Destinies - Ein kompetitives Sandbox-Rollenspiel

Review

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Man muss ja nicht immer mit der Zeit gehen. Im Mittelalter beispielsweise waren Handys mit interaktiven Brettspiel-Apps – so haben intensive Recherchen ergeben – eher nicht so populär. Trotzdem zaubert Lucky Duck Games mit QR-Codes und Spiele-App ganz trefflich fantasygeladenen Mittelalterflair für 1-3 Anachronist:innen auf euren Tisch.

DESTINIES, in der deutschen Version von Spieleschmiede-Verlag GRIMSPIRE zu euch gebracht, überzeugt mit einem innovativen Spielsystem, mehreren Solospiel-Modi, zauberhafter Grafik und ja: Mit einer App. Wer am Spieletisch für einen vollen Handyakku zu puristisch ist, braucht nicht weiter zu lesen. Für alle anderen folgt nun eine klare Ansage zur Gestaltung des nächsten freien Abends.

Schneller Einstieg – viele Optionen

DESTINIES ist ein kompetitives Sandbox-Rollenspiel mit ausgefeilter Story, die (in der Basisversion) in einer vierteiligen Kampagne durchspielt wird. Für jeden Teil der Kampagne haben Spieler die Auswahl zwischen drei neuen Charakteren, sodass am Ende zwar eine zusammenhängende Geschichte, jedoch jede Runde mit einer neuen Figur durchlaufen wird. Zudem stehen alle Szenarien für mehrere Spielerinnen (zwei oder drei) oder als Solo-Version zur Verfügung. Auch Wiederholungstäter dürften sich folglich nicht langweilen.

Die Regeln lesen sich ähnlich flott, wie die Zubereitungsinstruktionen fürs Mikrowellenpopcorn, denn die App übernimmt die Spielleiterfunktion und wenige Regeln genügen, um sich in der Welt von DESTINIES zurecht zu finden.

Im Zentrum stehen dabei die namensgebenden Schicksale der Figuren. Für jeden Charakter stehen hiervon zwei zur Auswahl, von denen ein beliebiges als Spielziel zu erfüllen ist. Wer das am schnellsten schafft, siegt. Per Würfel werden die Attribute Intelligenz, Geschick und Stärke modifiziert und Proben bestritten – alles weitere geschieht in der App.

Software als zentrales Spielmaterial

Dabei kann sich das analoge Spielmaterial dennoch sehen lassen: DESTINIES enthält zahlreiche, schön gestaltete Karten mit Waffen und anderen Items, jeweils ein Spieler-Board zur Darstellung der Attribute, diverse Tokens und ansehnliche Würfel. Figuren, die als Story-Element auf das Spielfeld gestellt werden, kommen als winzige, sehr detaillierte Miniaturen daher. Das Spielbrett besteht aus sorgfältig ausgestalteten Kacheln, die auf Anweisung der App zunächst als Nebel angelegt und als Spieler-Aktion aufgedeckt werden.

Gleichzeitig erfolgt eine Darstellung des Spielfeldes mit allen NPCs und sonstigen Effekten in der intuitiven App. Interaktionen und die Verwendung von Items werden der Software per Antippen und QR-Code kommuniziert, was reibungslos funktioniert.

Lohnt sich alleine oder in der Gruppe

Das erinnert natürlich an bekannte (kooperative) Spiele wie VILLEN DES WAHNSINNS oder CHRONICLES OF CRIME (ebenfalls von LUCKY DUCK). DESTINIES liefert, neben dem kompetitiven Charakter des Mehrspieler-Modus, insgesamt aber mehr Freiheiten und Entscheidungsoptionen, als die vorgenannten App-Brettspiel-Kollegen. Während zwei Solospiel-Modi – im Wesentlichen mit und ohne Zeitdruck – beste Unterhaltung für einsame Spielerinnen garantieren, gelingt DESTINIES in der Gruppe der seltene Brückenschlag zwischen „nebeneinander“ verfolgten Individualzielen einerseits und spannender Spielerinteraktion andererseits.

Welches Schicksal man nämlich mit seinem Charakter konkret verfolgt, wird im Mehrspielermodus vor dem Rest der Gruppe zwar verborgen – sämtliche Interaktionen mit NPCs, Spielbrett und Storyelemente werden jedoch in der Runde geteilt, sodass manche Unterhaltung der Konkurrenz wichtige Infos und Entdeckungen liefern kann. Spielzüge der übrigen Spieler sind somit für alle spannend und im Spielerleben ergibt sich wenig Downtime. Das Handy, bzw. Tablet mit der Spielapp wird hierzu übrigens zwischen den Spielerinnen herum gereicht.

