Cardiant - Verge

Review

Manchmal fragt man sich, wie man im Informationszeitalter noch so viele interessante Veröffentlichungen verpassen kann. Die Finnen CARDIANT hatten bis jetzt eher wenige Hörer in Mitteleuropa auf dem Schirm. Das mag an der Veröffentlichungspolitik des Labels liegen, denn die Vorgängeralben („Midday Moon“, „Tomorrow’s Daylight“) sind in unseren Breiten nur als sauteure Importe erhältlich. In ihrer Heimat hingegen ist die Band wesentlich bekannter, was nicht zuletzt an der Teilnahme am Eurovision Song Contest-Vorentscheid 2011 liegt. Aber Vorsicht: Wer jetzt hausbackenen Hard Rock der Marke LORDI erwartet, liegt ziemlich weit daneben.

Viel eher lassen sich CARDIANT mit ihren Landsmännern SONATA ARCTICA vergleichen, auch wenn das Keyboard wesentlich weniger dominiert und mit Outi Jokinen eine Sängerin eingesetzt wird. Ähnlich stark ausgeprägt ist jedoch das Gespür für Melodik und griffige Songstrukturen. Zeigt sich „Justice Turns Into Revenge“ noch als klassisches Uptempo-Stück mit stellenweise progressiv anmutenden Riffs, ist „Thought’s Inception“ strukturell wesentlich geradliniger, aber ebenso eingängig durch den tollen Refrain. Mit „Ever Since“ driften die Finnen in rockige Gefilde ab: Warme Pianoklänge, die nicht selten sogar an ABBA erinnern und das geschickte Wechselspiel zwischen männlichen und weiblichen Vocals wissen zu gefallen. Fronter Erik hat sich im Vergleich zum Vorgänger wesentlich verbessert, im Laufe des Albums gewinnt seine Stimme immer mehr an Profil. Auch Outi Jokinens Einsatz verleiht „Verge“ einen gewissen Hauch Eigenständigkeit.

Und sonst? Die Produktion passt, Lückenfüller sucht man vergeblich. Hin und wieder hat man zwar das Gefühl, dass die Finnen haarscharf an der Grenze zum Kitsch vorbeischrammen, aber dieses kleine Manko wird durch tolles Songwriting und ohrenschmeichelnde Melodien wieder wettgemacht. Abnutzungserscheinungen kann ich auch nach einer Woche Dauereinsatz nicht feststellen, im Gegenteil! Fans finnischen Power Metals sollten „Verge“ unbedingt antesten. Bleibt zu hoffen, dass dieses Release nicht ungehört an der Zielgruppe vobeigeht, damit CARDIANT endlich den leidigen Status „Geheimtipp“ hinter sich lassen können.

23.05.2013

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