Dr. Acula - Slander

Review

Was da aus New York über den großen Teich den Weg zu mir findet, ist zunächst mal eines: Ziemlich bunt. Die auf dem Cover abgebildeten Personen geben mit ihren in bester Comic-Manier überzeichneten Gesichtszügen schon mal einen Hinweis darauf, dass es sich bei der aktuellen Scheibe von DR.ACULA um eine ungewöhnliche Interpretation von “Metal“ handelt.

Unweigerlich erinnert mich das Artwork mit seinen vielen kräftigen Farben an typische Shirt-Designs moderner Death- und Metalcore Combos. Und so verkehrt liege ich mit dieser Assoziation auch gar nicht. Denn im weitesten Sinne fällt die auf “Slander“ dargebotene Musik unbestritten unter die Rubrik Deathcore. Allerdings gehen die sieben (!) Amis mit einer gehörigen Portion Humor an die Sache, was sich darin bemerkbar macht, dass viele der typischen Stilelemente dieser Spielart in übertriebener und überspitzter Art und Weise Anwendung finden. Neben zahlreichen Gangshouts arbeitet man äußerst häufig mit Breakdowns, die in ihrer Struktur so stereotyp sind, wie sie nur sein können. Dass dies aber nicht auf Ideenlosigkeit zurückzuführen ist, sondern vielmehr eine gehörige Portion Ironie mitschwimmt, verdeutlicht die Tatsache, dass diese simplen Riffs außergewöhnlich langsam vorgetragen werden. Irgendwie will und kann man das nicht ernst nehmen. Ich nehme dieses unterschwellige Augenzwinkern mit einem leichten Grinsen zur Kenntnis und muss zugleich zugestehen, dass besagte Passagen trotz aller Ironie ihre aggressive Wirkung behalten.

Da DR.ACULA aber auch wirklich sicher gehen wollen, dass auch der letzte Hinterwäldler versteht, dass die Chose nicht ganz ernst gemeint ist, setzten sie noch eins oben drauf und machen hier und da einen Abstecher in völlig absurde musikalische Gefilde. Mal gibt es eine kleine Techno-Einlage, dann wieder eine altbekannte Super Mario-Melodie mit authentischem 8-Bit-Sound. Das ist zwar alles nett gemeint, verfehlt aber leider seine Wirkung, denn diese Ausflüge sind weder wirklich witzig, noch tragen sie zu der vermutlich angestrebten Partystimmung bei. Im Gegenteil, sie sind ein Störfaktor, pflegen sich nicht in das Gesamtwerk ein, wirken sperrig und aufgesetzt, kurzum unpassend. Fast wie ein Gericht, dem man noch den letzten Pepp verpassen möchte, aber zu den falschen Gewürzen greift und damit das eigentlich leckere Essen versaut.

Das heißt nicht, dass “Slander“ von Grund auf schlecht ist. Mir ist die lockere, selbstironische Herangehensweise von DR.ACULA eigentlich sogar ganz sympathisch. Insgesamt betrachtet ist es dann aber doch zu viel des Guten. Alles wirkt ein Stück weit aufgezwungen, die gewisse Leichtigkeit fehlt letztendlich. Möglicherweise trägt auch die aalglatte Produktion dazu bei, dass man ihnen die Party-Attitüde nicht so recht abnimmt. Manchmal ist weniger eben mehr.

14.02.2011

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