Det Eviga Leendet - Lenience

Review

Die Bezeichnung Re-Release trifft auf „Lenience“ nicht so richtig zu. Korrekt ist, dass das Debütalbum von DET EVIGA LEENDET zwar bereits im Herbst 2018 in den USA erschienen ist, ihren Einstand in Europa feiern sie aber quasi jetzt. Zum Glück, denn ansonsten wäre uns eine Überraschung durch die Lappen gegangen.

„Lenience“ erfordert etwas Geduld

DET EVIGA LEENDET fallen allerdings nicht mit der Tür ins Haus. Der Black Metal der Schweden braucht seine Zeit, um seine Wirkung zu entfalten. Etwas Geduld ist also gefragt, um mit „Lenience“ warm zu werden. Auch wenn „Wärme“ in diesem Kontext das falsche Wort ist. Die Jungs aus Uppsala fühlen sich nämlich eher dort wohl, wo keine Sonne hinkommt. Von Kälte ist „Lenience“ allerdings auch nicht geprägt. Eher von allen Gefühlen, die einer tiefen Depression gleichkommen könnten. Verzweifelte Hoffnungslosigkeit also, die frei von Pathos vorgetragen wird. Übrigens auch fernab von purer Monotonie.

Stattdessen senkt sich auch in den schnelleren Momenten eine Schwere über den Sound, die ihre Spuren hinterlässt. „Lenience“ ist auch melodisch, lässt diese Elemente aber eher wie traurige Messerstiche wirken, die zusätzlich immer wieder von Synthies untermauert werden. Logisch, auch schwere, kurzzeitig monotone Momente gehören zum Repertoire von DET EVIGA LEENDET. Mit diesen schafft es das anonyme Quintett, Spannung aufzubauen, um die nächste tiefgraue Gitarren-Wand herabzusenken.

Damit setzt sich „Lanience“, ohne dass es groß auffällt, zwischen die Stühle. Einerseits reagiert ein rohes Black-Metal-Klangbild das Geschehen, das zeitweise in DSBM-Bahnen abdriftet, andererseits finden sich auch genügend Einflüsse, denen sich der Post-(Black-)Metal heuer bedient. Sowohl die Verwendung der Tremolo-Gitarren und allgemein dem Spiel mit laut-leise als auch die vorherrschende Stimmung aus allgegenwärtigen erdrückenden Grautönen weisen gewisse Ähnlichkeiten auf. Letztere erinnert allerdings zeitweise eher an Bands wie ALTAR OF PLAGUES als an aktuelle Kapellen.

DET EVIGA LEENDET sind fernab von „Mimimi“

Grundlegend dafür ist, dass DET EVIGA LEENDET nicht in Gejammer und Selbstmitleid versinken, sondern sich durchaus scharfkantig präsentieren, ohne dabei Emotionen vermissen zulassen. Allein die peinvollen Vocals treffen tiefer als das, sorry, ganze „Mimimi“, welches derzeit im Trend liegt. „Lenience“ ist der Spagat eines Werkes voller Trauer und Verzweiflung auf der einen und einer kantigen, pathosfreien Herangehensweise auf der anderen Seite. Klar zu empfehlen.

16.07.2019

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1 Kommentar zu Det Eviga Leendet - Lenience

  1. Waldfleisch sagt:

    Ich hatte das Ding nicht auf dem Schirm. Aber nach einem vollständigen Hördurchgang kann ich die Rezi hier nur bestätigen. Freu mich auf weitere Durchläufe. Ein geiles Teil, dieses Album!

    8/10