Mehr als ein Handy-Game

Wer am Spieletisch auf Pappe und Plastik fixiert ist, wird bemängeln, dass man DESTINIES fast vollständig ohne handfestes Material einfach in der App spielen könnte. Ein Notizzettel und ein paar Würfel genügen und das übrige Material wäre obsolet – theoretisch! Wer der Technik zugewandt ist, dürfte hingegen an der gelungenen Verschmelzung aus App und Brett größte Freude haben. Was bei vergleichbaren Spielen in hektisches Blättern im 233-seitigen Regelbuch (ohne Erweiterungen) ausartet, wird hier spieler- und zeitfreundlich auf dem Handy erledigt. Handling und Optik entsprechen jedoch einem liebevoll gestalteten Fantasy-Brettspiel, das Spielerinnen nicht selten an ein gut strukturiertes Pen&Paper-Spiel erinnern wird, ohne dass ein Spielleiter gebraucht würde. Nicht zuletzt empfiehlt sich DESTINIES hierdurch sowohl Gelegenheitsspielern, als auch Kennerinnen.

Und schließlich ist es somit maximal festivaltauglich – denn auch nach einem Zusammensturz des Campingtisches kann nötigenfalls einfach auf dem Handy weiter gezockt werden.

Prädikat: Kaufempfehlung!

Spieleranzahl: 1-3
Spielzeit: 120 – 150 Minuten
Verlag: Grimspire
Sprachen: deutsch
Festivaltauglichkeit: Durch geringe Menge an benötigtem Material und App durchaus gut machbar.
Musikempfehlung: BATHORY – „Blood Fire Death“, CORVUS CORAX – “Skál“ oder der Klassiker „Cantus Buranus“

Würfeln und blättern, statt lauschen und headbangen – In der Rubrik „Dice ‚em All“ stellen wir euch ausnahmsweise keine Musik vor, sondern Rollen- und Brettspiele.

12.07.2021

"HINTER DIR! EIN DREIKÖPFIGER AFFE!" - Guybrush Threepwood

Der metal.de Serviervorschlag

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7 Kommentare zu Destinies - Ein kompetitives Sandbox-Rollenspiel

  1. Watutinki sagt:

    Danke für den Tipp! Wie sehr muss man der Sprache aus Monkey Island mächtig sein, oder gibt’s das Game auch auf deutsch?

  2. nili68 sagt:

    Ich lese Handy und App und bin raus, da interessiert der Rest mich nicht mehr. Trotzdem viel Spaß damit. 🙂

  3. Watutinki sagt:

    Naja, wenn Du die Zeit hast Dich als Spielleiter einzuarbeiten, mich hat das bisher abgeschreckt. Von daher finde ich die Idee, dass das vom Smarti übernommen wird, eigentlich ganz charmant.

  4. Alex Becker sagt:

    @Watutinki
    „Wie passend, du kämpfst wie eine Kuh.“ 😉
    Die Originalversion von Lucky Duck gab es auf englisch und französisch. Grimspire ist einer der Spieleschmiede-Verlage und somit ist diese Version natürlich auf deutsch. In der App hast du aber die Möglichkeit jede verfügbare Sprache zu wählen.

  5. Watutinki sagt:

    Ah super, habe zuerst nur englische Versionen gefunden.

    Zugegebenermaßen, das Smartphone als Spielement zu nutzen, das wäre so, als ich würde man Transilvanian Hunger mit Dimmu Borgir Orchester Bombast kreuzen und unter NB produzieren. Geht eigentlich gar nicht und kann ein puristisches Pen’n’Paper RPG niemals ersetzen. Aber wenn halt die Zeit und Muse fehlt sich in komplexe Welten einzuarbeiten…. – was soll ich machen! ;))

  6. ClutchNixon sagt:

    „Geht gar nicht“ passt hier wieder mal hervorragend. Mann Watu🤦‍♂️

  7. Watutinki sagt:

    Pffffffffffffffffffffffffffff….. Hinter Dir, ein dreiköpfiger Affe.
    Ach ne, es ist stormy. :))

    Jetzt bin ich mal gespannt, ob er tatsächlich Spass versteht. :))