Daäth Shadow - Crowns For Kings

Review

Osmose Productions waren Mitte der Neunziger die wohl heißeste Adresse im Black Metal, die eine ganze Reihe unsterblicher Klassiker herausgebracht hat. Auch heutzutage hat Hervé mitunter noch einen guten Riecher, wie er in jüngerer Vergangenheit etwa mit VEHEMENTER NOS bewiesen hat. Viel zu oft jedoch bringt die französische Plattenfirma Veröffentlichungen auf den ganz sicher nicht an Unterangebot leidenden Markt, die wahrscheinlich auch Mister Osmose selbst langweilig findet. Alben wie etwa „Crowns For Kings“.

Dabei kann man DAÄTH SHADOW nicht mal vorwerfen, sich keine Mühe zu geben: Gleich sieben Leute bietet die Truppe auf, um das Publikum zu begeistern; von denen spielen ganze drei Gitarre, und ebenso viele kümmern sich um Effekte und Samples. Was für ein Aufgebot! Doch wenn das Ergebnis von soviel Manpower nicht begeistern kann, so liegt das nicht daran, dass viele Köche den Brei verderben würden. Vielmehr scheint das Problem darin zu bestehen, dass die Truppe aus Leuten besteht, die bestenfalls Soldaten bekochen dürften („Viehzucht oder Bundeswehr!“) und in einer richtigen Küche gerademal zum Zwiebelschneiden zu gebrauchen wären. Einen kreativen Küchenchef scheinen die Niederländer nicht in ihren Reihen zu haben, zumindest ist auf „Crowns For Kings“ nichts von einem solchen zu spüren.

Das Ergebnis ist dann folgerichtig ein grauer Brei aus Black- und Death-Metal-Elementen, der so recht nach nichts schmecken will. Dass die erwähnten drei Effekttypen nicht mehr hinkriegen als ein paar ausgelutschte Crowley-Schnipsel sowie etwas Brummen und Surren von Hochspannungs- oder Telefonleitungen, ist bezeichnet für das kreative Niveau der gesamten Truppe. Ob nun eher melodisch gemeinte BM-Momente oder stumpfes DM-Gerödel – „Crowns For Kings“ ist zu keinem Zeitpunkt aufregend, spannend oder ähnliches. Noch nicht mal als erträgliche Unterhaltung würde ich die Scheibe bezeichnen wollen, denn mich ärgert es, meine Zeit mit so gehaltloser Musik zu verbringen. Interessant wird die Angelegenheit lediglich auf der Metaebene: Ich finde es erstaunlich, dass selbst bei einer zahlenmäßig so großen Band keiner merkt, dass die eigene Musik eher überflüssig ist. Bei Soloprojekten kann ich ja nachvollziehen, dass nach einem Monat im Kinderzimmer die Fähigkeit zur Selbstkritik leidet, aber bei sieben Musikanten könnte doch zumindest einer merken, wie mittelmäßig die eigenen Kreationen sind. Oder dass (vorgeblich) ernsthaft gemurmelte Texte der Marke „My Master Satan, I give You my Soul“ anno 2010 in erster Linie erheiternd wirken.

Nach soviel Kritik muss ich der Fairness halber natürlich anmerken, dass „Crowns For Kings“ zumindest professionell umgesetzt wurde. Die Produktion passt zur stilistischen Ausrichtung, soll heißen, sie ist kraftvoll-roh und bietet eine ordentliche Balanz zwischen BM-Klirren und DM-Bass. Mit „Anthem of Death“ hat sich sogar ein Stück aufs Album geschlichen, das nicht vollkommen nichtssagend ist. Genauer gesagt gibt es von der Sorte noch ein zweites, aber das überlange „Nicolstreet 1888“ fällt nicht so sehr durch seine Klasse als vielmehr durch seine Unpassenheit auf. Ein melodischer Heavy-Metal-Song inklusive Pornosoli mag ja für DAÄTH SHADOW originell sein, ist auf dem Album aber in erster Linie ein komischer Sonderling. Von „Crowns For Kings“ in seiner Gesamtheit kann man das leider nicht sagen. Das Album bietet ideenslose Stangenware, die – das muss man so direkt sagen – letztendlich keiner braucht.

02.02.2010

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