Bury Me Deep - Nearly Down

Review

„Let’s celebrate the modern end; Let the world begin again…“ besagt die Textpassage einer meiner Lieblingssongs auf „Radiowaves“ (1997), dem unvergesslichen Abschiedsalbum und zeitlosem Höhepunkt der Norweger SEIGMEN, die Sänger Alex Møklebust herzzerreißend melancholisch intoniert, die Zeit für einen Augenblick anzuhalten scheint und das Ende der Welt tatsächlich greifbar nahe ist. So apokalyptisch intensiv wie „Radiowaves“ und ganz speziell wie der erwähnte Song „The Modern End“ ist „Nearly Down“, das mittlerweile dritte Album der baden-württembergischen ‚Darkbrothers‘, die bisher als DIE FUGE agierten und nunmehr, nach knapp fünf Jahren der Funkstille, ihr Debüt unter dem Namen BURY ME DEEP traditionell und doch modern präsentieren, allerdings nicht geworden. Obwohl Parallelen zu SEIGMEN (z.B. „The Pain“) zu erkennen sind, findet auf „Nearly Down“ deutlich weniger Elektronik statt, dominierend ist düstere, alternativ angehauchte Rockmusik: Ein bisschen SISTERS OF MERCY (z.B. „Dead People Walk“) hier und ein wenig THE CURE (z.B. „Mother Mary“, „In Hope Of Answers“) dort, wohldosiert in eingängigen Melodien eingebettet und getragen von END OF GREEN-Sänger Michelle Darkness‘ markanter Stimme, entfachen die Songs in dieser Zusammensetzung ein großes Suchtpotential.

Ein ergreifender Pathos, schwermütige Traurigkeit und hymnenhafte Melodiebögen, immer und immer wieder, verstärken das Verlangen der geneigten Seele nach einer weiteren Portion „Nearly Down“, wobei das Album zum Ende hin leider etwas an Fahrt verliert, sehr ruhig und etwas repetativ wirkt. Songs wie „Burn My Soul“ oder „Devil’s Daughter“ jedenfalls verbinden pure Finsternis mit großartigen Riffs und einem charismatischen Gesang, von dem man einfach nicht genug bekommen kann. „Beside Myself“ driftet stellenweise sogar in die Stilistik eines MARILYN MANSON ein, ist der Gesang manchmal doch ein ähnlicher Mix aus androgyner Arroganz und gequälter Leidenschaft, die auch so manchen Hit des mitunter zensierten Leibhaftigen ausmachen. Hinzu kommt der leicht monotone Rhythmus, der in den pathetischen Chorus hinübergleitet.

„Nearly Down“ lebt von seinen episch zu nennenden Melodien, die sich, trotz großflächiger Gitarrenwände, bereits im Grenzbereich zu poplastigen Radiotiteln befinden. Mit Michelle Darkness‘ Soloalbum und END OF GREEN hat BURY ME DEEP dabei ziemlich wenig zu tun, wenngleich einzelne Elemente durchaus auch dort zu finden sind. Abgerundet durch eine erdige Produktion weiß das Album mit emotionalen Düstersongs zu gefallen, ohne dabei ins Kitschige abzugleiten, und entfaltet nach nur wenigen Durchläufen – bis auf einige langsamere Titel zum Ende hin, die das hohe Niveau der ersten Hälfte des Albums nicht vollständig halten können – ein enormes Hitpotential: Ein hervorragender Einstand für BURY ME DEEP: „Let the world begin again…“

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22.06.2009

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