Continents - Reprisal

Review

„Reprisal“ ist eine merkwürdige Platte. Ein Album mit zwei Gesichtern – eines, das einerseits mitreißt, andererseits aber für Schulterzucken sorgt. Weil die walisischen Wüteriche CONTINENTS sich nicht entscheiden können. Verschnörkelter, chaotischer Hardcore oder eingängige, atmosphärische Momente – beides hat der Zweitling des Fünfers in petto. Nur dass beides im Kontext der Scheibe irgendwie nicht zueinanderfinden will.

Im Vergleich zum Vorgängerwerk „Idle Hands“ ist der Klargesang gänzlich aus dem Klangbild der Briten gewichen. Entsprechend ruppig gestaltet sich das Hörerlebnis: Beim Opener „Drowned In Hate“, der zunächst grimmig aus den Boxen lärmt und viel Oldschool-Flair versprüht, sowie dem anschließenden Stampfer „Scorn“ steht dem Quintett noch in dicken Lettern „HC“ auf die Stirn geschrieben – im Midtempo dreschen CONTINENTS stoisch, aber durchaus variabel voran und garnieren das Ganze noch mit zähflüssigen, fies groovenden Zwischenparts und den obligatorischen Gangshouts. Und spätestens nach dem überragenden Kracher „Life Of Misery“ stellt sich beim geneigten Musikkritiker die Ahnung ein, es hier mit der Neuentdeckung des (zugegeben mittlerweile vergangenen) Jahres im Bereich des zeitgenössischen Hardcore zu tun zu haben.

Mitte der Platte folgt dann aber aus unerklärlichen Gründen der komplette Cut: Beim von elektronischen Beats durchsetzten Interlude „I“ und dem anschließenden Titeltrack klingen CONTINENTS plötzlich völlig anders – beziehungsweise seltsam vertraut. Drastischer gesagt: Einen dermaßen offensichtlichen (wenn auch nicht zwingend schlechten) ARCHITECTS-Abklatsch hat der eben noch so euphorische Rezensent wahrlich selten gehört. Alles, wirklich alles – vom Gesang über das Riffing und Drumming bis hin zur allgemeinen Beschaffenheit der Songs – scheint von den Briten abgekupfert. Und es geht munter weiter: Auch der Beginn des anschließenden „Awakening“ weist erhebliche Ähnlichkeiten zum Auftakt von „Naysayer“ auf, und auch im weiteren Verlauf liefern insbesondere die heruntergestimmten Klampfen die eine oder andere ziemlich plumpe Hommage an die britischen (so viel ist nun sicher) Vorbilder.

Das Verrückte: In der Folge (bis auf Ausnahme des an vorletzter Stelle platzierten „Alone“) kehren CONTINENTS wieder zum rüden Hardcore-Gehaue des Albumbeginns zurück, als wäre nichts gewesen: Sowohl „Love. Loathe. Loss.“ mit seinem gemeinen, knackigen Schlusspart als auch „The Defeatist“ dömmeln wieder herrlich angepisst und rotzig nach vorn.

Letztlich sorgt „Reprisal“ in Gänze jedoch – wie eingangs erwähnt – für Ratlosigkeit. Was genau ist das Ziel hinter der offensichtlichen Zweiteilung des Albums? Haben es CONTINENTS einfach nicht geschafft, elf unverkennbar eigene Kompositionen auf die Kette zu bekommen? Oder wollten sie wie zwei verschiedene Bands klingen? Ersteres ist Fakt, zweiteres unklar. Tatsache ist: Wenn es um facettenreichen, versierten und modernen Hardcore geht, wäre den Walisern fast ein richtiges Ausrufezeichen geglückt. Wie gesagt: fast.

Mist, hier tut was nicht.Whoops! Hier sollte eigentlich ein Video- oder Audio-embed erscheinen. ...
12.01.2016

"Am Ende isses immer Arbeit."

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