Cataleptic - The Tragedy

Review

Ja, CATALEPTIC ist so eine Band, die zwar schon seit langem besteht, in diesem Fall seit 2003, allerdings bislang ziemlich unter dem Radar lief. Ein Grund dafür dürfte gleichzeitig Fluch und Segen sein: Alle Mitglieder sind oder waren nebenbei noch in anderen Bands aktiv. Das bringt zwar einige Erfahrung, andererseits starten beispielsweise SOLOTHUS, in der Drummer Juha Karjalainen und Bassist Tami Luukkonen ebenfalls tätig sind, gerade einigermaßen durch. Dennoch fand das Quartett jetzt – vielleicht auch bedingt durch die Pandemie – die Zeit, mit „The Tragedy“ einen dritten CATALEPTIC-Longplayer aufzunehmen.

CATALEPTIC – Mehr Death als Doom

Der Opener „Alpha Strike“ macht direkt eines deutlich: Auch wenn der Stil von CATALEPTIC häufig als Death Doom beschrieben wird, spielen die Finnen eher Death Metal mit Doom-Anteilen als Doom Metal mit Death-Anteilen. Sprich: Denkt eher an OPHIS als an SWALLOW THE SUN, wobei letztere ohnehin deutlich moderner aufgestellt sind. Nein, modern ist ein Stichwort, dass so gar nicht zu CATALEPTIC passen möchte. Denn der Sound auf „The Tragedy“ geht stark in Richtung Old School Death Metal, ist entsprechend eher ein wenig dreckiger, verhallter und verzichtet völlig auf allen Bombast, der sonst gerne im Doom Verwendung findet.

Lyrisch geht es um Krieg, Verrat und Rache, wie die Band verrät – das Ganze angesiedelt in eher antiken Zeiten. So beginnt der erste Song auch mit Schlachtengetümmel und Schreihals Sami Iivonen läutet die knackige Mid-Tempo-Nummer in typischer Todesstahl-Manier ein, klingt dabei ein klein wenig nach Tompa Lindberg. Auch ansonsten gibt es in den melodischen Momenten ein paar Parallelen zu AT THE GATES, gerade zu deren 2018er-Scheibe „To Drink From The Night Itself“.

Das Hauptthema von „Disarmed. Disowned. Betrayed“ kommt ungleich melancholischer daher als das des Openers, auch das Tempo wird gedrosselt – Death Doom à la MY DYING BRIDE, wie er klassischer nicht sein könnte. Das reicht CATALEPTIC aber offenbar nicht und so wird nach gut zwei Minuten das Gaspedal durchgedrückt und die Nummer bewegt sich bis kurz vor Schluss eher im klassischen Death Metal, setzt teilweise aber auch auf Schlachtengesänge im Chor. „Whipped To Drudgery“ transportiert mit seinem angepissten Sprechgesang eine gewisse Punk-Attitüde, wirkt sonst aber eher wie ein unfertiger Lückenfüller.

Der rockige Einschlag mit leichten Gothic-Einflüssen von „Lost“ bildet zwar eine wirkliche Abwechslung, das unveränderte Geschrei von Fronter Iivonen will allerdings nicht in allen Momenten dazu passen, erinnert der Song doch stellenweise eher an ganz alte KATATONIA. Mit gleich zwei überlangen Nummern, die eine Spielzeit von jeweils über 10 Minuten aufweisen, möchten es die Finnen am Ende noch einmal wissen. „Recompense In Death“ driftet dabei stellenweise in Funeral-Doom-Gefilde ab, kann mit einem stimmungsvollen Outro punkten, bevor das trotz langsamem Tempo wütende „To Burn This World (Omega Campaign)“ den Sack zumacht, aber trotz intensivem Finale einige Längen nicht verbergen kann.

Nach der Euphorie kommt die Ernüchterung – „The Tragedy“

CATALEPTIC sind diese Band, die man bei einer Live Show im kleinen Club abfeiert und auch direkt die CD am Merchstand einsackt. Zu Hause, ohne die Live-Euphorie, und vielleicht auch ohne das ein oder andere Bier intus, kommt dann aber, wie so oft, die Ernüchterung. „The Tragedy“ macht gar nicht so viel falsch. Die Produktion ist angenehm zurückhaltend, aber trotzdem knackig genug, es gibt einige nette Riffs zu hören und auch in Sachen düstere Atmosphäre hat die Scheibe ihre Momente.

Was aber leider fehlt ist zwingendes. Die Songs bleiben, trotz (oder wegen?) Genre-Mischmasch, nicht lange hängen, die Band macht letztlich nicht viel anders (oder besser) als andere Genre-Formationen. Und so gerät der geile Abend in Eurer Lieblings-Location langsam in Vergessenheit und bei der nächsten Doom-Session wandert dann eben doch wieder MY DYING BRIDE, AHAB oder OPHIS in den Player, während „The Tragedy“ im Regal langsam Staub ansetzt.

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03.10.2021

Time doesn't heal - it only makes you forget.

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