dArtagnan - Feuer & Flamme

Review

DARTAGNAN – Von „Schwiegermutters Liebling“ zur ernstzunehmenden Rockband?

Zugegeben: Man musste zu Beginn der Karriere von DARTAGNAN das Genre des Folk Rocks eher großzügig auslegen, um die Band auf metal.de stattfinden zu lassen. Die Ähnlichkeit des Sounds zu SANTIANO und Auftritte bei diversen Schlagerveranstaltungen verlangte zudem Fans von FEUERSCHWANZ-Frontmann Ben Metzner einen gewissen Sympathievorschuss ab, als dieser 2015 mit seinem Musketierprojekt die Bühnen dieser Welt betrat. Seit dem hat sich die Band jedoch stetig weiterentwickelt und dabei versucht ihr anfängliches Image von “Schwiegermutters Liebling“ zur ernstzunehmenden Rockband zu wandeln. Diese Wandlung scheint nun mit „Feuer & Flamme“ vollendet – vom ursprünglichen Kitsch ist kaum mehr etwas übrig.

Opener und erste Single ist der Song “C’est La Vie“, ein amtlicher Rocker mit simpler Botschaft und ungewohntem, aber sympathischem Symphonic-Rock-Sound. Bereits hier zeigen DARTAGNAN in welche Richtung sich ihr viertes Album entwickeln soll: mehr Druck, kerniger, rauer. Das verspielte Folk-Intermezzo rundet den ersten Eindruck gekonnt ab. Der weitere Albumverlauf belohnt den so entstandenen Optimismus: “Feste Feiern“ ist eine starke Partynummer, welche die Sehnsucht nach Konzerten ins Unermessliche steigen lässt, der Titeltrack “Feuer & Flamme“ packt trotz eher eindimensionalem Text durch sein kräftiges Rockarrangement und die zweite Single “Farewell“ glänzt mit einer zauberhaften PATTY GURDY als Gastmusikerin und einem feinen Irish-Folk-Flair.

„Feuer & Flamme“ begeistern mit ernsten Tönen

Bislang hinterlässt das Album demnach einen guten Gesamteindruck – die wahren Highlights haben sich DARTAGNAN jedoch für die ernsten Themen aufgehoben. “Völkerschlacht“ erweitert die Reihe historisch inspirierter Stücke um einen weiteren energiegeladenen Song, der von der kriegsentscheidenden Schlacht der Befreiungskriege bei Leipzig 1813 erzählt. Ein düsteres Cembalo verleiht dem Text das richtige Flair, wenn gefallene Söhne beklagt werden. Die drückende und bedrohliche Atmosphäre des Songs steht DARTAGNAN unsagbar gut. Politisch wird es indes bei “Scharlatan“, einer packenden Hymne über Kopfverdreher und Möchtegernanführer – und den fragwürdigen Erfolg selbiger. Eine derart kraftvolle und beinahe wütende Nummer hat man im Musketierkosmos wohl nicht erwartet! Den emotionalen Höhepunkt liefert allerdings “Solang Dein Blut“. Sänger Ben Metzner verarbeitet hier den Tod seiner Mutter auf ergreifende Weise, sodass es schwer fällt, hier nicht selbst eine Träne zu vergießen. Eine solch ehrlich gefühlvolle Ballade ist eine echte Rarität und einer der stärksten Tracks der Bandgeschichte.

DAVID BOWIE, SASHA und BEETHOVEN treffen auf DARTAGNAN

Neben dem starken Eindruck des Hauptalbums gibt es auf der “Helden-Edition“ ein lustiges Potpourri aus Coverversionen, einem Instrumental und illustren Features. Zunächst einmal muss dazu angemerkt werden, dass es für eine deutsche Folk-Rock-Band mutig ist, einen Song wie “Heroes“ von DAVID BOWIE zu covern. Was DARTAGNAN daraus machen ist allerdings mehr als beachtlich: durch eine trefflich eingesetzte Uilleann-Pipe büßt die Nummer nichts vom Charme und der Melancholie des Originals ein. Vielmehr gewinnt diese eine spannende Cover-Version dazu, in der vor allem Ben Metzner am Gesang zeigen kann, was in ihm steckt. Neben UDO JÜRGENS‘ “Griechischer Wein“, dessen Text deutlich über das hinausgeht, was Otto Normal aus dem Refrain kennt, begeistert die Band ebenso mit einer Kurzversion von BEETHOVENs “Ode An Die Freude“. Beiden Stücken steht das Folk-Gewand erstaunlich gut. Ergänzt wird diese spaßige Zusammenstellung um das herrlich flehende, später druckvolle Instrumental “Wenn Helden Tanzen“, das so sehr IRLAND schreit, wie es nur geht, das in russischer Sprache vorgetragene Lied der Musketiere “Pesnya Mushketerov“ und das Gipfeltreffen mit SCHANDMAUL “An Der Tafelrunde“. Für all diejenigen Mittelalterfans, die zudem das ironisch-alberne “Kaufmann & Maid“ verpasst haben sollten, sei der Kauf dringend empfohlen. Das Feature mit SALTATIO MORTIS, TANZWUT, PATTY GURDY, FEUERSCHWANZ und Pop-Sänger SASHA (der Ausgangspunkt des Ganzen) wird jeden Freund der Szene aufs trefflichste unterhalten.

Nichts für die harte Metal-Elite, umso mehr für Folk-Rock-Fans!

Ganz ablegen werden DARTAGNAN ihren Hang zu poppigen Melodien und kitschigen Texten wohl nie – schließlich hat es auch auf ein so überzeugendes Album wie “Feuer & Flamme“ ein Song wie “Ja Ich Will“ geschafft, der ein wenig zu sehr in der Schmalzkiste wühlt (das im Anschluss herrlich folkende “Drei Brüder“ stimmt jedoch wieder gnädig). Nichtsdestotrotz ist die Bandentwicklung bemerkenswert. Die Mischung aus immer präsenter werdenden, druckvollen E-Gitarren, beeindruckend abwechslungsreichem Geigenspiel und einem wilden Folk-Instrumentarium (Uilleann Pipes, diverse Whistles, Cembalo, Mandoline, Banjo…) lassen DARTAGNAN vom anfangs belächelten Schlager-Mittelalterensemble zur Genregröße reifen.

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29.03.2021

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