Concrete Winds - Primitive Force

Review

Soundcheck Juli 2019# 7

„Primitive Force“ ist zwar das Debüt von CONCRETE WINDS, doch die wiederum sind quasi die Nachfolger der finnischen VORUM. Und jene Burschen trieben zwischen 2008 und 2018 ihr auch bei uns viel beachtetes Unwesen („Grim Death Awaits“, „Poisoned Void“, „Current Mouth“).

Du magst es stressig, unharmonisch und extrem dreckig auf die Ohren? Dann bist du bei CONCRETE WINDS genau richtig, denn die Finnen blasen dir wirklich die Gehörgänge frei. Räudig, lärmend, nervig, das ist die simple Formel dieser Rabauken.

CONCRETE WINDS mit primitiver Wucht

Man erlebt echt verdammt selten eine Kapelle, die einem mit ihrer Mucke dermaßen auf die Ketten geht wie CONCRETE WINDS. Das sollte man jetzt aber nicht mal unbedingt als Kritik verstehen, es ist eigentlich eher eine Art Kompliment. Denn aus irgendeinem Grund greift man dennoch immer wieder mal zu „Primitive Force“, also muss die Scheibe schon etwas haben. Was einem zunächst als purer und teilweise recht mies produzierter Lärm erscheint, entpuppt sich mit der Zeit als gewollt schmutziges Chaos und entfaltet dadurch eine äußerst seltsame Faszination.

Nur wenige Parts bleiben wirklich hängen, und das auch nicht nach mehreren Durchlaufen. Doch ganz genau das ist auch ziemlich sicher nicht das Ziel dieses dreckigen Silberlings. „Primitive Force“ will dir den Nerv töten, und zwar immer und immer wieder. An schlechten Tagen, also wenn diese Scheibe überhaupt nicht geht, vergibt man sicher locker vier Punkte weniger. Dennoch hat das Ganze einen recht seltsamen und vor allem eigenen Charme.

Volle Kanne Krach auf beide Löffel

Der Promozettel schwadroniert von „wildester Wut und schwärzestem Zorn“, dem „Inbegriff von Gewalt“ und der „puren Magie eines Death-Metal-Sounds“. Typisch übertriebenes Promo-Gefasel? Nein, verdammt nochmal, das kann man durchaus so unterschreiben. „Primitive Force“ ist zutiefst verstörend und beeindruckend zugleich. Und viel besser hätte man diese Scheibe auch kaum betiteln können. Denn ja, ihr wohnt eine gewisse chaotische Kraft inne, und nochmals ja, das Ding ist wirklich primitiv.

Die einzige Abwechslung in diesem infernalischen Geballer ist eigentlich nur „Tyrant Pulse“ mit seinem dezenten Industrial-Touch. Da gibt es anfangs sogar mal richtige Harmonien zu bewundern und auch ansonsten geht dieser Track richtig prima ins Ohr. Abwechslung dieser Art könnte man zukünftig ruhig öfters mal einstreuen. Auch „Dissident Mutilator“ bietet mal kurz einen Nicht-Vollgas-Part an und „Volcanic Turmoil“ hatte durchaus ein paar markante Harmonien.

Ansonsten holzen und prügeln sich CONCRETE WINDS ungestüm durch den stinkenden Morast. Und obwohl die Scheibe mit 25 Minuten eigentlich verdammt kurz ist, fühlt man sich danach wie nach einer mehrstündigen Folter. Diese Scheibe ist ganz klar ein Angriff auf die Schönheit der Musik.

Ein Angriff auf die Schönheit der Musik

Vom täglichen Genuss sei dem Normalo-Krach-Liebhaber ganz sicher abzuraten, aber in gelegentlichen Dosen erzielt diese starke Medizin eine nicht zu verachtende Wirkung. Auch die Produktion wird den meisten richtig weh tun, aber auch das soll ganz sicher genauso sein. Ein klarer und sauberer Sound hätte nämlich die Grundstimmung von „Primitive Force“ ziemlich zerstört.

Und falls es so etwas wie War Death Metal bis jetzt noch nicht geben sollte, wer kennt sich da schon noch aus heutzutage, dann haben ihn CONCRETE WINDS mit dieser Scheibe möglicherweise gerade erfunden. Diese Art von chaotischer Kakophonie kennt man ja eigentlich eher aus dem schwarzen Sektor vom War Metal.

CONCRETE WINDS wollen möglicherweise vieles sein, aber ganz sicher keine Band für den Großteil der metallischen Gemeinde. „Primitive Future“ spricht eher die Spezialisten der Szene an, denen es kaum schräg, laut und wüst genug sein kann. Der Otto Normalhörer wird um diese Scheibe eher einen Bogen machen.

