ausnahme des Gesangs, der mir persönlich zwar zu schrill und zu hoch ist, aber dennoch intensiv klagend und zum Teil auch klar intoniert wird, fehlt es dem bleichen Gerippe an fesselnden Kompositionen und eben – was für depressiven/suizidalen Black Metal steht – Emotionsprojektion. Auf Dauer ist die Melodieführung einfach zu schnöde und uninspiriert, die Riffs zu ausgereizt und das stete Midtempodrumming tut sein Übriges zum minder begeisterten Eindruck dazu. Sicherlich gehören AUSTERE nicht zu den schlechtesten Bands dieser Gattung, aber wartet auch mit keinem Element auf, was ihnen einen höheren Rang bescheren könnte.

ISOLATIONs Beitrag dagegen enthält mehr Doom-Spirit. Trotz des anderen Sounds gestalten sich die Songs aber im Grunde ähnlich wie bei AUSTERE. Sie unterscheiden sich nur insofern, dass sie noch langsamer zu Werke gehen als die Australier, die Akustikklampfe auch mal zum Einsatz kommt, aber der ab und an mal vorkommende Gesang einen merkwürdigen Beigeschmack hinterlässt. Mir scheint, als ob Johannes Schmid selber nicht so begeistert von seinem Gesang ist und daher eher gelangweilt klingt.

Zum Einschlafen ist „Bleak“ sicher eine feine Sache, aber eine Kaufempfehlung kann ich nicht aussprechen. Hier gleich ein Song vom Aufbau dem anderen, obwohl zwei verschiedene Bands vertreten sind und führt bei mir nicht dazu, sich die Split ein weiteres Mal anzuhören. Wer aber noch nicht genug Monotonie und Stagnation hat, kann hier gerne mal reinhören. Für die Interessenten, die ein gutes Beispiel hören wollen, dass es auch anders geht, sollte sich beispielsweise „Gråtoner“ von HYPOTHERMIA anhören. Website ISOLATION: http://www.churchofisolation.net

17.09.2008

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