Endoras - Blood On The Horizon

Review

Auch wenn der Bandname sehr nach Tolkien-Literatur klingt, scheint er nur daran angelehnt zu sein. Die Region in Mittelerde, die ich sofort mit diesem Namen in Zusammenhang brachte, heißt aber Edoras. Die Schweizer Band, die uns ihre Demo-CD „Blood On The Horizon“ zukommen ließ, nennt sich dagegen ENDORAS. Was die Band und Tolkien jedoch gemeinsam haben, ist das Fantasy-Genre. ENDORAS verabeiten in ihrer Musik die verschiedenen Gefühle wie Trauer, Glück, Zorn usw. und betten diese in eine Fantasy-Story ein.

Für ENDORAS´ Sound gibt es eigentlich nur eine Bezeichnung: Epic Metal. Im Grunde vermischen die Eidgenossen Einflüsse aus dem Pagan Metal, dem Symphonic Metal, dem Folk Metal und ein wenig Melo Black mit jeder Menge klischeebehaftetem True Metal. Heraus kommt ein Gemisch, dass man zweifelsohne als episch bezeichnen kann.

Entsprechend ist der Aufbau des Albums. Es wird in musikalischer Form Song für Song eine epische Geschichte erzählt. Dabei gehen die einzelnen Stücke fast nahtlos ineinander über. Ein wenig hat das Ganze auch etwas von einer Metal-Oper, nur wesentlich mehr in ein True Metal-Gewand gekleidet.
ENDORAS schaffen es, den interessanten Stilmischmasch derart zu verknüpfen, dass es tatsächlich wie eine gelungene Einheit klingt. Die zumeist im Mid-Tempo agierende Rhythmusbasis und der Songaufbau in Erzählform stammen eindeutig vom True Metal. Das Gitarrenspiel ist vielseitig, bringt aber desöfteren das typisch traditionell angehauchte Riffing des Pagan Metal mit sich. Instrumentale Intermezzi mit Flöten- und Akkordeontönen steuern die Folkseite hinzu. Und die hin und wieder verwendeten Growls samt der opulenten Keyboarduntermalung haben ihren Ursprung wohl im Melodic Black Metal. Angereichert wird der Sound dann noch mit orchestralen Arrangements aus dem Symphonic Metal.

Es ist kompositorisch jedenfalls eine Top-Leistung, diese ganzen Einflüsse harmonisch miteinander zu verbinden, ohne dass es zu wirr wird oder eine Stil zu dominant wirkt Auch von der instrumentalen Seite wird sehr professionell gearbeitet, damit sich alles zu dieser Einheit zusammenfügt. Leichte Abstriche gibt es bei der Produktion, die noch klarer hätte sein können.
Der Grund, warum „Blood On The Horizon“ trotz des bisherigen Lobs bei mir nicht noch besser abschneidet, ist der Gesang. Was bei den aggressiven Parts noch gut klingt und in der normalen Stimmlage manchmal zwar ein bisschen ausdrucksschwach, aber noch ganz passabel ist, kommt bei den hohen Tönen gnadenlos an die Grenzen. Ich hatte da ein paar Mal den Eindruck, dass sich Mischa Heinens Stimme jeden Moment überschlägt. Vielleicht sind die Vocals auch aus diesem Grund nicht so sehr in den Vordergrund gemischt, wie es bei der stilistischen Ausrichtung adäquat wäre.

Von den Songs einzelne hervorzuheben macht keinen Sinn, da sie teilweise ineinandergreifen und als Ganzes zusammengehören. Sie stellen sich einfach als eine gelungene, epische Einheit dar.
Die einzige Ausnahme bildet „Black Jack Inn“, bei dem gagigerweise kurze Parts aus bei einem Metal-Album ziemlich deplatziert wirkenden Musikrichtungen wie bayerischer Volksmusik (kein Witz!) und Jazz integriert werden. Naja, wem’s gefällt. Ich bevorzuge dann doch die bombastische Epik des übrigen Albums.

Ich bin sicher, wenn ENDORAS das stimmliche Manko in den Griff bekommen, werden sie im Metal-Business ihren Weg machen. Die Kompositionen sprechen schonmal dafür. Und schließlich muss man auch berücksichtigen, dass es sich um das Debut-Demo handelt. Zu beziehen ist „Blood On The Horizon“ über die bandeigene Homepage.

11.06.2008

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