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02.07.2019

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19 Kommentare zu Concrete Winds - Primitive Force

  1. ClutchNixon sagt:

    Das Problem, dass ich mit War Metal Bands im Allgemeinen, und den hier gegenständlichen CW im Speziellen habe: Die sind einfach mal echt Scheiße! Und weil es natürlich ungeheuer frustrierend ist einfach mal wirklich Scheiße zu sein und man sein Instrument niemals und unter keinen Umständen wird spielen können, entscheidet der Dilettant, sich seiner unfassbaren Talentfreiheit aufs schmerzhafteste bewusst, dass War Metal eine wirkliche Alternative darstellt. Der hier rezensierte Schrott ist dann die Quintessenz besagter Scheiße und einfach schlecht, will sagen: Von so was kommt so was.

    1. nili68 sagt:

      War Metal, Raw Black Metal und so was macht man halt, wenn man für richtigen Death/Black Metal zu schlecht ist und faselt dann was von archaisch und so. Kommt auch bei normalem Death/Black vor, aber hier ist das Programm..

    2. BlindeGardine sagt:

      Das Problem, dass ich mit War Metal Bands im Allgemeinen habe: Die klingen halt nicht wie Krieg, sondern wie ein Unfall im Geschirrschrank. Wenn ich also mal wieder die Töpfe und Pfannen zu komisch staple, sie mir dann beim nächsten Öffnen des Schranks entgegen fliegen und ich das ganze mit dem Handy aufnehme, dann habe ich im Prinzip War Metal. Und unter diesem Gesichtspunkt klingt das Ganze dann halt nicht mehr archaisch, infernalisch oder brutal, sondern einfach nur nach „dumm gelaufen“.

      1. ClutchNixon sagt:

        Aber bitte einen Uraltknochen von Handy, oder aber alternativ ein Vierspurgerät von 1982, damit es auch wirklich nach rupturierter Milz klingt. In diesem Sinne dann auch bitte die Umbenennung in Spleen Rupture. Danke!

  2. royale sagt:

    Concrete Winds, wat ist denn das, wat machen die?
    Wie gewohnt „Concrete Winds – Primitive Force“, copie + paste -> youtube!
    Was die nun machen, weiss ich immer noch nicht! Ich bau nun erstmal was 😀 😀 😀

    1. BlindeGardine sagt:

      Ich glaube wenn man zu viel Beton isst ohne ein Magenbitter zu trinken bekommt man Concrete Winds.

      1. ClutchNixon sagt:

        Ich habe sehr gehofft, dass jemand den Witz vor mir macht 😂

      2. BlindeGardine sagt:

        Oder aachener printen, die gehen auch.

      3. doktor von pain sagt:

        Verursacht durch primitive force. Passt doch.

      4. Nether sagt:

        Als Aachener kann ich bestätigen, dass Aachener Printen nach dem Verzehr garnicht erst bis in den Darm vordringen um dort irgendwelche Winde zu verursachen. 🤢

  3. Sane sagt:

    Ich bin in Aachen geboren, habe dort als Kind eine Printe gegessen, die ist bis heute nicht verdaut. 😉

    1. Nether sagt:

      Und die ist noch drin? Respekt! Bei mir kommen die Dinger immer postwendend wieder oben raus.

      1. BlindeGardine sagt:

        Jedenfalls finde ich es sehr lobenswert, dass sich in diesen Kommentarspalten ausnahmsweise auch mal ausschließlich mit dem musikalischen Inhalt des vorgestellten Albums beschäftigt wird.

      2. ClutchNixon sagt:

        Sowieso.

  4. Klodumbo sagt:

    Concrete winds. Im deutschsprachigen Raum auch Schurz genannt.

  5. klitz4thrash sagt:

    Also nach dem was ihr in den Kommentaren geschrieben habt fand ich das was ich auf Bandcamp gefunden hab brav, sauber gespielt und gut produziert. Also im Vergleich zu Aachener Printen. Keine 10/10 aber durchaus ernst zu nehmen.

    6/10
    1. BlindeGardine sagt:

      Zugegeben, ich hatte es mir auch schlimmer vorgestellt, als es dann beim Reinhören via Bandcamp klang. Aber gut ist halt auch anders.

    2. ClutchNixon sagt:

      Äh, ja…warum auch nicht? Gut für dich.

      1. ClutchNixon sagt:

        Ergänzung: @ klitz