Ayahuasca - Beneath The Mind

Review

Galerie mit 4 Bildern: Ayahuasca - Euroblast Festival - The Ninth Coming

Manche Mucke kapiert man sofort, andere nie, und mit einigen Songs bzw. Scheiben fechtet man einen langen zähen Kampf aus. In letztgenannte Kategorie fällt bei mir ganz klar „Beneath The Mind“, die Debüt-LP von AYAHUASCA. Das liegt zum einen am ziemlich eigenwilligen und experimentellen Death Metal der Kölner, zum anderen aber natürlich am eher einfach gestrickten Musikgeschmack des Rezensenten, ganz klar.

Gleich der Opener „Instinct“ fasziniert und verwirrt einen zugleich, denn AYAHUASCA musizieren schon ein ganzes Stück jenseits der gängigen Strukturen. Auf einen schleppenden Auftakt mit dezenten Tribal-Rhythmen folgen in stets wechselnder Reihenfolge disharmonisches Geprügel, akustische Zwischenspiele, schweres Gegrunze und Klargesang. Die Basis der Band ist schon klar Death Metal, aber man tobt sich genüsslich in die verschiedensten Richtungen aus. Es wechseln also nicht nur Rhythmus oder Tempo, nein, der komplette Stil wandelt sich immer wieder. Daher kommen einem als mögliche Einflüsse auch die unterschiedlichsten Kapellen in den Sinn: OPETH, DISILLUSION, DARK MILLENIUM oder gar SYSTEM OF A DOWN, um nur einige zu nennen. Klingt verwirrend, und genau das ist es auch. Aber wer diesen Zehn-Minuten-Brocken zum Auftakt verdaut hat, den kann erst mal nichts mehr schocken, der ist drin in der Welt von AYAHUASCA, irgendwie.

AYAHUASCA fordern den Hörer extrem, belohnen ihn aber auch

Aber das ist noch längst nicht das Ende der Fahnenstange, weit gefehlt. So hat z.B. „Life Beneath The Mind“ schon was von SEPULTURA oder SOULFLY. Und „Abyss“ präsentiert neben deutlichen GOJIRA-Parallelen auch erste dezente BEHEMOTH-Anleihen. „Cendres Et Ruines“ kann mit einem herrlich klagenden Violinen-Intermezzo punkten. Mir persönlich sagen ja die härteren Passagen ganz klar mehr zu, andere werden da sicher ganz andere Vorlieben haben.

„Beneath The Mind“ und ich, wir ringen zäh miteinander. Das schwankt zwischen Kinnlade runter und Stirn in Falten, man pendelt zwischen Bewunderung und Unverständnis. Dieses Menü bietet für viele Geschmäcker zumindest eine passende Speise, für ein komplettes Erlebnis benötigt man allerdings einen breit gefächerten Geschmack und Mut zur Offenheit. Hier steckt der Teufel nicht nur einfach im Detail, sondern richtig tief drin. Eintauchen, entdecken und bestenfalls erobern. Das könnte sich vor allem für jene Gourmets lohnen, die nicht immer nur Nudelsuppe wollen.

Zwischen Bewunderung und Unverständnis, zwischen Kinnlade runter und Stirn in Falten

Etwas unspektakulär im Vergleich zum restlichen Material ist eigentlich nur „Cult“. Ansonsten kredenzen AYAHUASCA nur schwer verdauliche Brocken und breaken, was die Klampfen hergeben. Und so hangelt man sich irgendwie durch die Scheibe, eine einzige Achterbahnfahrt.

Und schließlich geht es dann auf zum letzten Gefecht Rezensent gegen AYAHUASCA, der „Summoner Of Storms“ gibt sich ausführlich die Ehre. Hier fährt man nochmals das gesamte Arsenal des eigenen Kosmos auf und pflügt mit genüsslicher Leichtigkeit durch die unterschiedlichen Modi. Da darf natürlich auch der ganz ruhige Part nicht fehlen, und ein paar Tribal-Grooves. Highlight ist aber ganz klar der an neuere BEHEMOTH angelehnte Abschluss, großes Theater.

Das Ganze ist live sicher unglaublich intensiv und wird für offene Mäuler und verrenkte Nackenwirbel sorgen. Man fordert den Hörer stets aufs Neue und gönnt ihm null Eingewöhnung, die einzige Konstante hier ist das Inkonstante.

Und auch wenn man aufgrund des eigenen eher simpel gestrickten Musikgeschmacks die Mucke von AYAHUASCA bei weitem nicht immer vollends kapiert, so wie der der Rezensent, so muss man die Klasse der Jungs doch ganz einfach anerkennen. „Beneath The Mind“ kann absolut etwas!

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01.11.2018

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2 Kommentare zu Ayahuasca - Beneath The Mind

  1. ClutchNixon sagt:

    Mann, bin ich beeindruckt! Exzellente Extrem Metal Kost für die ganz dicken Ohren. Mit welcher Eleganz hier mittelalte Gojira mit Nero die Marte im Florida Urlaub bumsen hat einfach Klasse. Ayahuasca empfehlen sich für die ganz großen Weihen und sollten, so die Welt nicht komplett ungerecht ist (harhar), durch die Decke gehen. Das im Review angesprochene, perkussive Element ihrer Musik umgeht gekonnt jegliche Ratamahatta Scheiße und trifft auch schon mal auf wirklich gute Cleans, die einer gewissen Wavigkeit nicht entbehren und tatsächlich dann und wann nahezu sakral werden. Weiter so!

    8/10
    1. ClutchNixon sagt:

      Anspieltipp: life beneath the mind.